ADB:Herberstein, Adam Freiherr von
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Herberstein: Adam H., Sohn des Freiherrn Karl von H. (aus der älteren öfteNeichischen Linie dicse–2 Geschlechte8,) und der Elisabet von Trautsou zu Matrey, war schon 1594 mit Rudolf II. auf dem Reichstage zu RegeneSburg und wurde dann Kämmerer dcZ Erzherzogs Mathias, zu dessen nächsten Vertrauten er gehörte. Als sich nach dem FriedeuSschlusse von Szitva-Torok die Türken weigerten, die Bedingungen desselben zur Auöführung zu bringen, erhielt Adam eine wichtige Mission an die Pforte. Mit dem Agenten Johann Rimay und »stattljchem Accompagnament« trat er am 8. Mai 1608 die Reise nach Con- stantinopel an, über deren Verlauf er nach seiner Rückkehr eine ausführliche Relation an K. Mathias; gerichtet hat. Ueber zwei Monate verweilte er in [31] Constantinopel und verhandelte daselbst mit den türkischen Würdenträgern über die Rückgabe der festen Plätze Neuhäufel, Weißenburg, Waizen und Filek an Mathias, sowie über die Auslieferung von Gefangenen. Die Türken producirten einen anderen Wortlaut des Friedensvertrages als die Kaiserlichen, beschuldigten den christlichen Dolmetsch der Ve1«rätherei und abfichtlicher Friedens-Verhinderung und trachteten in ihrer sattsam bekannten Manier den Erfolg der österreichischen Gesandtschaft zu hindern. Endlich bequemten sie sich zwar zu der Feststellung eines authentischen Textes, verzögerten jedoch die Uebergabe der Abschrift derart, daß sich H. genöthigt sah, Constantinopel zu verlassen, nachdem man ihm die Ver- tröstung gegeben hatte, er werde den betreffenden Act in Ofen erhalten. Aber auch dort vermochte er in den vom Z. Januar bis 22. September 16()9 auö- gespo1menen neuerlichen Verhandlungen nichts Definitive-? zu erreichen. Bei der Krönung deS KaiserS MathiaS in Frankfurt 1612 fungirte Adam von H. unter den ersten Hofchargen, 1618 unternahm er eine zweite GefandtfchaftSreise nach Conftantinop1-l, über welche mir jedoch keinerlei actenmäßige Nachrichten vor- gekommen sind. A18 nach Au–Sbruch der böhmischen Rebellion Matl)iaS Thurn in Niederösterreich eingebrochen war und Laa belagcrte, sandten die katholischen Mitglieder dez Lsandtagei-z drei Abgcsandte zu Thurn, um über die Aufhebung der Belagerung mit diesem zu confe–riren. Die Gefandtfchaft bestand auS dem Freiherrn Adam von Christof von Puchheim und Weber. Nach der Be- deutung und den ftaatSmä11nifchen Erfahrungen dieser drei Herren zu urtheilen, dürfte dabei H. die Führerrol1e .zugesallen sein. Thurn verlangte die Räumung Laae.3 von kaiserlichen Truppen, versprach dagegen, die Stadt nicht selbst zu be- setzen, sondern abzuziehen, sobald dieselbe durch Truppen besetzt sei, welche von den uiederöfterreichischen Ständen in Eid und Pflicht genommen wären. Die Gesandtfchaft verstand eS, die .Vt–rhandlungen derart auHzudehnen, daß für Ferdinand Zeit gewonnen wurde, in dcr wenigftenS einige der versprochenen Hilfs- völker Wien erreichen konnten. Nachdem die Gesandten zweimal zwischen Wien und Laa hin- und herge–reist waren, schlossen sie endlich am 29. Mai imNa111en dt-I3 Erzherzogß und Königs von Böhmen deu RäumungSvertrag ab. ––– Adam von tritt darnach im politischen Leben nicht mc-hr in den Vordergrund, wir sindcn ihn nur noch unter den Ständegliederu, welche im Jahre 1t320 persönlich die Huldigung an Ferdinand leisteten. Die häuslichen und wirthschaftlichen Verhältnisse AdamS scheinen nicht ungetrübt gewesen zu sein, ier sah sich genöthigt, seine Güter Gänserndorf und Treßdorf an seine Gemahlin Magdalena Katharina, eine gebornt– Kh11en von Belasy zu verkaufen, die a«lS ausJgrzeichnete Landwirthin und Gütersp1–culantin bekannt war. Cr starb am 4. März 1626 und ruht neben mehreren seiner Vorfahren in dcr Stiftskirche zu St. Dorothee in Wien. Kumar, Gesch. d. Burg u. FamilieHerberstcin; v. Hormayr, Taschenbuch 1826; Ersch und Gruber, Enc1)clopädie (Sect.11. Bd. 6); Kht–venhillcr, Ann. V1. und 1)i.; (s3indely, Dreißigjäl)r. Krieg, 1l. Bd.; Hat1dfchriftlichcS Material auS dem Gräflich Herberstei11schen Archive zu Graz.