ADB:Hebenstreit, Johann Paul

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hebenstreit, Johann Paul“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), ab Seite 195, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hebenstreit,_Johann_Paul&oldid=553270 (Version vom 24. Dezember 2009, 02:39 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
Hebel, Johann Peter
<<<Vorheriger
Hebel, Johann Peter
Nächster>>>
Hebenstreit, Ernst
Band 11 (1880), ab Seite 195. (Quelle)
Autor [[{{{9}}}|{{{9}}} in Wikisource]]
Nach PND-Nummer Suchen
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

Hebenstreit: Johann Paul H., protestantischer Theolog des 17./18. Jahrhunderts, geb. den 25. Juni 1664 zu Neustadt an der Orla, wo seine Familie mehrere Generationen hindurch blühte und wo sein Vater Johann H. Rector war. Seine erste Bildung erhielt er auf der Schule seiner Vaterstadt, später auf den Gymnasien zu Gera und Gotha; in Jena studirte er Philosophie und Theologie, wurde daselbst Magister, Adjunct der theologischen Facultät, prof. philos. eo., dann ordentlicher Professor der Moral und Politik mit dem Charakter eines Consistorialrathes. Weil er als Mitglied der philosophischen Facultät über theologische Fächer zu lesen prätendirte, kam er in Conflict mit den Theologen, zumal da er auch in seinem Lebenswandel vielfachen Anstoß gab; die theologische Facultät beklagte sich wiederholt über ihn und die Fama nannte ihn das achte Wunder von Jena – einen professor moralium ohne Moral. Nichts destoweniger erlangte er 1697 von der theologischen Facultät in Altorf den theologischen Doctorhut und wurde 1710 Ordinarius in der theologischen Facultät zu Jena. Nachdem er aber bald in dieser Stellung sich unmöglich gemacht, wurde er 1715 zum Pastor und Inspector zu Dornburg ernannt, vollendete hier zu seiner Rechtfertigung sein gutorthodoxes „Systema theologicum“ in drei Theilen (1707–17), legte später, nachdem ihm seine Bibliothek verbrannt, [196] auch dieses Amt nieder und lebte zuletzt mit dem Titel eines herzoglich weimarischen Consistorial- und Synodalrathes zu Erfurt, wo er im 54. Lebensjahre, den 6. Mai 1718 starb. – Notizen über sein Leben und Verzeichniß seiner Schriften s. bei Döring, Die gel. Theol. Deutschl. im 17. und 18. Jahrh. I, S. 63 ff.; Motschmann, Erfordia literata II, 253; Rotermund bei Ersch und Gruber, Sect. II, Th. 3, S. 300; Jöcher; Frank, Gesch. der prot. Theol. II, S. 220 ff. aus Jenenser Akten; Gaß, Gesch. der prot. Dogmatik III, 147. 169. Seine Schriften behandeln verschiedene philosophische Disciplinen, z. B. philosophia prima, logica sacra, philos. moralis, naturalis, sämmtlich in Jena erschienen, größtentheils aber theologische Gegenstände, z. B. de praedestinatione gegen den Marburger S. Andreä; ferner Dissertationen und Programme über allerlei exegetische, auch kirchengeschichtliche, kirchenrechtliche, dogmatische und ethische Fragen. Sein Systhema theol., meist an Baier’s Compendium sich anschließend, wurde später von dem orthodoxen Wolfianer Joh. Ernst Schubert mit mildernden Zusätzen und Anhängseln neu herausgegeben 1767.

Wagenmann.
Persönliche Werkzeuge