Zwei neuen Erzählungswerke

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Titel: Zwei neuen Erzählungswerke
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 92
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[92] Zwei neue Erzählungswerke. Wenn wir im Folgenden auf zwei Werke hinweisen möchten, welche sich durch innern Gehalt über die Alltagserscheinungen im Gebiete der Belletristik erheben, so geschieht es deshalb, weil die Autoren derselben zunächst zwei Vorzüge für sich in Anspruch nehmen können: das Interesse, welches wir an den handelnden Personen in der Novelle „Rudolf“ von Hermann Presber (Leipzig, Theodor Thomas) und dem Roman „Verschiedene Stände“ von Adolf Brennecke (Stuttgart, Cotta) gewinnen – denn diese Werke und diese Autoren meinen wir – liegt nicht allein in der Erfindung sogenannter spannender Situationen, sondern in den geschilderten Charakteren selbst, und beide Bücher eignen sich ihrem ganzen Inhalt nach für jeden Leserkreis, für Alt und Jung, für die Familie. Der Standpunkt der beiden Schriftsteller ist ein durchaus freisinniger. Wenn das Brennecke’sche Buch eine buntre Abwechslung bietet als das Presber’sche, so hat die Novelle „Rudolf“ dafür den Vorzug, daß die Entwicklung jeder einzelnen handelnden Figur mit einer Sorgfalt, mit einer Feinheit angelegt und durchgeführt worden ist, wie wir es selten bei einer Novelle gefunden haben. Und vor allen Dingen schwebt über dem Werke von Presber ein so allerliebster, köstlicher Humor, daß wir wohl befugt sind, die Novellendichtung in dieser Hinsicht als einzig in ihrer Art zu bezeichnen. Freilich wollen wir auch nicht unerwähnt lassen, daß der Schluß der Hermann Presber'schen Novelle etwas überstürzt erscheint; wenn sonst oft der Spruch zutrifft „Weniger wäre mehr gewesen“, so müssen wir bei „Rudolf“ beklagen, daß dieses Buch nicht statt in einem Bande in zwei Bänden vor uns liegt. Nicht ohne Rührung kann man die Darstellungen des Kinderlebens in der Presber’schen Novelle lesen; es zeigt sich darin eine sinnige Beobachtung des Seelenlebens der Jugend und eine innige Liebe zu den Kleinen, deren warmer Hauch wahrhaft herzerfrischend berührt. Brennecke offenbart eine reiche Kenntniß des Lebens in allen Ständen; in seinem Erstlingswerk zeigt sich der Autor als ein gereister, weltkundiger Mann, der eine große Fülle von Kenntnissen angesammelt hat und dieselben geschickt zu verwerthen weiß. Was beiden Werken besonderen Reiz verleiht, ist der frische Griff in’s volle Menschenleben, in den auftretenden Personen finden wir ein Spiegelbild des Lebens unsrer Zeit, von echter dichterischer Kraft gestaltet. Eine eingehende Besprechung gestattet die Rücksicht auf den Raum dieser Zeitschrift nicht. Mögen diese wenigen Zeilen genügen, die Aufmerksamkeit des Leserkreises der „Gartenlaube“ auf beide Erscheinungen hinzulenken!