Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 6

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 36–39
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[21] Wie herr Waldmar freiherr zu Zimbern von künig Karlen dem großen sambt andern graven zu aim hauptman über Marspurg gesetzt worden, und hernach, als durch die Sachsen in abwesen künig Karoli die stat
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gesturmbt, ist er in ainer schlacht von gemelten Sachsen erschlagen worden.
Die ander gedechtnus des zimberischen namens und sonderlich dann ains von Zimbers mit seinem taufnamen gedacht würt, hat man zu Marspurg im herzogthumb Engern
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in Westphalen gefunden, welches Marspurg ain aptei Benedicter ordens und von kaiser Karle dem großen gestift ist worden. Darin ain [A11b] seer alte lateinische cronica[1] teutscher sachen, von apt Arnfrido beschriben, gewesen, aus welcher dise nachvolgend historia durch Conradten von
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Ascenburg[2] der grave- und freiherrschaft Zimbern zu eeren und besonderm underthenigem gefallen ausgezaichnet worden. In dem jar sibenhundert secbsundsibenzig nach Christi unsers lieben herrn gepurt hat Rotgandus, herzog zu Frojulio[3] und königclicher verwalter in ganzer Lambardei, mit
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etlichen stetten ain pindtnus wider könig Karlen gemacht, der mainung, ganz Italiam zu erobern und under sich zu bringen. Dardurch dann könig Karle, so bald er dessen verstendigt, nit wenig bewegt, setzet im endtlichen für, die tirranei, sedition und aufruor Rotgandi zu strafen, frid
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widerumb in Italia anzurichten und zu erhalten. Doch ehe und zuvor er aus deutschen landen schidt, damit die Sachsen dester gerubiger und sich in seinem abwesen in kain empörung leichtlich begeben, besetzet und bevestnet er Marspurg mit ainer guten anzal kriegsvolks, welcher obristen
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waren dise fünf: Eckbert grave zu Sponhaim, Eberhart grave zu Werthaim, Waldmar freiherr zu Zimbern, Arnolt grave zu Sayn, und Engelhart von Wolfhartshausen, ain seer theürer ritter. Dessglichen besetzet er Sigburg, so im herzogthumb Bergen gelegen und diser zeit ain aptei, mit
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kriegsvolk, gab inen zu ainen hauptman grave Sümprechten von der Haye sampt zwaien rittern aus dem Frankenlandt.

So bald die Sachsen könig Karoli abwesen vernamen, waren sie eilendts mit aller macht auf und wider alle ire 1

[37] glipt und aid, so sie zuvor könig Karlen geschworn, [A12a] understanden sie, Marspurg einzunemen und des königs besatzung mit gwalt heraußer ze treiben. Als sie nu die stat berennet, forderten sie die stat auf, sagten inen zu, sie sampt
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iren haab und güetern darvon ziehen zu lassen, mit andern mer zusagungen; vermainten also, mit solchen geferbten worten sie zu bereden, [22] das sie die stat aufgeben solten, welches aber inen fälen was. Dann so bald denen fünf vorgemelten obristen der Sachsen begern anzaigt, theten sie
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als biderleut und enpoten widerumb, ir leib und leben vil ehe zu verlassen, dann an irem herrn, von dem sie ire regalia zum thail und alle wolfart hetten, zudem das sie ime mit aidtsphlichten verwanten, trewlos zu werden. Als nu dise antwurt denen Sachsen eröffnet, überfielend sie
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unversehen die stat, warfen die sturmlaitern an die mauren und beschedigten mit den armbbrost, welchs geschütz dozumal im gebrauch, und anderer kriegsristung, wen sie möchten. Nichtsdesterweniger heten sich die fünf obgemelten köngische obristen zum sturmb auch gerüst, empfiengen die Sachsen
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nit wol, sonder schedigten sie mit geschitz, stainen, feurwerk und anderm dermaßen, das sie zu letst, mit gwalt abgetriben, vom sturmb lassen muesten. Es begab sich aber über etliche täg, das die Sachsen mit aim großen grimmen und ungestimbe die stat abermals überfielent, liefen
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den sturmb mit großem zorn an, daraus dann ain unordnung under inen ervolgt. So bald die obgemelten fünf obristen iren vorthail ersahen, verordneten sie eilendts [A12b] etlich kriegsvolk auf die mauren und thurn, denen feinden ain widerstand zethun; hetten darneben mit großem ernst
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der sachen ain acht, beratschlagten, daz grave Eberhart von Werthaim sampt grave Arnolten von Sayn die stat inhalten, und grave Eckbert von Sponhaim, herr Waldmar von Zimbern und herr Engelhart von Wolfhartshausen mit dem überigen kriegsvolk die feindt in großer stille hinderziehen und
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nachvolgendts, so der sturmb am hertesten und ernstlichisten, mit großem geschrai angreifen solten. Welches geschach, wie obgesagt. So kamen die Sachsen in ain unordnung, beharten doch nichtsdestweniger den sturmb, und wiewol große wher aus der stat geschach, also das der feindt nit
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wenig beschediget, nochdann warden die Sachsen dermaßen auf den sturmb verhasst und ergrimbt, das sie vermainten, die stat mit gwalt zu erobern. Hiezwischen fielend die drei

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[38] obristen, namlich grave Eckbert, herr Waldtmar und herr Engelhart mit dem königclichen baner und ainer guten anzal kriegsvolk außer der stat und griffen die feind zu rugks mit großem geschrai an, welche, so bald sie der köngischen
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gewar, ließen sie zum thail vom sturmb und begaben sich, so vil sie möchten, widerumb in ain ordnung, welches sie doch wenig helfen möcht; dann der Sachsen ordnung zum zwaiten mal dermaßen getrennet warde, das sie auch zu letsten in die flucht sich begeben muesten. Darzu sich ain
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gros wunderzaichen zugetragen. Dann dieweil die schlacht geweret, hat man ob der stat zwen feürende blutfarbe schilt gesehen, die auch etliche mal [A13a] in den lüften zusamen sein gefaren, [23] welches den finden nit ain clainen schrecken gebracht. Und wiewol die schlacht gewaltigclichen erobert
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und deren feind ain große anzal erschlagen, sein doch herr Waldmar freiherr von Zimbern, und herr Engelhart von Wolfhartshausen, ritter, demnach sie baide große wör gethan, wie dann sollichs apt Arnfried sonderlichen rüembt, von den feinden umbgeben, endtlichen umbgepracht worden.
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Nu hat herr Waldmar seine zwen sön, mit namen herrn Sigfriden und herrn Bernwarden, alzeit bei sich gehapt, insonderhait in diser schlacht. Dise, so bald inen ires herrn vatters tod angezaigt, sein sie mit großem unmuot auf die walstat geritten, haben ires herrn vatters cörpel nach altem
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brauch auf schilten in die stat getragen, darin er mit sampt herrn Engelharten von Wolfartshausen, in beisein der dreier obgemelter grafen und beder seiner sönen, mit allen eren zu der erden bestettet worden. Die Sachsen, nachdem sie zwen sturmb sampt ainer
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schlacht, wie gehört, vor Marspurg verloren, haben sie sich in der flucht widerumb zusamen gethon, auch bei iren nachpauren umb ander kriegsvolk und hilf weiter beworben, das sie in ainer kürze zusamen gepracht, sein mit gewalt für Sigburg zogen, darin grave Simprecht von der Hoye mit
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aim mergklichen zusatz gelegen, haben dasselbig gesturmbt und mit gwalt zu erobern understanden. Da sein sie von gemeltem grave Simprechten mit gwalt abgetriben [A13b] und zum letsten gewaltigclichen in die flucht geschlagen worden, welchen er mit dem zeug bis an die Lipp
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nachgevolgt und iren ain großen thail erlegt hat. In der weil, als dise sachen in Sachsen fürgefallen, hat könig Karle den aufruorigen herzogen Rotgandum von Forojulio geschlagen,

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[39] den gefangen und seinem verdienen nach enthaupten lassen. Und demnach er Forojulium mit sampt der Lombardei genugsam besetzet, ist er mit ganzem höre widerumb in teutsche land gezogen, hat sich darnach in kurzer zeit geen
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Wormbs verfüegt, dahin er ain reichstag beschriben. Nach welches ausgang ist er mit macht in Sachsen zogen und sie in ainer kürze dahin zwungen, das sie mit großer anzal sich teufen und den waren christenlichen glauben haben annemen müeßen, wie dann sollichs vil weitleufiger vom
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Reginone[4] und andern historiographis beschriben und der gedechtnus bevolhen worden. Apt Arnfridt von Marspurg beschreibt disen handel fast kurz und der gestalt, wie hernach volget: »Anno dominicae incarnationis 776 rex Martispurgum sumptuose extrui curavit eo, quod tam munito loco
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maxime contra rebellionem Saxonum fideret. Huic presidium imposuit et duces belli praefecit quinque nobiles et potentes viros, Ecbertum de Sponhaim, Eberhartum de Berthaim, Valtmarum de Cimbra, Arnoldum de Sayne et Angilhartum de Volfratigishusa, Sigburgum vero et copias Simprechto
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[24] de Hoye et duobus militibus francis commendavit. Vix pedem retulerat rex, ecce Saxones infinita multitudine collecta Martispurgum occupaturi advolant deque deditione colloquium faciunt. Sed illi reminiscentes, melius esse honeste mortem oppetere, quam ita cum ignominia urbem [A14a]
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perfidis hostibus tradere, Saxones jam vim urbi parantes repellunt. Post aliquot dies Saxones iterum magno balatu urbem aggrediuntur. Tunc duces subito consultant, Ecbertus, Valtmarus et Angilihardus cum parte copiarum clam portas egrediuntur et hostes a tergo invadunt. Eberhardus
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vero et Arnoldus a fronte cum hostibus dimicant. Diu anceps pugna fuit. Sed hostes fidei orthodoxae, undique a regio exercitu circumsepti, misere in fuga caeduntur. Miracula et signa durante proelio multis apparuere. Occubuere duo fortissimi viri Valtmarus et Angilichardus, quorum
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Valtmarus a duobus filiis Sigisfredo et Berenbardo, qui viriliter interfuerant proelio, super scuta in urbem est delatus et cum Angiliharto sepultus. Saxones post hanc cladem vicinorum auxilio fulti etc. Hec Arnfridus etc.«



  1. cronica] scheint nicht bekannt zu sein.
  2. Ascenburg] entweder Ascheberg oder Asseburg.
  3. Frojulio] d. i. Forojulio.
  4. Reginone] s. Pertz, Monumenta Germaniae I, s. 558 ff.