Zum Frauenstudium

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Titel: Zum Frauenstudium
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aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 84_a
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[84_a] Zum Frauenstudium. Professor Laskowski, Anatom in Genf, gab im vorigen Jahre einen Bericht über das medizinische Frauenstudium, welcher die schon öfter geäußerte Ansicht zu bestätigen scheint, daß der praktische Gewinn dieses Studiums für den Frauenerwerb nicht sehr hoch anzuschlagen sein dürfte. Während der letzten 17 Jahre sind in Genf 175 Frauen bei der medizinischen Fakultät zugelassen worden. Darunter waren 50 Polinnen, und man hat nur feststellen können, daß vier von ihnen ihre Studien zu Ende geführt haben. Von den anderen 125 haben zehn die Doktorwürde erlangt, und von diesen zehn ist eine gestorben, zwei haben die Medizin verlassen und sich verheiratet, vier erwarben mit Mühe ihren Lebensunterhalt und drei haben eine ziemlich gute Praxis erlangt. Was die übrigen 115 betrifft, so hat man über ihren Verbleib nichts erfahren können. Nicht so schlimm, aber doch auch im ganzen wenig ermutigend, lauteten vor einiger Zeit die Nachrichten von Zürich. Wenn man nun auch annimmt, daß unter den 115 „Unbekannten“ noch manche sich befinde, die das Ziel ihres Strebens an anderem Orte erreichte, und wenn auch zu hoffen steht, daß gründlicher vorgebildete Köpfe ihr Studium ernsthafter zu Ende führen, so sollte man sich doch darüber keiner Täuschung hingeben, daß nur ausnahmsweis Begabte das Ziel erreichen können. Eine ausgiebige Versorgung unbemittelter Mädchen wird damit nicht angebahnt. Auch nicht mit der Freigabe des höheren Lehrberufes an Mädchenschulen, indem auch hierfür ganz bedeutende Fähigkeiten mit dem pädagogischen Talent verbunden sein müssen.

Daß beide Berufsarten für die Hochbegabten erschlossen werden, ist eine Forderung der Gerechtigkeit. Die vielen Mittellosen aber, deren Talente und Fähigkeiten nicht über den Durchschnitt hinausgehen, sollten sich den praktischen Berufszweigen zuwenden, welche durch die fortwährenden Verschiebungen unserer gesellschaftlichen Bedürfnisse teils neu erzeugt werden, teils anders ausgeübt werden sollten als bisher. Wir werden auch ferner mit positiven Vorschlägen diese große Angelegenheit fördern. Bn.