Zum Gedächtnis Mozarts

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Autor: Rudolph Genée
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Titel: Zum Gedächtnis Mozarts
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aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 655–658
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Zum Gedächtnis Mozarts.

Die letzten Monate dieses Iah res bringen zwei Gedächtnißtage, ^ welche unsere Blicke um ein Jahrhnndert zurückwenden zu dem Bilde des größten deutschen Komponisten ; am 80. September .1^01 ging Mozarts "Zauberflöte", eine der kostbarsten Gaben seines Genius, zum ersten Mal über die Bühne, und kurze Zeit nachher, am 5. Dezember, wurde der große Tonkmstler auf der Höhe feines Schaffens aus dieser Welt abberufen, nachdem er fie mit seinem Reichthum an Tinnen überschüttet hatte.

Es ist über Mozart so unendlich viel geschrieben worden, daß man denken könnte, das Wesen und die Bedeutung seiner Musik wie seiner Persönlichkeit sei erschöpsend dargestellt. Aber das eben ist der Zauber echter Größe, daß deren Schöpfungen wert hinans von Geschlecht zu Geschlecht die Gedanken der Späteren bewe,- gen und stets aufs neue der Nach,- welt zu thun ge,. ben, damit sie durchdringe zn immer tieferem

Verständnis Er. schöpfen kann sich die bewundernde Kritik gegenüber

einer solchen Größe nicht,eben,- sowenig wie wir uns in der Be,- wunderung der

Natur selbst und ihres stets aufs neue wirkenden

Zanders er-, schöpfen können. An dieser Stelle sollen dem anßer-,

ordentlichen Kü.astler und lie,-

benswürdigen Menschen nur ei-, llige Worte in Be-, zng auf die beiden

Gedächtnißtage gewidmet feint

WolsgangAma,- deus Mozart

wurde am 2^. Iannar .l','50 in Salzburg geboren; zur Freude seines Vaters, des trefflichen Musikers und erzbischöflichen Viee.^ kapellmeisters Leopold Mozart, entwickelte das Kind so krüh- zeitig eine erstaunliche mnsikalische Begabung, daß sein Vater, der bei seinem spärlichen Einkommen daraus bedacht sein mußte, seine Einnahmen zu vergrößern, schon in Wolfgangs sechstem Jahre mit diesem und seiner um fünf Jahre älteren Schwester Marianne Knnstreisen nach München und Wien unternahm, aus welchen das geradezu wunderbare Talent des Kindes das höchste Aussehett erregte. In den folgenden zehn Jahren schloffen sich ähnliche Reisen nach Frankreich, England, Holland und Italien an. Dem italienischen Aufenthalt Mozarts im Jahre .t'^0 ver,- danken wir eines seiner reizendsten Bildnisse, welches in Verona gemalt und erst 1850 dort aufgefunden wurde. Jetzt befindet es sich im Besitze der Frau Therese Kammerlacher in Wien.

Die Gartenlaube (1891) b 655.jpg

Seine Schwester Marianne. Mozart im 23. Lebensjahr. Bild der Mutter. Vater.
Die Familie Mozart. Nach dem Gemälde von Joh. Rep. de la Croce.

Mit sechzehn Jahren hatte der Knabe bereits zahlreiche Orchester- stücke, Streichquartette und Motetten, Duos und Trios für verschiedene Instrumente versaßt, und in Mailand waren sogar bereits 4^0 und 1^2 zwei Opern von ihm zur Aufführung gekommen. Auf deutschem Boden debütierte er als Opernkomponist 1^5 in München mit einer t^ner.... dnku ..1.u .lmta ^iarckim^ru^; München hat auch den Ruhm, diejenige seitter Opern, welche die Periode seiner Meister,- uhast einleiten sollte, "Idomeneo", unter des Komponisten eigener Leitung im Iannar 1'^0.1 zur ersten Anfsuhrung gebracht und ihm damit seine Bahn auf dem dram^kschen Gebiete eröffnet zu haben.

setzte sch-ite.. marine. mv-t ....

Bisher hatte Mozart im Dienst des Erzbischofs von Salzburg gestanden, eines herrischen, geizigen Machthabers. Die Er- solge in München gaben dem Beglückten die Kraft und das Selbst- vertrauen. die Fesseln abzuschütteln und seinen Wohnsitz in Wien zn nehmen, wo er schon als Kind angestaunt und verhätschelt worden war. Allein auch hier konnte er an höherer Stelle nicht die seiner Bedeutung entsprechende Förderung erlangen. Der Neid, den seine außerordentlichen Fähigkeiten erweckten. die Ränke ferner Nebettbuhler, durch welche seine Fortschritte aus dem neu be- tretenen Wege gehemmt werden sollten - sie wnrden dnrch seinen ersten großen Wiener Ersolg aus dem Gebiete der Oper nur ge- steigert, und auch die volle Bewuuderung, welche ihm Iofeph Haydn, der Schöpfer der neuereu Instrnmentalmnsik , freudig

zollte, vermochte die Bosheit und den Unverstand nicht zu entwafl,- nen. Iene erste, mit ^ allseitigem Beifall ausgenom- mene Frucht seines Wiener Ansent,- halts war die Oper "Die Ent,, führung aus dem Serail", nachher auch "Belmonte und Eonstanze" genannt; sie siel in die Zeit fei- ner Liebe zu Eon,- stanze Weber, fei- ner späteren Le- bensgefährtin,die er sich gegen den

anfänglichen strengen Wider- fprnch seines Va- ters in treuem Festhalten zu er,^ ringen wußte.

Anf die "Eut- führung" folgte die Hochzeit des

Figaro", das Meisterstück eines

musikalischen Lnstspiels; aber mit dem, was Mozart in diesem Werk geschaffen hatte war er dem herrschenden Musikgeschmack in Wien so weit vorausgeeilt, daß ihm seine Hörer nicht zu folgen vermochten. Sv kam es, daß nach dem großen Erfolge der vorangegangenen Oper diese nene Schöpfnug in der Kaiferstadt völlig ungewürdigt blieb, während sie in Prag die glänzendsten Triumphe seierte. Aus Dankbarkeit schrieb Mozart seine nächste Oper, "Don Inan", ausdrücklich für das empfänglichere Publikum der böhmischen Hauptstadt, dort vollendete er sie und .leitete selbst die Einstudierung und Aufführung.

Der einnnddrrißigjährige Komponist stand jetzt auf der Höhe feiner Schaffenskraft. Auch die besten seiner kleineren Werke, namentlich seine vorzüglichsten Symphonien, sollen in diese Zeit. Sein Ruhm war so hoch gestiegen, daß er auch von allen mute-. rieben Sorgen hätte bespeit sein müssen, wäre er ebenso praktisch wie schöpferisch gewesen, oder hätte er in einer andern Zeit gelebt uud ein anderes dankbareres Vaterland gehabt. Theater, Konzert- säle, Privatsalons - alles war von seinen Werten erfüllt. Der "Don Inan" hatte die ganze gebildete Welt erobert, nie hatte es itt deutschen Landen ein musikalisches Talent gegeben, das so all, gemeine Begristerung erregte. Nur in Wien hatte Mozart auch mit "Don Inan" seine Lage nicht verbessern können, die Oper hatte dort einen entschiedenen Mißerfolg. Ob die schlechte Rollen- besetzung im Verein mit der nachlässigen Inseenierung daran schuld war, ob die stets bereite Kabale seiner Gegner, ob vielleicht auch


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hende sah , mvrgell [656] die Eifersucht der Wiener ciuf dcis Urtheil Prags dabei mitspielte, I schreiben, es war dies die komische Oper .,6031 tutts“. Trotz oder endlich ob auch hier das Publikum dem kühueu Fluge ihrer zahlreichen musikalischen Schönheiten konnte auch sie wegen seines Genius nicht zu folgen vermochte – gleichviel: die Thatdes unsäglich schlechten Textes keinen dauernden Erfolg haben.

fache des Mißerfolgs war da, und Mozart blieb nach wie vor der armselige Musiker, welcher Mühe hatte, von Tag zu Tag für sein Auskommen zu sorgen. Daß er es als eine richtige Küustleruatur mit den Geldangelegenheiten leicht nahm, war auch nicht geeignet, seine Lage zu bessern.

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Mozart im 14. Lebensjahre.
Nach dem Veroneser Bilde

Um seinen Verhältnissen aufzuhelfen, unternahm er 1789 eine neue, seine sechste Kunstreise, sie führte ihn nach Dresden, Leipzig und Berlin. Der Fürst Karl Lichnowsky, der ihm die Reise anempfohlen hatte, stellte ihm seinen Wagen zur Verfügung und vermittelte persönlich die Bekanntschaft des Komponisten mit dem König von Preußen, der sich auf die Begegnung mit dem berühmten Manne außerordentlich freute. Friedrich Wilhelm II. hat das entschiedene Verdienst, nach dem Tode Friedrichs des Großen sich der bisher verachteten deutschen Musik und besonders der deutschen Oper eifrig angenommen zu haben. Mozart, welcher im April in Berlin anlangte, wurde vom König in jeder Weise ausgezeichnet; er ward zu den Hofkonzerten geladen und spielte dem Fürsten einige seiner Klavierkompositionen vor. Friedrich Wilhelm war von dem Künstler so entzückt, daß er ihm in einem Gespräche den Vorschlag machte, als Hoskapellmeister nach, Berlin zu kommen mit einem Gehalte von jährlich 3000 Thalern.

Der Gewährsmann für jene Unterredung ist Herr v. Nissen, Mozarts erster verdienstvoller Biograph, der nachmalige Gatte von dessen Witwe Constanze. Diese selbst will die Mittheilung über das großherzige Anerbieten aus des Königs eigenem Munde erhalten haben, als sie mehrere Jahre später sich in Berlin aushielt. Von ihr wissen wir ferner, daß Mozart das verlockende Versprechen mit den Worten zurückwies: „Kann ich meinen guten Kaiser verlassen?“ Was aber hatte dieser gute Kaiser – und es war der tolerante und vielgeliebte Josef der Zweite – für den anhänglichen Künstler gethan? Mozart war in Wien lange ohne eigentliche Anstellung gewesen, erst 1787 hatte man ihn zum „Kammerkomponisten“

Seiner Majestät mit einer Besoldung von 800 Gulden ernannt. Und der sorglose und gemüthsweiche Mann schlug ein mehr als fünffaches Gehalt aus, um in Wien zu bleiben und dort unter Josefs Nachfolger noch zwei Jahre lang sich mühselig durchzukämpfen. Wohl wurde er in Berlin auch pekuniär anständig honoriert, allein bei seiner großen Freigebigkeit und Herzensgüte blieb ihm von dieser Reise wie von früheren nicht viel Gewinn übrig.

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Das Grünhoffsche Medaillon.*

Als er nach Wien zurückgekehrt war, erhielt er vom Kaiser Josef den Auftrag, eine neue Oper nach einem Texte vok da Ponte zu Mozart im 14. Lebensjahre Aas Hrüiiyossche Medaillon.* Das letzte Jahr seines Lebens brachte indessen dem Künstler doch noch in Wien selbst auf dem Boden des Theaters einen großen, ja sensationellen Erfolg mit der „Zauberflöte“, welche am 30. September zur ersten Aufführung kam. Um dieses Werk nach seiner musikalisch-dramatischen Bedeutung richtig zu beurtheilen, muß man die Geschichte seiner Entstehung mit ins Auge fassen. Die „Zauberflöte“ war seit der „Entführung“ die zweite eigentlich deutsche Oper, denn für „Figaro“, „Don Juan“ und „6osi kau tuits“ hatten italienische Texte die Unterlage geben müssen. Schon aus Anlaß der „Entführung“

hatte sich Mozart in einem Briefe an seinen Vater auf interessante Weise dar über ausgesprochen, wie er über den Werth von Operntexten denke. Es komme dabei keineswegs auf gute Verse und einen poetisch ausgearbeiteten Text an, sondern einzig auf einen geeigneten Plan, welcher dem Komponisten freies Spiel lasse, um auch aus der mittelmäßigsten Dichtung etwas zu machen. Was er hier gefordert hatte, das bot sich ihm bei der „Zauberflöte“ in bester Weise, obwohl er dem Textdichter Schikaneder weitgehende Zugeständnisse machte. Die Worte gingen nicht über Platte Handwerkspoesic hinaus, aber der scenische Plan des Ganzen war ein solcher, daß er dem Komponisten ein ungemein günstiges und reiches Feld für die musikalische Behandlung ließ.

Als Schikaneder, ein mittelmäßiger Komödiant, aber spekulativer Thcaterdirektor, sich in großer Noth befand, begab er sich zu Mozart, um ihm den Vorschlag zu eiuer Oper zu machen, die ihnen beiden wohl aufhelfen könne. Er theilte ihm mit, wie be^ dem Entwurf zu der Oper ganz der Geschmack des großen Hausens in Betracht gezogen werden müsse, denn nur so sei auf Erfolg zu hoffen; er setzte ihm feine Ideen im großen und ganzen auseinander und durch was für bunte Bilder und Späße man das Ding so recht zum Gaudium der großen Menge gestalten könne: zu den Priestern, dem liebenden Paare, zur Königin der Nacht mußte sich der Vogelmensch Papageno gesellen, ferner der Mohr, die Schlange, die Wanderung durch Wasser und Feuer, kurz der ganze Aufwand au abenteuerlichen Mitteln. Mozart war nicht der Mann, der jemand leicht etwas abschlagen konnte, besonders weuu der Jemand in Noth war; auch sagte ihm die märchenhafte Handlung, das Bunte und Phantastische, das zum musikalischen Ausdruck so recht geeignet war, entschieden zu; so nahm er den Vorschlag an. Da Schikaneder selbst in Verlegenheit war, so wollte Mozart in seiner Gutmüthigkeit ^ * Dieses Bild, weitaus das beste unter allen vorhandenen, ist nach einem kleinen kostbaren Medaillon-Relief gefertigt, welches Mozart im Jahre 1788 seiner Fran Constanze schenkte, die es als Gürtclschnmck trng. Das überaus zarte Relief, aus einer Komposition von Wachs und Gips, hat eine dunkle Stahleinfassung. Es kam von Mozarts Witwe in den Besitz ihres ältesten Sohnes Kart Mozart, welcher als Beamter in Mailand lebte und daselbst 1859 verstorben ist. Aus seiner Hand erhielt es 1857 Frau v. Griinhof, welche als ehemals ausgezeichnete Sängerin mit ihren Eltern in Mailand lebte und dem Sohne Mozarts viel ans den Opern seines Vaters vorgesungen hatte, ivosür ihr dieser durch jenes kostbare Geschenk dankte. Er fügte eine schriftliche Versicherung bei, daß dieses Porträt „nntcr allen ohne Ausnahme der vielen und verschiedenartigen Abbildungen seines Vaters als die vollkommen ähnlichste von seinen sämmtlichen Angehörigen und Bekannten sowohl, als auch von ihm selbst anerkannt war.“ [657] an tntt^'. Trlt^

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zuuächsi keine Forderung in Betrefl eines Honorars stellen, llnd er erhielt auch vorläufig nichts.

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Die Salzburger Erinnerungsstätten.

Wie lange ihn die Arbeit an der Zauberstote" in Anspruch nahm, können wir nicht mit Sicherheit nachrechnen. Iedenfalls hat er die Komposition während der Sommermonate des Jahres 1^01 begonnen und vollendet. Im eigenhändigen Verzeichnis^ feiner sämmtlichen Werke aus dem Zeitraum von .l't'84 bis 1^1 steht nnter dem Inli .l','0.1 verzeichnet: "Die Zattberslöte", mit dem nachköglichen Vermerk: Aufgeführt den 80. September"" Und später, nnterm ...0. September, heißt es: "Zur Oper ..die Zauber. flöte' eitlen Priesternlarsch lllld die Ouvertüre," Dies war so nach der Abschluß des Werkes.'^

Die Hanptar,- beit wird itl die Monate Iuni und Iuli gesal, len fein, denn

im August, noch vor Voll.

endung der "Zanberflöte", schrieb er die

ganze Oper

,,Titlls", die

ihm zur Krö,-

uungsfeier

Kaiser Leo. polds ff. in Prag ausge- tragen worden war. Die An,- spanuung sei- ner Kräfte, mit der er die bei- deu Tondich-

trugen so schnell zustande

zu bringen hatte, muß - selbst wenn wir seine wuuder,, bare Leichtig- keit des Schaff sens in Am schlag bringen - eine große gewesen fein. Ander "Zan- berflöte" arbei- tele er wie an seinen frühereu Opern, indem die Klavierpro,, bell einzelner Nummern ge,-

halteu wurden, noch ehe das Ganze fertig war, und auch vom Ter.te wurden verschiedene Stücke ihm erst nachträglich geliefert. Schikaileder, der hier fortwährend feinen Einfluß geltend machte, datnit die Musik recht populär und leicht verständlich werde, hatte ihm zur Arbeit einen keinen Gartenpabillon ganz nahe beim Theater eingeräumt, der später den Namen "Zanberflöten-Hänschen" erhielt.^ Mozarts ^rau hielt sich in dirser Zeit krank in Baden bei Wien auf. Da hierdurch dem Komponisten die behagliche Häuslichkeit fehlte, so ist es begreiflich, daß sein Zusammenleben mit Schikaneder und dem Theaterpersonal ein ungebuudeueres wnrde, allein die Gerüchte und Klatschereien, die sich daran knüpfen, find .übertrieben. Daß es in dem Zanberflöten-Hänschen bei gemeinsamen Mahlzeiten lustig zu,,

^ Die vollständige Partitur der "Zanberslöte", von Mozarts eigener .vand geschrieben, benndet sich in der Musikabtheilung der Berliner kenig. liehen Bibliothek. Es ist ein makellos erhaltener Vand von 224 Blättern

in Ottersolio.

^ Das hölzerne Häuschen wurde in neuerer Zell von der Stadt Salz. bttrg ermorden, dorthin verbracht und auf deiit Kapuziuerberg aufgestellt.

..^^. Nr. 8g.

.l)ie Salzburger ^rtnnerungsstatten.

ging, vollends da Schikaneder Mozart und sich selbst stets in ange regter Stimmung zu erhalten fachte, ist sehr mohl glaublich, allein völlig nndellkbar ist, daß bei einer so wunderbaren Arbeit, die in so kurzer Zeit gefördert wurde, Mozart sich der Schwelgerei habe ergeben können.

Schikaneder soll nach der Ueberlieferung dem Komponisten einzelne Melodien vorgepfiffen haben, damit dieser immer am gewünschtelt volksmäßigen Ton festhalte, und Mozart soll gefügig gentlg gewesen sein, llm auch solche Anweisungen gelten zu lasten. Es ist auch dies sehr wohl möglich, aber wenn es jemals einen Menschen gab, der es verstand. aus Häckerling Gold zu machen,

so war es Mo zart. Was volll Hauche seines

Genius be- rührt wurde, uud mochte es ^das Gewöhn lichste sein, das wurde durch ihn geadelt.

Nachdem der Künstler aus Prag, wohin er sich zur Auf^ sührung der Oper "Titus" begeben hatte, zurückgelehrt war, legte er die letzte Hand an die "Zan- berflöte", so- daß sie am ....0. September anf die Bühne ge- bracht werden konnte. Er war ia dieser Zeit schon fehr an- gegriffen, nnd wohl deshalb überließ er die Hauptproben dem jungen Kapellmrister Henneberg, während er felbst die bei- den ersten Anf,- flihrungen am Klavier leitete.

Iu dem vor- hiu erwähuten Verzeichniß seiller Kompo-

fitionen hat. Mozart die "Zauberflöte" als eine "teutsche Oper" bezeichnet. Auf dem Theaterzekel jedoch hieß sie, wohl llach Schikaneders Bestimmung, ,,eiue große Oper in zwei Akten von Emanuel Schikaneder." Erst llach der Aufzählung des gesammten Personals stand dann am Schlnß des Zettels: "Die Mnsik ist von Herrn Wolsgang Amade Mozart, Kapellmeister nud wirklichen k. k. Kammerkompositetlr. Herr Mozart wird aus Hochachtung für eill gnädiges und verehrungswürdiges Publikum und aus Freundschaft für den Versaster des Stückes das Orchester heute selbst dirigieren."

Der Erfolg ant ersten Abend entsprach znnächst den Er- wartungen nicht. Vermutlich hatte manches, so besonders die Priestergesellschaft mit ihren freimaurerischen Geheimnisten, zuerst etwas fremdartig berührt. Und obwohl sich im Verlause des Abends die Zuhörerschaft immer mehr erwärmte , so war doch Mozart aufaugs über die Aufnahme sehr unglücklich. Das wurde indessen sehr bald anders, denn mit jeder neueu Aufführung steigerte sich der Beifall und der Besuch. Schon am ','. Oktober , also eine Woche nach der ersten Aufführung" konnte Mozart an seine Frau

t'lb [658] nach Baden schreiben: "Eben komme ich von der ^l.er. Sie war aber so voll wie allzeit. Das Dueko ..Mann und Weit^ und das Glöckchenspiel im ersten Ake murbe mie gemöhnlich wiederholt, auch im 2. Ake das Knabenterzett was mich aber am meisten freut, ist der stille Beifall! Man sieht recht, mie sehr und immer mehr diese Oper steigt." Im ersten Monat konnte die "Zauberflöte" vieruttdztvattzigmal bei vollem Hause gegeben werden.

Was wäre nun heute, nach hundert Jahren, noch über dieses Werk zu sagen? Diese Musik hat ihre Iugendfrische, ihre Tiefe und Helligkeit bis heute so ungetrübt behalten, daß man trotz ihres Alters kein Verblaflen der Farben entdecken kann. Die weihevolle Würde der Priestergefänge berührt uns noch immer wie die heitere Vornehmheit eines kasfischen^Tempelbans. die Ge- fänge her drei Knaben leuchten wie wolkenloses Himmelsblau. Die einzigartige Gabe, kontrapllltktliche Wunder zu schaffen, in denen wir über die Tiefen der musikalischen Technik mit

leichter Altmuth und meto,- ^

dischem Netze hinweggeführt ......^l.,.^

werden , bewährt Mozart auch hier aufs höchste. Keine Mühsal der Arbeit ist bei

ihm zu erkennen, alles fließt dahitt in lichter Klarheit ttttd sonniger Schönheit der Formen. So verstand er es, dem Verlangen Schikaneders nach einer Musik für das große Publikum gerecht zu werden und dabei doch, so- gar nach einem Jahrhun- dert noch, auch den Musik- verständigen in Staunen und Entzücken zu versetzen. Wenn wir außerdem erwägen, daß das Werk entstand, als schon der Tod mahnend bei ihm ankopfte, daß zwei Monate später seiner Hand die Feder für immer entsank, so will es uns dünken, als ob in ... diesen ätherreinen Weisen der "Zanberflöte" schon die Heiterkeit eines von allem IrdischenlosgelöstenDaselns wiederklinge.

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Mozart nach dem Langeschen Bildniß.*

Die Freude über den andauernd glänzenden Er- folg seiltes Werkes wurde dem Künstler leider durch

zweierlei Umstände anfs schmerzlichste getrübt, durch seine zu- nehmende körperliche Schwäche und im Zusammenhang damit dnrch die Sorge um eine Arbeit, welche ihm unter merkwürdigen Uln.. ständen anfgetragen worden war. Es war das Negniem, welches ein Unbekannter bei ihm bestellt hatte, noch ehe er mit der Musik zur "Zauberfföte" zu Ende gekommen war. Da Mozart nicht wußte, für wen er das Werk zu komponieren habe, fo plagte ihn der Gedanke daran unaufhörlich , ja bei seittetn zu- nehmenden körperlichen Uebelbefinden wurde ihm das Negniem in trüben Stimmungen zu einem düstern Hinweis aus seinen Tod, und während im Theater die heitere ,,Zauberflöte" das Haus allabendlich füllte, faß der Schöpfer dieser Melodien krank ilt seinem Zimmer und konnte bell Gedanken nicht loswerden, daß man ihm Gist gegeben habe und daß er das Neguielu für sich selbst schreibe. Erst spät, nach seinem Tode, kam es an den Tag, daß der Anstraggeber ein Graf Walfegg war; dieser hatte an den Komponisten einen Vermittler geschickt, der aber weder des Grasen Namen nennen, noch sich selbst zu erkennen

eigenes Werk auszugeben, wenigstens für einige Zeit. Wie den- fern mag, für Mozart wurde die Sache fast zum Verhängnis s

geben durste. Welche Grille den Grafen Walfegg dazu bewog, die Sache als Geheimniß zu behandeln, ist hier gleichgültig, doch schenk es fast, er habe die Absicht gehegt, das Negttiem als sein ^

auch

Sem

Uebelbesinden und seine Schwäche steigerten sich, und^da er eitle bestimmte Summe für das Neaniem im voraus erhalten hatte, so guälte er sich um so mehr mit der Sorge, daß der Tod ihn an der Vollendung hindern werde. Seine Fratt maßte ihm daher auf Wunsch des Arztes die aufregende Arbeit wegnehmen, allein sobald er sich wieder etwas wohler fühlte, verlangte er sie mit aller Dringlichkeit zurück. Man weiß, daß er die Komposition wirklich nicht zum Schlusse bringen konnte, und über die viel um- stritteue Frage, wie weit sich der Antheil seines Schülers Süßmaher an einigen Sätzen erstrecke, sind die Aken noch nicht geschlossen.

Als Mozarts Negttiem aber ist es der Nachwelt über- liefert worden und wird noch kommenden Geschlechtern die Herzen erheben.

Die Geschichte von Mo- zarts Tod ist bei seinen Biographen, welche hierbei im wesentlichen auf Nissetts Angaben fußen, ausführlich behandelt, und wir dralle chen hier auf die Einzel- heilen nicht einzugehen. Iu der zweiten Hülste des Ro- vember, es ist wahrscheinlich der 20. gewesen, war der Leidende noch ansgegangen, in ein Gasthans der Kärttt- nerstraße, wo er etwas Wein trank, um sich jedoch bald wieder zu entfernen. Allt andern Tage mußte er sich niederlegen: er . sollte nicht wieder aufstehen. Die Be- richte über die Art seiner Krankheit kanten verschieden. Ins Sterberegister wurde als Todesursache "hitziges Frieselsieber" eingetragen, nach anderen starb er an der Brnftwaflersncht. Noch einen halben Tag vor feinem Hingang mußte man ihm die Partitur zum Neguieln ans Bek bringen, er ließ einzelne Sätze daraus von seinen Freunden singen und übernahtll dabei selbst die Altstimme. Bald danach erklärte er mit Bestimmt- heit, daß er in der Nacht sterben werde. Er hatte wahr gesagt, am fünften Dezember um ein Uhr morgens ist er verschieden.

Daß die irdischen Neste des großen Mannes in ein Massen- grab gesenk wurden, weil ein eigenes Grab für ihn nicht bezahlt. werden konnte, daß bei dem abscheulichen Werter am Begräbttiß- tag, am 0. Dezember, die wenigen Frennde, die dem Toten das letzte Geleit gaben, unterwegs umkehrten und daß so kein liebender Blick mehr auf die Stäke siel, wo der Sarg in die Erde ge- senkt wurde, das ist schon in Nr. 2Z dieses Jahrganges der "Gartenlaube" erzählt worden. Ueber die .kläglichen Umstände, itt denen er seine Witwe und seine Kinder hinterlassen mutete" schweigen wir. Es fruchtet nichts, noch heute seine Mitwelt des.. halb anzuklagen

Bei Schnee und Negen ward der Meister einst in die Erde gesenkt, aber was er uns in seinen Schöpfungen hinterließ, ist ewiger heller Sonnenschein. Nndotph Genee. '

Porsral n.- m ^ozart^ letztem Lebenswahre von fetnem Schwager, dem Hosschaufpieter Lange , gemalt worden abet. unvollendet.

gebneben, wte das Ortgtual un^ Salzburger Mozartmuseum zeigt und auch auf unserer Darstellung zu erkenueu ist. Es in nur ^ diletwtniiche Arbett, da tedoch aus den Kouf ernchtliche Sorgfalt verwendet wurde, so läßt sich annehmen, daß es in den Hauptforuten be^ Kon^ ..^. ^.

wenn auch der Gettchtsausdrttck etwas Fremdes hat" ^ v^^u m