Zur Goldenen Hochzeit eines fürstlichen Paares

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Titel: Zur Goldenen Hochzeit eines fürstlichen Paares
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aus: Die Gartenlaube, Heft 21, S. 674
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[674] Zur Goldenen Hochzeit eines fürstlichen Paares. (Mit Bildnissen S. 645.) Vor nicht allzulanger Zeit konnten wir der Goldenen Hochzeit gedenken, welche Herzog Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha mit seiner Gemahlin, der badischen Prinzessin Alexandrine, gefeiert hat, und heute begrüßen wir ein gleich freudiges Ereigniß an einem anderen thüringischen Fürstenhof. Wie 1888 in der Feier des siebzigsten Geburtstags sich Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach unmittelbar anschloß an den Nachbarfürsten, so ist es ihm nun auch vergönnt, wenige Monate nach Herzog Ernst den Tag seines fünfzigjährigen Ehejubiläums festlich zu begehen. Am 8. Oktober ist ein halbes Jahrhundert verflossen, seitdem der damalige Erbgroßherzog den ehelichen Bund mit der jugendlichen achtzehnjährigen Prinzessin Sophie Luise der Niederlande geschlossen hat, und mit aufrichtiger Liebe nehmen die weimarischen Lande theil an dem Ehrentag des hochverehrten Herrscherpaares, das nun schon 39 Jahre den Thron inne hat. Viel Segen ist ja auch in diesem langen Zeitraum von ihm ausgegangen!

Man weiß, wie, Großherzog, Carl Alexander die verantwortungsvolle Aufgabe zu lösen verstanden hat, der Fürst eines Landes zu sein, das im Glorienschein einer so ruhmvollen Vergangenheit durch die Geschichte geht wie Weimar. Man weiß, wie er sich in seiner treu deutschen Politik als ein wahrer Erbe seines Großvaters Karl August und als verdienstvoller Mitarbeiter seines Schwagers, des unvergeßlichen Kaisers Wilhelm I., erwies. Man weiß, wie er als Schutzherr jener klassischen Stätten, um die sich die Erinnerungen an die höchste Blüthezeit unserer Litteratur wie unverwelklicher Ephen ranken, alles dafür that, die Kultüberlieferungen jener schönen Zeit zu pflegen, indem er nicht bloß die Schiller- und Goethevereine unter seine besondere Obhut nahm, sondern auch der Dichtung und der Kunst der Gegenwart stets die wärmste Förderung widerfahren ließ. Unter ihm erwuchs zu Weimar eine blühende Kunstschule, die Wartburg erstand in altem Glanze, das Theater feierte unter Dingelstedts Leitung Triumphe, an denen das ganze gebildete Deutschland Antheil nahm, und originale schöpferische Geister der Musik wie Liszt und Wagner fanden in Weimar einen festen Boden.

Gleich gesinnt steht ihm seine Gemahlin zur Seite, ein vorleuchtendes Muster echter Weiblichkeit, die auch auf dem Throne alle Tugenden des häuslichen Herdes pflegt, die ein warmes Herz hat für ihr Volk, seine Freuden und Leiden und mit fast schrankenloser Wohlthätigkeit in aller Stille den Bedrängten zu Hilfe kommt. Auch sie ist allen ernsten literarischen Bestrebungen stets eine, wohlwollende Gönnerin gewesen.

Aus der Ehe des großherzoglichen Paares sind drei Kinder entsprossen: Erbgroßherzog Carl August und die Prinzessinnen Marie und Elisabeth. Aus der Ehe des Erbgroßherzogs mit der Prinzessin Pauline von Sachsen-Weimar-Eisenach stammen zwei Söhne. So umgiebt das hohe Paar am Goldenen Hochzeitstag ein Kreis von Kindern und Enkeln, der ihnen ein schönes Familienglück gewährt und noch für lange gewähren möge!

[645]
Die Gartenlaube (1892) b 645.jpg

Carl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar, und seine Gemahlin Sopie.
Nach Aufnahmen von Louis Held, Hofphotograph in Weimar.