Zwei Blätter aus dem „Album für Deutschlands Töchter“

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Titel: Zwei Blätter aus dem „Album für Deutschlands Töchter“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 794, 795, 798
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[794]
Die Gartenlaube (1874) b 794.jpg

Die Wallfahrt nach Kevlaar.
Originalzeichnung von Professor Thumann.

[795]
Die Gartenlaube (1874) b 795.jpg

Unter den dunkeln Linden.
Originalzeichnung von H. Heubner.

[798] Zwei Blätter aus dem „Album für Deutschlands Töchter“ (mit Illustrationen, S. 794 und 795), Blätter aus dem Buche des menschlichen Lebens voll tiefer, rührender Wahrheit. Das ewig alte Leid der Liebe in seiner herzerschütternden Gewalt. Hier der Jüngling, der an der Hand der Mutter sich hülflos niederwirft in heißem Gebete vor dem heiligen Bilde der gnadenreichen Madonna; dort der Mann, der allein mit sich in der Einsamkeit des Friedhofs nach Fassung ringt und seinen stummen Schmerz in tiefster Seele verschließt. Wie oft hat diesen Schmerz der Liebe das Lied des Dichters besungen und die Hand des Künstlers gestaltet! Doch unerschöpflich reich, wie das Leben selbst, bleibt die Kunst in der Verklärung solcher Tragik des menschlichen Herzens, und sie wird stets von ergreifender Wirkung sein, wenn ein Dichter, wie Heine, sich des Stoffes bemeistert. Die Wallfahrt nach Kevlaar zeigt uns so recht, wie wunderbar es Heine verstanden hat, dem Volke sein Empfinden und Sprechen abzulauschen. Betrachten wir das Bild zu diesem Gedichte, dann müssen wir zunächst gestehen, daß gerade der Holzschnitt in seiner kräftigen Unmittelbarkeit sich als vortreffliches Illustrationsmittel solcher volksthümlichen Lieder erweist. Wie lebensvoll und wahr ist jede einzelne Figur dieser mit echt künstlerischem Tacte von Meister Thumann componirten Gruppe! All die Leiden des Leibes und der Seele haben hier ihren ergreifenden Ausdruck gefunden. Wie tief empfunden und wie überaus wirkungsvoll ist der Contrast des lieblichen in ahnungsloser Unschuld dareinschauenden Kindergesichts inmitten dieser herzbewegten, aus Noth und Elend zum Himmel flehenden Menge!

Das zweite Blatt, dem das reizende Lied „Unter den dunkeln Linden“ von Robert Reinick zu Grunde liegt, ist eine höchst stimmungsvolle Naturstudie Heubner’s, deren sorgfältige Durchführung sich auf das richtige Maß zwischen oberflächlicher Skizzirung und subtiler Detailarbeit beschränkt.

Beide Blätter sind einem Buche entnommen, das nun in achter Auflage erscheint und seit mehr als zwanzig Jahren seinen wohlbegründeten Ruf behauptet: dem „Album für Deutschlands Töchter, Lieder und Romanzen. Mit Illustrationen von Thumann, Georgy u. A., Leipzig, C. F. Amelang’s Verlag.“ Die mit sorgsamster Rücksicht auf das Mädchenalter getroffene Wahl der Lieder ist eine überaus glückliche; die Illustrationen rühren von bekannten Meistern her und sind auf das Sauberste ausgeführt. Ueberdies ist die Ausstattung des Buches eine höchst geschmackvolle und glänzende und das Werk somit für den Weihnachtstisch bestens zu empfehlen.