ADB:Stein, Georg von

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Artikel „Stein, Georg von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 608, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stein,_Georg_von&oldid=887646 (Version vom 24. Dezember 2009, 16:11 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Stein, Franz Joseph Freiherr von
Band 35 (1893), ab Seite 608. (Quelle)
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Stein: Georg v. St. (oder Stain), wie er sich zu schreiben pflegte, ein hervorragender Staatsmann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ge- hörte, wie die in seinem Siegel deutlich erkennbaren übereinander stehenden ge- stürzten WolfSangeln anzeigen, dem altberühmten –und mächtigen Geschlechte der Herren v. St. in Oberschwaben an. Auch wurde ihm in der Fremde öfter seine schwäbische Herkunft vorgeworfen (1s’outS8 rer. .4uSt1·. 1l- 2- p. 190; 88. rer. 1.u88t. lll- 135). Sein Vater Konrad, der zufammt einem Bruder Johann 1451 unter den Mannen de?- Erzherzog8 Albrecht von Oesterreich erwähnt wird, während er von dem bekannten Bafeler Kaplan HanZ Knebel als 8.rmjger ()0n– 8tm1Oje118iS bezeichnet wird, lebte noch 1477. Er selbst hatte zwei Brüder, Marquard und Konrad, auch mehrere Vettern, alle in den Landen des Erzherzog8 Albrecht begütert. Ob auch der Bamberger Domdechant Hertnid v. St. (in der Bolog- neser Matrikel 1451 Herthnid vom Stain) zu der Verwandtschaft gehört, bleibe dahingestellt. Einfluß auf die Gestaltung seines ersten Leben8abschnitte8 hatte fein Oheim, Wilhelm v. St., Doctor der Rechte und Rath des Herzogs Albrecht. Auf sein Betreiben wendet sich der junge Mann dem geistlichen Stande zu, auf seine Empfehlung erhält er ein Kanonikat in Aug8burg, und in seiner Begleitung macht er den Romzug Friedrich’S lll. 1451––1452 mit. Damals wird er auf Empfehlung dez Herzogs Albrecht von Nikolaus V. zum päpstlichen Protonotar ernannt. Da auch Knebel mit ihm in Rom zufammengetroffen sein will, und dessen römischer Aufenthalt 1458 fällt, dürfte St. wiederholt in der ewigen Stadt gewesen sein. An einen wirklichen Dienst in der päpstlichen Curie ist bei ihm nicht zu denken, da er nach den übereinftimmenden Zeugnissen einer ganzen Reihe von Personen, die ihn in den verschiedenen Abschnitten seines Lebens kennen gelernt halsen, dem geistlichen Stande nicht lange treu geblieben ist. Nach Knebel hat er eZ über das Subdiakonat nicht hinaus gebracht, also die Priesterweihe nie erlangt; seinem heißen Dtange nach den Gütern dieser Erde schien die ritterliche Laufbahn besseren Vorschub zu leisten. Als Kanzler dez Erzherzog8 Albrecht beginnt Georg etwa seit 1458 eine politische Rolle zu spielen, nachdem er schon vorher im Dienste des Kaisers Friedrich, Albrecht’S Bruder, al8 Befehl2haber zu JpZ erwähnt wird. Jn den Streitigkeiten Albrecht’s [609] mit seinem Bruder und dann nach Albrecht’Z Tode in den Auseinandersetzungen zwischen dem. Kaiser und seinem Vetter, Sigmund von Tirol, erscheint er alZ sp ein sehr geschäftiger, stets auf seinen eigenen Vortheil bedachter, hinterhaltiger undapränkevoller Mann, ähnlich den Baumkirchner, Grafenecker, Puchheimer, die gleich ihm aus Gläubigern ihres Fürsten dessen Gegner und schonungSlose FriedenSbrecher wurden. Für Darlehen und Verbürgungen, die er dem Erz- herzog Albrecht geleistet hatte, hatte er zuerst Schloß Laufenburg inne; dann erhielt er am 16. März 1463 Burg und Stadt Steier, am Einfluß der Steier in die Enns in Oberösterreich, zum Pfand in Höhe von 14 000 Ducaten; er f nennt sich in der nächsten Zeit gewöhnlich »Herr und Regierer det Herrlichkeit Steier«. Alten Zusagen gemäß und um sich selbst leichter im Besitze von Steier zu behaupten, suchte er nach Albrecht’Z Tode die oberösterreichischen Lande zum Anschluß an Sigmund von Tirol zu bewegen; als das nicht glückte, vertrug er fich mit dem Kaiser im April 1464 dahin, daß er von seinem Gelde 6000 Ducaten nachließ und gegen Erstattung der übrigen Summe Steier herauszugeben ver- sprach. Ein Jahr lang sollte er die Einkünfte der Pfandschaft noch genießen. Er suchte aber die Herausgabe derselben immer wieder hinzuziehen und bald den Kaiser gegen Herzog Sigmund, bald diesen gegen den Kaiser au8zuspielen. A18 Letzterer die Stadt Steier durch Truppen unter Herzog Albrecht von Sachsen nach Neujahr 1467 hatte besetzen lassen, sammelte St. Söldner in Böhmen und warf am 29. Januar 1467 die Kaiserlichen nach blutigen Kämpfen wieder heraus, vereinigte sich mit den Seinen in der Burg und befehdete daß Land weit ringsum. Er brach jetzt offen mit dem Kaiser und trat in den Gehorsam und Dienst des Königs Georg Podiebrad, der eben deS Kaisers Feind geworden war und nun alle ungehorsamen Vasallen desselben in seinen Schutz nahm. Er suchte durch St. sogar in Wien Verbindungen zu gewinnen. Den Verkehr vermittelte theil- wei8 Gregor Heimburg (Archiv f. Kunde österr. Gesch.-Qu. X11, 336––338). Wohl um dieser Verbindung willen mit dem gebannten Böhmenkönig ward auch St. vom päpstlichen Legaten Lorenzo Rovarella, Bischof von Ferrara, in den Bann gethan. Gegen Ende des Jahres 1467 verlor er auch während einer kurzen Abwesenheit die Stadt Steier und später, weil die böhmische Hülse unter Prinz Victorin nicht über die Donau zu setzen vermochte, Ende Januar 1468 die Burg; seine Versuche, sie von Böhmen auS wieder zu erobern, von denen 1469 und 1470 die Rede ist, mißglückten. Er mußte diesen Besitz endgültig fahren lassen; durch Urkunde vom 30. November 1470 zu Mähtisch-Trübau trat er alle seine Rechte an Ulrich von Voökowitz zu Cimburg ab. Kaiser Friedrich war noch 1474 derartig erbittert gegen ihn, daß er Markgraf Albrecht und anderen ReichSfürsten ihn gefangen zu nehmen auftrug (20. Sept.). Am Hofe des BöhmenkönigS fand Stein’S Neigung zum Plänemachen und Ränke- spinnen volle Befriedigung. Jm Kampfe gegen die auS seinen aufständischen Baronen und den deutschen Nebenländern gebildete katholische Liga und gegen die Helfer derselben, den Kaiser Friedrich und den König Matthias von Ungarn, sah sich der ketzerische König Georg zu manchem ungewöhnlichen Schritt gedrängt. So suchte er den Vurgunderherzog Karl durch Erhebung auf den Thron als Römischer König 1469 und 1470 auf seine Seite zu ziehen. Für solche Ver- handlungen fand er in St. ganz den richtigen Mann; nach dem Wenigen, was bi8her darüber bekannt geworden ist, besuchte St. sowol den burgundischen Hof wie die deutschen Fürsten in der Sache, freilich ohne Erfolg. Aber die Ver- bindungen, die er dabei anzuknüpfen verstand, bahnten ihm nach dem Tode Georg’Z von Podiebrad (–f 22. März 1471) den Weg in das Lager seines Gegners Matthias von Ungarn. Dieser war zwar schon im Mai 1469 von [610] der katholischen Liga zum böhmischen König ausgerufen worden, hatte aber – Podiebrad nicht besiegen können und sah sich nach dessen Tode zur Fortsetzung dez KampfeS gegen den von der hussitischen Partei auf den Thron gehobenen WladiSlaw von Polen genöthigt. Ju dieser Lage suchte er Albrecht von Branden- burg und Wilhelm von Sachsen durch St. auf seine Seite zu ziehen. Am 24. December 1471 alZ Unterhändler bei Markgraf Albrecht beglaubigt, zog St. bis in den Hochsommer 1472 unermüdlich zwischen Brandenburg, Sachsen und Ungarn hin und– her. Obwol von Markgraf Albrecht mit Mißtrauen em- - pfangen und fast wie ein Schwindler angesehen, weil er die weitgehenden ge- heimen Anerbietungen, die er machte, nicht mit ausdrücklicher Vollmacht be- glaubigen konnte, brachte er doch am 15. Juli 1472 einen freilich farblosen Bündnißvertrag zwischen seinem König und den beiden deutschen Fürsten zu Zerbst zu Stande. Wenn er damalS zum Markgrafen äußerte, er wolle heim nach Schwaben reiten, so hatte er vielleicht schon einen weiteren Auftrag für Burgund; wenigstens 1473, 1474 Hund 1475 ist er zwischen Matthias und Karl dem Kühneu in Dingen thätig, die nicht recht klar sind, in denen aber von einem ungarisch-burgundisch-englischen Bündniß und von einer Verlobung Maria’S von Burgund mit Friedrich von Arragon, dem Schwager des Matthiaz–5, die Rede ist. Auch wird er 1475 von Matthias zu Sigmund von Tirol und 1476 zu den Schweizetn geschickt, immer für den Burgunderherzog Karl den Kühnen vermittelnd. Während deS Neußer KriegeS ließ deck-halb Markgraf Albrecht al-z Reich8feldherr auf ihn fahnden. Sein Mißtrauen blieb immer gegen ihn rege; er nennt ihn später, allerdings zu einer Zeit, wo er mit seinem Herrn, König Matthia8, im Streite lag, geradezu einen Bösewicht, und warnt seinen Sohn, ihm in keiner Weise zu trauen, er gehe immer mit Lügen um. (Denn er ist ein Bösewicht. Man fahre ihn auf welchen Markt man will, so gilt er nicht mehr, 1483.) Uebrigen8 treffen wir ihn 1473 und später wieder- holt auch alS Unterhändler deS KönigZ bei den jungen sächsischen Herzögen Ernst und Albrecht; wenn er auch hier nicht gut angeschrieben ift, so tritt doch eigent- lich kein anderer Grund hervor, als daß er im Jnteresse seines ungarischen Herrn sich nicht bereit finden ließ, den Plänen der Wettiner, namentlich auf Et- werbungen in Schlesien, nach Wunsch entgegen zu kommen. Er galt in der säch- sischen Kanzlei alt-z nicht gut meißnisch gesinnt. Eine länger dauernde Stellung von Bedeutung hat er sich in Schlesien zu begründen gewußt, das dem von der katholischen Liga zum böhmischen Gegenkönig gewählten Matthias CorvinuS seit 1469 als Herrscher gehorchte. Jn besonderer Sendung am Ende 1473 und dann in der Begleitung des KönigS 1474 lernte er die schlesischen Verhältnisse näher kennen. Ju der Folge ward er hierselbst neben Johann Filipec, Bischof - von Großwardein, einem Mähren von Geburt und ehemaligen Bernhardinermönch in Breslau, der einflußreichfte Mann und der rücksicht8loseste Vertreter der Jnter- essen seine8 Herrn. Durch ihn ließ dieser 1475 in der schlesischen Hauptstadt BreSlau da8 uralte Rathzwahlrecht ändern. Peter Eschenloer, der bekannte Chtonist dieser Zeit, vergilt ihm daß mit reichlichem Hasse. »Diese zwei«, sagt er von ihm und Bischof Johann, »über alle Fürsten und Bannerherren hatten Macht zu thun und zu lassen. Die großmächtigen Herren aus Böhmen, der v. Sternberg, die v. Hasenburg und alle anderen und alle Fürsten in Schlesien ließ Matthias auswendig seinem Rothe. Wiewol ihm ehrlicher und nützlicher und diesem Reiche zu Böhmen besser wäre gewesen, er hätte solche geborene erb- liche Herren seines Reiches vorgezogen, vor Augen gehabt und ihrem Rathe ge- folgt. So ein solches geschehen wäre, Matthias hätte längst die Krone auf seinem Haupte gehabt, die Kriege hätten längst ihr Ende genommen. Aber diese zwei Räthe, die mochten nicht yrathen zum Frieden, darinnen Matthias ihrer [611] Nichts hätte geachtet, und ihr Beutel wäre nicht gefüllt worden. Sie hätten Ilieber das ganze Königreich in ihren Beutel genommen, denn zum Frieden ge- rathen.« Jm J. 1478 erhält St. die wichtige und machtvolle Stellung eines Königlichen Anwalts in Niederschlesien, Vogt8 der Ober- und Niederlausitz, wu: auch HauptmannH der Fürftenthümer Schweidnitz und Jauer. König Matthias brauchte gerade Diener, die ohne Rücksicht auf die herkömmlichen Freiheiten der einzelnen Provinzen seines Reiches und deren nächste Bedürfnisse und ohne Scheu vor Unpopularität ihm vor allen Dingen Geld verschafften. Dazu waren Fremde geeigneter als die Einheimischen. Der König stützte feine Macht nicht auf die unlenksamen Aufgebote der Landschaften, mit Geld waren jeder Zeit Söldner zu werben, die in der Hand eines festen Herrn ein besseres Jnftrument der Herr- schaft waren, indem sie sich auch gegen den Willen und den Vortheil der einzelnen Landschaften und ihrer Stände gebrauchen ließen. Aber der Haß, den St. in Schlesien und Lausitz auf sich lud, galt nicht allein der von ihm vertretenen RegierungZpolitik, sondern auch seinem persönlichen, durch und durch eigennützigen Gebahren. Die Art, wie er sich mit Verletzung der ihm wohlbekannten-Anwart- schaft der Herren von Jlenburg 1478 den Besitz der durch das Aussterben der alten Herren an den König gefallenen Herrschaft Zossen in der Niederlausitz von Matthias verschaffte, war ebensowenig fein, wie das Verfahren, durch welches er später in Schlesien die Herrschaft Steinau und Raudten an sich brachte. Jnzwischen hatte er auch 1482 auf eine noch nicht näher ermittelte Weise die 4 Herrschaft Hoyer8werda erlangt. Auch auf oder an dem Zobtenberge suchte er sich durch Einlösung von Pfandrechten festzusetzen. Die Art ferner, wie er im Fürstenthum VreSlau eine höchst rigorose Revision der Rechts-titel auf Erb- und Lehngüter leitete, und wie er sich– zur Niederdrückung der mächtigen Hauptstadt mit Heinz Dompnig, einem Charakter ähnlichen SchlageS au8 dem BreZlauer Patriciat selbst verband, erregte ihm einen giftigen Haß in den vornehmen Kreisen der Stadt und der Landschaft. Jm ganzen Lande war sein Name ge- fürchtet al8 der eineS rücksichtSlosen VertreterS seines gewalttk)ätigen Herrn, und die Stimmung erbitterte sich immer mehr gegen ihn, je deutlicher daß Bestreben zu Tage trat, ein schlesische8 Fürstenthum nach dem andern einzuziehen, um für den königlichen Bastard Johanne8 Corvinu8, der 1487 mit einer mailändischen Prinzessin vermählt wurde, einen fürstlichen Besitz zusammenzubringen. Solche Pläne zu betreiben und durchzuführen, war St. ganz der Mann; daß gab gute Gelegenheit, auch für sich etwa6 zu erschnappen. Schon war der größere Theil von Oberschlesien in des Königs Händen, und in Niederschlesien gewährte der Mangel an Lehn8erben der Herzöge Han8 von Sagan und Konrad von OelZ die Hoffnung eines stattliche-n AnfallZ. Allerdings erhob sich im J. 1488 der wilde Herzog Hans- mit dem ganzen Ungestüm seiner Natur dagegen, aber der Aufstand ward nach entsetzlichen Greueln niedergeschlagen und der Herzog ver- jagt; die rückkehreuden Truppen fügten dann der Eroberung des Glogauer Fürsten- thumS auch die von Oel6 hinzu. Dem Lande Schlesien wurde diese Politik dadurch noch schmerzlicher, daß etz auch die Kosten der Kriege bezahlen mußte, eine Lande?-steuer nach der andern ward ausgeschrieben und von St. mit emsiger Geschäftigkeit beigetrieben. Auch der Geiftlichkeit wurde die Hälfte aller ihrer Einnahmen aus wiederkäuflichen Zinsen im J. 1489 abgefordert, mit der Motivirung, die St. sogar durch Joh. Langer von Bolkenhain litterarisch recht- fertigen ließ, daß Zinönehmen kanonisch verboten sei. Ju allen diesen Dingen bediente sich St. deck- oben erwähnten Heinz Dompnig, den der König auf sein Betreiben zum Hauptmann von Breslau ernannt hatte, als stetS willfährigen Factotume3 und sah ihm dafür durch die Finger, schützte ihn auch öffentlich, wenn derselbe sich ebenso schamloZ zu bereichern suchte als sein Herr und Meister. [612] Die gleiche Unzufriedenheit wie in Schlesien erregte Stein’Z Regiment in der Oberlausitz, wo er zu Bautzen die Ortelä-burg unter lautem Protest der Stadt und des zugehörigen AdelS als eine Art Zwinguri ausbauen ließ und die Klagen der Stände über Verletzung ihrer Rechte mit höhnischem Uebermuth beantwortete. Das Alles zusammen läßt die Katastrophe verstehen, die über ihn hereinbrach, alZ König Matthias nach kurzem Krankenlager plötzlich am 5. April 1490 in Wien die Augen schloß. St. befand sich gerade auf der Ortel8burg in Bautzen, MPOal8 die Nachricht vom Tode de?- Königs eintraf. Sofort verlangten Stadt und- Mannschaft die Heraus-gabe der Burg und beftrickten seine außerhalb derselben. liegenden Knechte. Die scharfen Worte, die eine auf die Burg gelassene Depu- tation ihm inS Gesicht warf, riethen ihm, sich bei Zeiten au8 dem Staube zu. machen; durch die Vermittlung der Görlitzer in ihre Stadt geleitet, fand er auch dort bald die ihm sonst freundlichere Stimmung umgeschlagen, und auZ Bre8lau, erfuhr er, daß man seine Correspondenz auf der dortigen Burg beschlagnahmt und seinen Spießgesellen Dompnig gefangen gesetzt und des Hochverrath8 ange- klagt hatte. Der eben noch so mächtige Mann war, wie der Verfasser der Görlitzer MPORath8annalen berichtet, in ganz Schlesien und Lausitz seines Leben3 nicht mehr sicher. Er entwich auf seine Herrschaft Zossen und begab sich von da an den kurfürftlichen Hof nach Berlin. Auch feinen Besitz konnte er nicht behaupten. Zossen verkaufte er noch im selben Sommer an den Kurfürsten Johann; wie er HoyerSwerda verlor, ist nicht näher bekannt; sein Recht auf Steinau und Raudten vertheidigte er gegen die von MatthiaZ’ Nachfolger WladiSlaw anerkannten Ansprüche der Herzogin Katharina von Troppau noch längere Zeit, jedenfalls ohne im thatsächlichen Besitze der Herrschaft zu sein, und verkauft e–S erst 1495 an den böhmischen Ritter Benesch v. Weitmil. Jm übrigen war er nicht der Mann, sich vom Unglück ohne Widerstand beugen zu lassen. Jm August 1490, al3 das Haupt seines Genossen Dompnig bereits ge- fallen war, suchte er wieder mit Breslau anzuknüpfen; auffallend ist in diesem Schreiben seine Heftigkeit gegen den BreZlauer Bischof JohanneS Roth, ,,den wüthenden Teufel". Aber nirgendkz wollte man von seiner ,,Büberei« weniger wissen alS in Bre8lau. Ebensowenig Erfolg hatte er bei Matthia8’ Nachfolger Wladiß-law, de?-gleichen bei Maximilian von Oesterreich, der mit diesem um die ungarische Krone stritt. Die letzten Jahre seines Lebens sind wenig bekannt, e3 scheint ihm nirgendS mehr geglückt zu sein. Er hielt sich wol hauptsächlich in der Mark auf, da ihm die VerkaufSsumme für Zossen in Form einer Leibrente gezahlt wurde, und starb zu Berlin am Z. December 1497 im Grauen Kloster. ––– Nach Andeutungen in einem Briefe Dompnig’Z an ihn vom 18. August 1488 besaß St. eine Tochter, die an Jan Bielik v. Kornitz, den damaligen Landes- hauptmann von Oberschlesien, vermählt war oder vermählt werden sollte. Nach Preuenhuber war 1464 Christoph von Meßberg, ein österreichischer Herr, sein Schwager, ob als Bruder seiner Frau oder Mann seiner Schwester, bleibt un- bekannt; Lehn8erben hatte er außer seinen Brüdern Konrad und Marquard, wie sich auZ den Urkunden über Zossen und Steinau-Raudten ergibt, nicht. Mar- quard stand im Dienste des Grafen Heinrich von Württemberg und saß als Vogt auf der Burg zu Mömpelgardt. Georg’i3 Abfall vom geistlichen Stande wird ihm von seinen Feinden öfter vorgeworfen; 8po8t8ta z 8t8.tu O1erjou1j et perSe(zutor eju8äem nennt ihn der Abt Benedict JohnSdorf, »vor Zeiten war er ein geistlich Mann, ein Cvangelier gewest«, sagt Cschenloer; bei dem Bautzener Chronisten Mühlworf ist er ,,der Creutzherrn Ordens und ein geistlicher Dia- conu3«. Von der geistlichen Erziehung her hatte er nicht nur mehr Kenntnisse als sonst die Männer seines Stande8, sondern auch einen lebhaften Sinn für Bildung; nicht nur der schon genannte Langer, sondern auch Trithemiu8, CeltiS, [613] Bebel rühmen ihn deshalb; sein humanistisch gebildeter Neffe Eitelwolf v. St. widmete ihm seine Schrift LOS 1m1(1ibu8 l1er0um St yirorum j11u8«crjum. Nach dem Allen erscheint er als eine der bedeutenderen Figuren dez ausgehenden deutschen «MittelalterZ, voll Thatkraft, Weltgewandtheit, GeschäftSklugheit und Geist; uneigennützige Hingabe an ihren Dienst darf man bei den Staats-männern dieser Zeit freilich nicht suchen, sie dienten eben weder einem Staate noch einer .Jdee, sondern ähnlich den Land?-knechten demjenigen, bei dem sie sich am besten vorwärts zu bringen hossten; aber selbst unter seine-z Gleichen ragt er wie durch seine Erfolge, so auch durch feine Habsucht hervor. Sie riß ihn4wiederholt in jähem Wechsel aus stattlichem Besitz heraus und machte fein Lebensende elend -und einsam. Die Quellen über Stein’S Leben und Thätigkeit sind sehr zerstreut; vgl. besonders- dc-ö Verf. Aufsatz über Heinz Dompnig in der Zeitschrift für Ge- schichte SchlesienZ 20, wo schon Manches angeführt ist; ferner 1llonumenw. k1zb8burgj(zz l; Archiv für österr. Geschicht?-quellen 71l, F11; 1s’o11tS8 rer. -.4u8rr. 42, 44, 46 und die im Erscheinen begriffenen neuen Bände der Polit. Correspondenz Bre8lauS (88. rer. 8i1O8. 13, 14), sowie die Darstellungen der zeitgenössischen Geschichte OefterreichS, Böhmen8, Ungarns- u. der Schweiz (Segesser, Basler Chroniken u. s. w.).

Markgraf.
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