ADB:Lachmann, Ferdinand
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Lachmsmn: Karl Friedrich Ferdinand L., geb. am 10. März 1817 in Zittau, wo sein Vater die Stellung eines Subrectors am Gymnasium bekleidete, trat 1827 in die Quarta dieser Anstalt ein und bezog, nachdem er seine Gymnasialbildung abgeschlossen hatte, Ostern 1886 die Universität Leipzig, um dort Theologie zu studiren. Er hörte bei Winer, Niedner, Theile und Anger, bei Drobisch und Harteustein, auch bei seinem Landsmann Moritz Haupt, wurde 3O* [468] Mitglied der Lausitzer Predigergesellschait, der er gegen das Ende seiner Studienzeit als Senior vorstand und kehrte Michaelis 1839 nach bestandenen: theologischen Examen in seine Vaterstadt zurück. Nachdem er ein halbes Jahr prioatistrt hatte, wurde er als Adjunkt seines Vaters am dortigen Gymnasium angestellt, rückte fünf Jahre später in eine ordentliche Lehrerstelle ein und wurde allmählich avaneirend 1854 Conrector. Er hatte sich unterdessen mehr den philologischen Diseiplinen zugewendet und legte auch darin nachträglich ein Examen ab. Am 22. Juli 1865 feierte er gemeinsam mit dem Director Kümmel (Bd. Ill? S. 51), seinem langjährigen Nachbar im Collegium, sein 25jähriges Amtöjubiläum. Obgleich etwa von diesem Zeitpunkte an seine Gesundheit zu wanken begann, war es ihm doch vergönnt noch den Tag seines 40jährigen Lehrer- und zugleich 25jährigen Conrectorjubiläums zu erleben und festlich zu begehen. Dieser Tag (2. October 1879), der ihm Auszeichnungen und Beweise der Liebe in reichem Maße brachte, war zugleich Für ihn der Abschluß seiner öffentlichen Wirksamkeit. Sein kötpetliches Befinden nöthigte ihn die Ruhe des Privatlebens zu suchen, die er noch anderthalb Jahr nach seiner Pensionirung genossen hat. Am 11. April 1881 starb er in Folge eines Herzleidens, hochgeschätzt wegen seiner Berufstreue, seiner Gerechtigkeit im Verkehr mit der Jugend und der Offenheit seines Charakters. Unter den Wissenschaften war es Vorzugsweise die Philosophie, die Lachmann’s Interesse von Jugend an erregte. Von seinem Vater, einem alten Kantianer, zuerst in dieses Studium eingeführt, durch Drobisch und Hattenstein in Leipzig weiter gebildet, erwarb er sich eine philosophische Bildung, die nicht nur für seine Unterrichtsweise charakteristisch wurde, sondern ihn auch zur Abfassung einer Anzahl kleinerer Programmabhandlungen philosophischen Inhalts befähigte. Bald behandelte er einzelne Philosophen („1)e (10Ot1–jn-st 1I“1. .-1urO1ji A11tO11j11i p11il080psii“)„ bald Begriffsbestimmungen f.-1)e Vj ze Sendentjz -ec-.zcig-– crews Arist0te1j0ue“. Versuch über den Begriff des Kunststils), bald grammatischphilosophische Fragen („Einige Bemerkungen über die Bedeutung der Partikeln 2e- und Zi-“). Dabei war L. aber auch Dichter und hat sich als solcher, abgesehen von einigen kleineren poetischen Gaben (Xenien bei der Schillerfeier, 10. November 1859, Uebersetzung der Gedichte Solon’s), in einem historischen Schauspiel „Beatrix von Burgund" versucht, daß er 1865 unter dem Pseudonym Friedrich Thal herausgab. Der Stos ist der Geschichte Friedrich Barbarossa’s entnommen. Das Stück ist, zumeist wol aus äußeren Gründen, nicht zur Ausführung gekommen; den Rath derKritik. einmal einen modernen bürgerlichen Stoff zu dramatisiren, hat L. nicht befolgt. Die Anerkennung weiterer Kreise zu erwerben gelang L. noch gegen Ende seines Lebens auf einem Gebiete, das ihm von Jugend au vertraut war. Bereits als Schüler zeichnete und malte et mit solcher Lust, daß er sich am liebsten ganz dem Künstlerberufe gewidmet hätte. Wenn dies nun auch sein Vater nicht zuließ, so blieb L. doch sein ganzeH Leben hindurch der Kunst treu, indem er als jüngerer Mann die schönen Berge seiner Heimath mit dem Zeichenstift durchstteiste, später aber darauf dachte sein künstlc–tisches Können für das Verständniß der Antike nutzbar zu machen. Daß Interesse für die griechischen Tragiker, mit denen er sich viele Jahre hindurch von Berufswegen beschäftigte, veranlaßte ihn 16 Umrißzeichnungen zu den Tragödien des Sophokles zu entwerfen. Nachdem diese zum ersten Male bei Gelegenheit einer AntigOneaufführ1mg durch Schüler einem kleineren Kreise vorgelegen hatten und der Wunsch der Herausgabe laut geworden war, unterbreitete L. die Blätter der archäologischen Section der Philologenversammlung in Leipzig und entschloß sich, als sie auch hier allgemeinen Beifall fanden, zur Veröffentlichung. So erschienen, eingeführt von J. Overbeck die „Umrißzeichnungen zu den Tragödien des Sophokles. Sechzzehn Blätter mit erläuterndem Text. Verlag von [469] E. A. Seemann." Als besonders gelungen dürften zu nennen sein das Bild des Aias vor dem aufgepflanzten Schwert, die Ankunft der Ismene auf Kolonos und die Ergreifung der Antigone durch die Wächter; dieses letzte Blatt ist auch bei Besprechung des Ganzen mehrfach reproducirt worden; so in C. v. Lützow`s Zeitschrift für bildende Kunst 0c, 93) und in der Illustrirten Zeitung (1875 S. 197). Hat somit L., indem er in Carstens’ Fußstapfen trat, jüngeren und älteren Freunden des Sophokles ein dankbar aufgenommenes Anschauungsmittel für die Lectüre des Dichters geboten, so ist es umsomehr zu bedauern, daß er an zehn ähnliche Bilder zu Aeschylus’ Tragödien, die sich anscheinend abgeschlossen in seinem künstlerischen Nachlasse fanden, nicht noch im Interesse ihrer Veröffentlichung die letzte bessetnde Hand hat anlegen können.