ADB:Lauber, Diebolt

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Artikel „Lauber, Diebolt“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), ab Seite 22, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lauber,_Diebolt&oldid=463442 (Version vom 24. Dezember 2009, 01:42 Uhr UTC)
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Lmiber: Diebold L., Handschriftenhändler zu Hagenau im 15. Jahrhundert. Während vor der Erfindung der Buchdruckerkunst Corporationen von Handschrifthändlern (8tettjo11a1–jj- 1;.ib1–8.rjj) in Frankreich und Italien vorzugsweise in deren Universitätisstädten (Paris, Bologna) exiftirten, deren Geschäftsgebräuche und Verhältnisse durch Statuten in mehr oder weniger enggezogenen bestimmten Grenzen eine gewisse Abrundung erhalten hatten, waren es zu jener Zeit in Deutschland in der Regel nur die Messen und Jahrmärkte, wie die zu Nördlingen und Frankfurt a. M. sowie die Reichsstädte, welche von diesen Händlern zum Handschriftenvertrieb benutzt wurden. Ganz besonders war es die verhältnißmäßig kleine Reichsstadt Hagenau im Elsaß, welche durch ihren Handschriftenhandel hervorragt und im 15. Jahrhundert dadurch eben jo sehr um die Litteratur durch Vervielfältigung der Bücher vermittelst Abschriftenfich verdient gemacht hat, wie sie im 16. Jahrhundert ausgezeichnet war durch ihre Buchdruckerpressen. Hier bestand eine förmlich organisirte Schreiberschule, die sogar häufig (Mone, Zeitschrift f. d. Gesch. d. Oberrheins l, 312) ihren Ueberfluß an Mitgliedern anderen Städten mitgetheilt zu haben scheint. Die Herstellung der Handschriften wurde daselbst gleichsam fabrikmäßig betrieben, indem der eine Schreiber den Text, der andere die Rubricirung, ein dritter das Malen der Initialen und ein vierter u. s. w. daß Binden und andere Geschäfte besorgte. In manchen Fällen lag aber auch wohl einer und derselben Person die vollständigeHerstellung der ganzen Handschrift ob, wie es denn (Hagen und Büsching, Lit. Grundriß zur Geschichte der deutschen Poesie, S. 307) am Schluß einer solchen, welche die sieben weisen- Meister enthält, heißt: 1)js ’ouOll y011S111Jrz(:11t Un:-1S In (10r 2jt„ A1So mm: Sc11rsjp 3711(1 1s ts ’kus911c1 711c1 vz7Sr 11u13c1Srt N8011 0bristus gsb0rc- er-ts jst w8.1 1)8„1– 119„011 „j11 (1SN1 8J–si1 Mc! 8jsb9nr2jgsten jar 7ik 89„1ro?eunJ-– bel;:-11–ung„ (18„2 jsr v7-1r9„ 7o11 kIems 1)jrmstOz–v„ u7jst y01– wur, 1)9r 11zjt os gso111–8b911 V11(1 gems„011t„ 06ms.1t- gsbunc1611 M11 gemts k1111en– br-1O11t“. Aus dieser Bücherfabrik wurden aber nicht bloß wissenschaftliche Werke in lateinischer Sprache, sondern auch für daß größere Publikum bestimmte deutsche Bücher zu Tage gefördert, selbst die untersten Volksklassen wurden nicht unberücksichtigt gelassen. Neben t-guten latinischen Buchern“ erscheinen die größeren epischen Gedichte des Mittelalters, kleinere poetische Werke, Sagen, Volksbücher, juristische Werke, die „gulden bull“, biblische und legendarische Bücher, Gebetbücher, populär-medicinische Schriftchen, Wahrsagebücher (Loßbücher), selbst Spielkarten und Briefe (’seiligenbilder). Als mercantilischer Abzugskanal aber fand sich in der Person des L. ein Vermittler der weiteren Vertreibung des nothwendigerweise entstehenden örtlichen Ueberflusses. Ausführliche Nachrichten über daß äußere Leben des Mannes, der sich auch Läber und Louber schreibt, sind [23] mi8 nicht erhalten, von Haus aus aber war er ein Lehrer und lebte um dieMitte des 15. Jahrhunderts. Ueber seine Büchervorräthe aber besitzen wir in drei verschiedenen Handschriften Notizen. Die erste steht (Wilken, Gesch. d. Bildung . . . der alten Heidelb. Büchersammlungen S. 4Os–407) in einem vom 2c). December 1447 datirten Codex der Heidelberger Bibliothek, der Dietrichs Flucht zu den Hennen und die Raben-Schlacht enthält, und lautet: Jtem zu ll:-tgsi1Uns. py 1)z-po1er 15.b(-1– schreyber, leret die Kinder, sind die Bücher tütsch. Item gsts. Roms morun1 gsmsi.11J, Jtem !?8.rc:jkz1 gen1ä1t- Jtem k!0zsr y11c1 b18mescz11Skll1r gt-– ms„1t- Jtem mor01k gsmsllt„ Jtem der Hertzog von österrych, Jtem Wilhalm Orlyens vnd die schöne Amely. Jtem die syben maister gemält, Jtem das Vispvl Buch genant der welt löff gemält, Jtem die gülden bull, Jtem der ackermann vnd belyal gemalt, Jtem daz guldin spil, vnd von allen spilen gemalt: Jtem die 2 teik der heytigen leben. Jtem der heyligen dryer 15üvg b11o11 gemalt, Jtem die 24 alten, Jtem Triftram, Jtem ein hübsch buch genant der graw rock und 1-:ün15 Alexander, Jtem Troyen gemalt, Jtem fant Wilhalm in birmit, Jtem wygalois gemalt". Die zweite Notiz über seine Bück1ervorräthe steht (sagen und Büsching S. 159) in einer auf der k. Bibliothek zu Berlin befindlichen Handschrift von Floß und Blankflos und ist, um sie auffälliger zu machen, roth geschrieben. Sie ist kürzer: -2I’s Sm 2uO kl:ztgen0ws yi1 11üb8011Sr büO11S1– gejst1jO11 0(1S1– WS1t1iO11 gem01t. bJ7 (1isi:101(1 1oubsi“ 8O11rjbsis v11(1 gu0t9 I8.tj11jsO11O büObsrs. Diese Handschrift ist übrigens eine andere alß die in der ersten Notiz angeführte, da der Raum für die mit Schablonen einzutragenden Bilder noch unausgefüllt ist. Die drittenotiz endlich lieferte (Raumer, histor. Taschenbuch 1841, S. 537–538) Sotzmann, leider aber nur fragmentarisch; sie befindet sich auf dem ersten Blatte einer Legende von den heil. dreiKönigen in Westphalen und beginnt mit der Ueberschrift: „Jtem welcher 119„nc1e Bücher man ger11S hat, gr088 oder e1(-jn„ geistkich oder weltlich, hübsch gemolt, die findet man alle by (1ic:1zo1(1 1o11bsr 8c:11rjber in der b11rge zu klsig911Uns. Den Anfang macht „das grOsS buch genant (3tsrz Rom:-mor11111 mit den ’ssjguren gOmo1t“, dann folgen größere Werke wie Parzival, Tristan, Freidank, hierauf kleinere Erzählungen, wie „(1Or mätk5un rittsi“„ mn ejms g9trunsen rjtt.81s„ c1e1– Sin SjgO11 11(-rtsO gs.b s.7r11b ej11Sr 8011önsi1 kr0Wen v7j11en- (18r ritter 711äSr c1en1 2ubOr„ 85r.11t LUS- 11e1ms krMs„ ferner .,eine gerzsi11Ote bjbs1- Sin 8a1tOr 1ztj11 ull(1 tüts03:1- Sx1istO111 U. 0VA11ge1jsi1 (1Ur(:11 (15ts „jO1–- r-jts 0rjst)s (1e18 g;1lltse 1J:-D88jo118„1 Wjntsitsi1 u. Sun1me1–r9i1 sodann Andachtsbücher, wie „die )0T1ll1 8.1tsn- benjz1„ (1er 8S1S11 t.1s0St–- (191– rosOr111rsi1ts (1is 2en11 gebot mit g1ose1r und „Sust c1ei11S beste bü(:11er“ und endlich weltliche prosaische Volksbücher, wie -Surs bewerte 81–ts– 11Sjsi1 bücher- gsms.1ts 10S8bü011Sr„ S0rm01128.ber g911101t- 8ju I(5tjsr1jo11 1´s(:11t– 1zu(:11 Sr(:.“ Diese letzte Abtheilung ist ziemlich zahlreich und L. hatte, wie schon aus dem Voranstehenden zu ersehen, einen sehr bedeutenden Büchervorrath aufzuweisen. Ein Original-Verzeichniß dieser letzteren Vorxäthe gab als Faesimile H. Lempertz in seinen Bilderheften 1862 auf Tafel I.; nach einer Notiz im Serapeum 1862, 234–235 ist übrigens diese Legende (Papiermanuscript mit kolorirten Zeichnungen) nach England gekommen. Daß L. in den ersten dieser drei Inscripte sich auch als„Lehrer“ bezeichnet, darf um so weniger auffallen, als die Erscheinung, daß Schullehrer zugleich einen Handel mit Büchern betrieben. durchaus nicht vereinzelt dasteht. Eine Bautzener Schulordnung (Schöttgen, Der Dresdenschen Buchdruckergesellsch. Jubelgeschichte S. ö) vom J. 1418 benennt die Bücher und setzt die Preise fest. welche die Knaben dem Locatus (einem der unteren Lehrer) zu entrichten hatten, nämlich für ein ABC, Pater Nofter und 0Or(1e bOnsc1jOjt9- jedes 1 gl., für einen guten Donat 1O gl., eine Rega! - 1-11OrA1js und Ost-co 8–9 gl., für ein ganzes 1)oOrrj11818 (des Alexander äS 7j118. [24] I)oi„ vgl. I“8.brj(:ius„ bib1. 18.t. ms(1. et- ink. 8„eyi l- 177), das man nennt einen ganzen Text: eine halbe Mark, für prim2tm pstrten1 8 gl., „welch reich Kind von seinem l-oO5.tO nicht kauffet ein Buch, daß gebe ihm 2 gl. im Anheben, ein mittelmüßiger 1 gl., der arme nichts. Er dürfte hier am Orte auch nicht ohne Interesse sein, zugleich mit kurzen Worten auch der übrigen deutschen Handschrift-mhändler des 15. Jahrhunderts Erwähnung zu thun, über welche uns leider nur allzu magere biographische und deshalb zu selbständigen Artikeln sich nicht eignende Notizen überliefert sind. Es sind in chronologischer Folge: Johann Minner in Nördlingen, welcher (Beyschlag, Versuch einer Kunstgeschichte von Nördlingen) ausdrücklich als Händler daselbst und bereits 1407 in den Steuerregistern der Stadt als „.1o11emn08 8orjptOr“ vorkommt, auch 1418 bis 1425 daß Amt eines Hospitalschreibers verwaltete; Jorys von Hocbergue zu Brügge (?) verkaufte in den Jahren 1427 und 1428 zwei 1)oOrrj11A19- einen 0sreojsmt18 und „u1s 1Osj(1Ut-“ (8j0) für Chorknaben an den Herzog von Burgund, die Zahl der verkauften Bücher läßt wohl auf einen wirklichen Handschrifteuhändler schließen; Konrad Horn, 1415–1435 Stadtschreiber zu Nördlingen scheint, nach Beyschlag, bedeutende Geschäfte in Handschriften durch Kauf und Tausch gemacht zu haben. Im J. 1435 wurde er aus unbekannten Gründen seines Amtes entsetzt und saß bis 1450 im Gefängniß. Ulrich Friese zu Aug-sburg, zugleich Pirmenter (Pergamentmacher), stand mit den zwei genannten Nördlingern in den Jahren 1447 und 1451 in geschäftlicher Verbindung. Ob ein „Wolff von Prunow“ zu Heidelberg, von einer Hand des 15. Jahrhunderts auf der innern Seite des Deckels einer Heidelberger Handschrift als „Vibliopola“ eingetragen, wirklicher Handschriftenhändler gewesen, ist nicht festzustellen, weil dieses Inscript möglicherweise schon in die Zeit nach Erfindung und Verbreitung der Buchdruckerkunst hineinreicht. Ueber mehrere Straßburgische Handschriftenhändler oder „schriber“ von 1408–1486 (der älteste ist Peter Von Haslach,), die ihre Bücher „Vk cken gr0c1en Ze y118Ss krun-er I-1ünstsr“ feilboten, vgl. C. Schmidt a. a. O.S. 41 und Archiv f. d. Gesch. d. d. Buchhandels 11, 235. Ebendaselbst (S. 236) wird durch eine Urkunde vom J. 1482 der Nachweis erbracht, daß die Feilbietung von Handschriften vor den Kirchthüren ein allgemein verbreiteten Gebrauch war oder sich zu einem solchen entwickelt hatte. Die wenigen statutarischen Bestimmungen für die Handschriftenhändler in Wien sind abgedruckt in l-et111beOjus„ o0mment:2trjus C19 bjb1iOt11ec:e1 s’j11ci0b011en5j-1.. 11„ 1J. 101. 113. 183.

Ueber die Handschriftenhändler in anderen Ländern und zwar in Italien seit 1259 (“Bologna, Verona, FXorenz, Mailand, Padua, Ferrara, Venedig und Romf), in Frankreich seit 1275 (Paris, Angers), in England seit 1358 (Oxford und London, in erstere– Stadt auch ein Deutscher: Nicolaus; de Frifia um 1425, vgl. d. Art.) und in Spanien seit 1413 (Barceloua) ist nachzulesen Albr. Kirchhoff im S-erapeum 1851, 262–320; über die Preise von Handschriften und Incunabeln derselbe ebendas. S. 259–261, Reuß das. 1845, 188. 286–287 und 1849, 365– 865 und Le Glay imizunSrjn e1u Bjb1jo1vr1j18 bO1ge 1850, 279; über die Schreibergebühren im Allgemeinen Serapeum 1846, s bis 78 und 1847, 377–382 und speciell über die Sammler und Abschreiber litterarischer Denkmäler im 14. Jahrhundert im ehemaligen Hochstifte Würzburg Reuß in derselben Zeitschrift 1845, 161–180; über die Kalligraphen, Illuminatoren und Miniaturen von Handschriften im abendländischen Europa hat Vogel ebend-aselbst 1850, 257 ff. in einem besonderen Aussatze gehandelt sowie über Bilderhandschriften, zunächst in den Bibliotheken zu Bremen Jahrgang 1866, .Intell.-Bl. S. 145 ff. Auskunst giebt. Was schließlich die sog. Schreiberpoefie anbelangt, d. h. ernste und scherzhafte Reime in deutscher und lateinischer [25] Sprache, womit zumal die mönchischen Abschreiber es liebten, ihre saure Arbeit abzuschließen, vgl. Reuß im Serapeum 1845, 188–190 und Budik ebendaselbst S. 372.

Vgl. außerdem: Kirchhoff, Beiträge zur Gesch. d. d. Buchhandels l, 1–7. Ebert, Handschriftenkunde 1, 109 ff. Bulaeus, lljsror. lll1jwi–8. 19.2t1–js. 111„ 419. 1V, 37. 202–204. 278. 279. 321. 435. 462. 8zrtj- C16 Or-us. zrO11jgz-mn. B011on. S0ript0r. ’Q’01. I. p. I1. App911(1.p. 224–225. Archiv f. d. Gesch. d. Buchhandels Rs, 5–8. J. J. C. Causse, 1)e 1jbror. m9.11usorjpt. p1´stjo- Is’rA11Ook. 8.(1 ssjs„(11–. 1767. 4. Millin, 1llsgs.8. Sn(:yO1Op. 1„ 13. Allgem. liter. Anzeiger 18O0, 535 ff. Baumgarten, Nachrichten V, 217. 281. Metz, Gesch. d. Buchhandels, S. 109 ff. Poelchau, Das Bücherwesen im Mittelalter, Berlin 1881. Ch. Schmidt, I.i7rs St 13jb1iot11cöquOs St 8trsd0urg 1877 (nicht im Buchhandel) p. 5. 35. 37. Wattenbach, Das Schriftwesen des Mittelalters (1871). S. 317–319.

J. Franck.
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