ADB:Lycosthenes, Conrad (1. Artikel)

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Artikel „Lycosthenes, Conrad (1. Artikel)“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), ab Seite 727, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lycosthenes,_Conrad_(1._Artikel)&oldid=880617 (Version vom 25. Dezember 2009, 06:20 Uhr UTC)
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Lycosthenes: Konrad L., gelehrter Philolog und Theolog im 16. Jahrh. Sein Geburt-Hort ist das Städtchen Ruffach im Oberelsaß (deshalb Rube-tquev– Sjs)- wo er um daß Jahr 1518 seinem Vater, dem Schultheiß Theobald Wolfhart und seiner Mutter, Elisabeth, einer Schwester des Konrad Pellicanus (vgl. Jod. Gallus, Bd. M11, 348) geboren wurde. Seinen Familiennamen gräcifirte er später, der Sitte der Zeit folgend, in den obigen, dessen sich auch zudes 17. Jahrhunderts der Sohn des Cyr. Spangenberg zu Straßburg, Wolfhart, als Schriftstellernamens bediente. Nachdem er mit Beihülfe seines Oheims Pellicanus den vorbereitenden Unterricht absolvirt hatte, bezog er siebenzehnjährig, die Universität Heidelberg, wo er sowohl Theologie und Philologie als auch besonders Geschichte studirte, zu welch’ letzterer ihn eine besondere Neigung zog. In diesen Studien zeichnete er sich durch Fleiß und Kenntnisse so sehr“ aus und machte so rasche Fortschritte, daß er bereits 1539 mit der philosophischen Doctorwürde beehrt wurde. Im J. 1542 ging er zugleich mit seinem Studiengenossen Heinrich Pantaleon nach Basel, und hier sogleich zum Lehrer der Grammatik und Dialektik ernannt, trug er diese Disciplinen drei Jahre vor, [728] worauf ihm daß Amt eines Diaconus und Predigers bei St. Leonhard übertragen wurde, welches er bis zu seinem Tode bekleidete. Aber die geistige Ueberanstrengung, welche ihm sein Predigtamt verbunden mit der Abfassung und Veröffentlichung zahlreicher gelehrter und umfassender Werke verursachte, zog ihm einen Schlagfluß zu, der ihm die rechte Hand lähmte, so daß er genöthigt war, von mm an zum Schreiben sich der linken Hand zu bedienen. Er überlebte jedoch diesen Anfall noch sieben Jahre und starb endlich am 25. März 1561, erst 43 Jahre alt. Wir verdanken L. eine große Zahl sehr wichtiger und theilweise noch heute mit Nutzen zu gebrauchender Werke. Die vorzüglichsten derselben, sämmtlich zu Basel gedruckt, sind: „0omn1S11tsijA ju 191j11j11m jun. (1e 7j1sjs j11ustrjbus„ 1547. 8“, eine Schrift, deren Verfasser bekanntlich Aurelius Victor ist, die man aber damals allgemein dem jüngeren Plinius zuschrieb; „00mpev(1jum 1F3jb1jOr118c9.e (3esi19rjs.nse 1551. 49; „0110mo– 10gjs S1 1zenes. 8i17io S. 1?’j0 II. 1551. Fol., wovon später Josias Simler (1574) und Jakob Fries (1588) vermehrte Ausgaben veranstalteten; „.1u1ji 0b8eq1.1011tis 1j1Jer (19 1Jr0c1igjjs 1552. 89; „?t:01zmzej (39ogrstp11js.“„ 1552. 80; „0kt1cj118- F. R.8.7isij Tlezctorjs 1555. 4“; „1Dpit0msO11tentjetr11111 8tobsi“, 1557. 89; „0. Vom. 13r1180njj ks.c–eri9.S“„ 1559. 4o. Als seine beträchtlichsten Arbeiten sind jedoch ohne Widerspruch zu betrachten seine: „A1zO1zk1t1Aegn18tu1n 8jve r88p0118or11m mem0mbj1jum . . . 8J: Auto1–jbus x-1–js0is psi–jtsistqoe recenti0rib118 O011Sot. 1.o0j c:O111mn11es . . . 1555. Fol.; in dem Quellenverzeichnisse der 1ettj1torum recentjo1–u1–11 begegnen auch Chytraeuis, Seb.Münster, Vine. Bellovacensis u. a. m.; -2?8rsi.bor-te S. 8j111j1j1.u(1j118S A.b 1DrsmO O011. j1110cJ. comm. 1so(r10t.“„ 1557. 4“ und „1I1–0(1jgi0rum er 08tO11t0ruu1 0I1r011io011 1557. Fol. m. Holzschn., ein merkwürdiges, seltenes und gesuchtes Buch, woraus noch im vorigen und diesem Jahrhundert Auszüge veranstaltet wurden; so erschienen: „1s 1j7rO ckees?1–00liges 1J-s.1– 0om“:1c1 I„zsc08tsiC311S8“ in .-!t11enst0 L8,8.t1rjce16„ 1778, 256. 271. 335 (Abbildungen und Erkkärungen der Originalausgabe) und im 1ll-1g. pjttor. 1853, 281– 32; 271–72; 327–28. 1854, 143–44. Unter den Ausgaben aber der –4pop11t11egmsts und 8jmj1ituc1ill9S gaben auch die Jesuiten, weil dieselben vom Concil zu Trient verdammt worden waren, die ersteren 1618 in ihrer Weise verkürzt und verstümmelt wieder heraus, ohne jedoch des ursprünglichen Verfassers im mindesten zu thun „8uperjorum .j11S8U- unir18 es9„trjbusOo. .Ies. 8o11(1jo t00urzts 1-SoOg11itA„ 8b Omni 0bs00et1j– rzte St impjOt:-tte eJc1Jurg-s.tz“. Im Manuscript hatte L. mehrere im Comp. Bibl. Gesner angeführten Werke hinterlassen, u. a. eine Geschichte der Stadt Ruffach, von welcher Seb. Munster einen Aueszug seiner Cosmographia einverleibte, und ebenso ein zahlreiches Material, daß- später durch seinen Stieffohn Theodor Zwinger in dessen „’1’b8xttrum vjt.2S 11umsmas Verwendung fand. Sein Bildniß findet sich bei Freher a. a. O. p. 164 und in den 1(:Ous 13ojs 1.1sc1i:-m:-te lltb. 02TOM11. – Ueber ein Buch eines Augsburgischen Geistlichen „Bonifacius Lycofthenes oder Wolfahrt“ (8iO) um 1586 vgl. den 1’11esunras 1ibO110rum (Leipz. 1870) S. 251.

Th. Zwinger,?r8„Sk. kl’11es mtr. 7jt. bum. .4.(1-1111j Vit-te ’1Ibso10g. Fol. 174 A. 1?’reberi ’.l’bsm;r. vjr. Oruc1it. p. 189–190. Clessius, 1J1611(:11-.18 l- p. 430 bis 481. Niceron XIII. Fabricius, kljst-. Bib!. me:z.e 1l!- 106–107. „ T7, 330. Os ttA1. Bunm-. ’1’. I. 70!. I1. Jöcher II, 2619. Saxi Onom. III, 265. 634 Strobel, Gesch. d. Elsasses 1N, 127. Grüsse, ’1I1–6S0r 310-1.. Zacher, Die deutschen Sprüchwörtersammlungen S. 14c. Wolf, Biographien l, 34, 1s, s4. Theovh. Elychnius, Re19tti0 es: 195tr118.88o S. 30. 58. Der Verfasser ist der Straßb. Rathsreferent und Actuarius Gottlieb kIasler.
J. Franck.
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