Zedler:Wörter-Buch

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
korrigiert
<<<Vorheriger

Wörter

Nächster>>>

Wörter-Buch, (Deutsches)

Band: 58 (1748), Spalte: 68–70. (Scan)

[[{{{10}}}|{{{10}}} in Wikisource]]
[[w:{{{11}}}|{{{11}}} in der Wikipedia]]
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für WP  
Literatur
* {{Zedler Online|58|Wörter-Buch, Lexicon|68|70}}
Weblinks
{{Wikisource|Zedler:Wörter-Buch|Wörter-Buch, Lexicon|Artikel in [[Johann Heinrich Zedler|Zedlers’]] [[Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste|Universal-Lexicon]] (1748)}}
mit dem Scan von MDZ vergleichen  


Wörter-Buch, Lexicon, was darunter verstanden werde, ist einem jeden mehr als zu bekannt, gleichwie auch, daß dieselben von zweyerley Art sind. Die eine Art derselben hat mit denen Sprachen, und die andere mit denen Wissenschafften zu thun.

Jene Wörter-Bücher, welche mit denen Sprachen beschäfftiget sind, sind älter als diese, welche mit denen Wissenschafften umgehen. Jenen kommet auch der Nahme: Lexicon, mit mehrern Rechte zu, als diesen. Denn in der That kommet Lexicon von dem Griechischen Wort λἐξισ oder Wort her, und heisset nur ein Vocabularium, Dictionarium oder Wörter-Buch; dergleichen wir von allen Sprachen haben, und handeln von denen Lateinischen Wörter-Büchern insonderheit Olaus Borrichius in Diss. de jejunitate Lexicorum Latinorum;[1] und Johann Leonh. Frisch von denen ersten Deutschen Wörter-Büchern, so in Deutschland gedruckt worden (verstehe von Deutsch-Lateinischen Wörter-Büchern), Berlin 1739 in 4[2], so auch in den Actis Scholasticis,[3] Band II, p. 99 u. ff. stehet.

Nach der Zeit aber ist dieser Nahme auch denenjenigen Schrifften eigen worden, die Sachen und Wissenschafften in alphabetischer Ordnung vortragen. Man findet daher in den Bibliothecken, ausser denen vielen 1) Historischen Lexicis, oder, wie sie die Frantzosen in ihrer Sprache genennet, Dictionairen, 2) Biblische, 3) Theologische, 4) Juristische, 5) Medicinische, 6) Philosophische, 7) Mathematische, 8) Staats- Zeitungs- und Conversations- 9) Antiquitäten- 10) Heiligen- 11) Schul- 12) Adels- 13) Kunst- oder Handwercks- 14) Natur- 15) Gelehrten- 16) Geographische, 17) Haußhaltungs- ja auch 18) Frauenzimmer- und endlich noch Diebs- und Spißbuben-Lexica: woraus denn ein jeder den Brauch und Mißbrauch dieses Worts leichtlich erkennen kann. Inzwischen ist denen Alten dieser Nahme: Lexicon, so wohl als auch diese Art zu schreiben, fast unbekannt gewesen. [69] Man lese hiervon des sel. Herrn Johann Peters von Ludwig Vorrede zu diesem Universal-Lexico, so vor dem ersten Theile desselben befindlich. Von einigen Arten angezogener Lexicorum handeln auch besondere Artickel.

Uebrigens wäre noch zu wünschen, daß man ein Wörter-Buch von den neuen Aemtern herausgäbe, und diese Beschäfftigung würde einem gelehrten Mann sehr anständig seyn. Ein solches Werck würde, wie Bayle im Histor- und critischen Wörter-Buche[4] beym Worte: Velser, erinnert, den Uebersetzern und Lesern viel Dienste leisten, denn z. E. es würde uns lehren, was man durch Duumvir Augustanus, des Marcus Velsers beständigen Titel, verstehen muß. Consul von Augspurg ist nicht gut übersetzet, denn die Bürgermeisterliche Würde der Römer, ist der Würde derjenigen nicht gleich gewesen, die man Zweymänner von Augspurg nennet. Herr Bayle bemercket ferner, daß eines von den schönsten Aemtern in Holland, nemlich eines Pensionarius, am allerschlechtesten von der Welt benennet sey. Sein Nahme ist von einer gantz und gar äusserlichen Zufälligkeit hergenommen, weil derjenige, der es verwaltet, von dem gemeinen Wesen ein Jahr Geld bekommt, und giebt nicht den geringsten Begriff weder von den Rechten, noch den Verrichtungen desjenigen, der es bekleidet. Man findet sie in des Furetiere Wörter-Buche[5], welches Beauval verbessert hat[6], sehr wohl ausgeleget.

Ein mehrers hiervon findet man beym Bayle l. c. wo der Herr Prof. Gottsched in einer Note einen ähnlichen Fehler angemercket, der mit seinem berühmten Landsmanne Hevelius begangen wird, wenn man ihn einen Bürgermeister von Dantzig nennet, da er doch nur Raths-Herr der alten Stadt in Dantzig gewesen, welche nicht einmahl einen Bürgermeister hat. Der Irthum ist aber ebenfalls aus der Lateinischen Benennung Consul entstanden, den sich die Dantziger Rathsherren deswegen im Lateinischen beylegen, weil sie sich aus Ehrerbietung gegen die Senatoren des Pohlnischen [7] Reichs, nicht Senatores nennen wollen. Nach der wahren Bedeutung und Abstammung des Worts Consul, a consulendo, geht es auch gar wohl an, einen jeden Rathsherrn einen Consulem zu nennen: Denn ohne Zweiffel hat Brutus, bey Befreyung der Römischen Republick, diese bescheidene Benennung mit allem Fleisse erwählet, und sich nebst seinen Amtsgehülffen, nur Räthe des gemeinen Wesens nennen wollen: um die Bürger um so viel mehr zu bereden, daß die Königliche Gewalt gantz abgeschaffet worden. Ein regierender Bürgermeister in Dantzig, wird also auch mit gutem Rechte der Präsident genennet, so wie die übrigen, die nicht würcklich regieren, Proconsules genennet werden, wenn man sie Lateinisch nennen will.

Ueberhaupt aber läst sichs bey dieser Veranlassung wahrnehmen, wie lächerlich die geschwornen Lateinischen Stilisten handeln, wenn sie uns bey aller Gelegenheit mit den Römischen Titeln, der Consulum, Proconsulum, Praetorum, Aedilium, Tribunorum, Duumvirorum, Triumvirorum, Decemvirorum u. d. g. aufgezogen kommen. Sie reden von Provintzen, Steckenbündeln [70] und Beilen, von Lictoren und Schiffschnäbeln, wo auch nicht der geringste Schatten von dem allen zu finden ist. Der berühmte Werenfels hat diese Schwachheit in seiner Abhandlung, de Meteoris Orationis,[8] sehr schön beschrieben, wenn er sagt: In idem vitium incidunt non reliqui modo Ciceroniani, sed plerique imitatores. Imitantur maximorum virorum dictionem, qui? Umbratici homines, in museo latentes, non nisi pueris, adolescentibus, aut quibusdam sui similibus noti, etc. Quid quaeris? nulla urbs est tam obscura, nullum oppidum tam parvum, in quo non Romanorum scriptorum imitatores, forum, comitium, rostrum, Capitolium, sellas curules, fasces, secures, trabeas, ouationes, triumphos, omnem denique, tamquam in compendio inveniant, antiquae urbis majestatem. Qui quidem omnes recte fortasse, cum Tityro Virgiliano dicerent:

Urbem, quam dicunt Romam, Moelibee putavi,
Stultus ego, huic nostrae similem.

Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Olaus Borrichius: De Lexicorum Latinorum Jejunitate. Hafniae: Morsingius, 1660
  2. Johann Leonhard Frisch: De primis in Germania typis editis lexicis Germanicis. Berolini, 1739
  3. Acta Scholastica. Nürnberg u.a. 1741-1748
  4. Pierre Bayle: Dictionnaire historique et critique
  5. Antoine Furetière: Dictionnaire universel. Den Haag u. a. 1690
  6. Basnage De Beauval (Bearb.): Dictionnaire Universel. Haye: Husson, Johnson, 1727
  7. Im Original: P hlnischen
  8. Samuel Werenfels: Diatribe de meteoris orationis. Amstelodamum, 1702