ADB:Tarnow, Johann
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Tarnow: Johann T., lutherischer Theologe, † 1629. „In Johann Tarnow gibt sich uns ein Exeget zu erkennen, wie damals die lutherische Kirche keinen zweiten zur Seite zu stellen hatte“. Mit diesen Worten leitet A. Tholuck in seiner Vorgeschichte des Rationalismus, I. Theil, 2. Abth. (1854) S. 102 die Charakteristik dieses edlen mecklenburgischen Theologen ein. „1se1iJe i11S 8m:!-drum 1jt9rsrum j11t9rpres„ nennt ihn ein reformirter Theologe, Sixtus Amama (in einer 0rs,tj0 (1O barbmie etc. 1620), „aca(1Smis O„jusc1em 8o1 o1–isns er oc011us„ Ou„jus yirj prOtjum 8.08.äemiz RostoolliOnsjs ee e0o1esjs. 0w.11gsii0z ig1torms9 7i- (1S11tur“ (bei Tholuck a. a. O. S. 103). T. war am 19. April 1586 zu Grevismühlen im Mecklenburgischen geboren, studirte zu Rostock, Straßburg, Basel, Gießen und auf anderen Akademien und wurde 1614 Doctor und Professor der Theologie zu Rostock. Im 43. Jahre seines Alters, am 22. Januar 1629, starb er vor Kummer, da er sich als Exeget durch seine Commentare viel Feindschaft zugezogen hatte. In seinen „131zroits,tjones bjb1iOae“ (1619) hatte er nämlich Auslegungen früherer lutherischer Lehrer, selbst solche eines Luther, Chemnitz oder Hunnius, die er für irrthümlich hielt, verworfen. Er drang auf das Studium der Grundsprachen der heiligen Schrift, was bei den damaligen Orthodoxen wenig Anklang fand, welche sich je länger, je mehr daran gew ö4hnten, die Bibel nach den Bekenntnißschriften ausulegen. Wie „ein Schutzwort für mä historisch-praktische Schriftauslegung“ gegen die dogmatistische klingt sein Auß- spruch in einem seiner Briefe (13Ipp. mj IZlsjsnerum 1l- 337) vom Jahre 1619: „Ich plane einen Commentar zu den kleinen Propheten, und während ich damit beschäftigt bin, erkläre ich andere biblische Sprüche, ut jts„ 8j ö9rj posjt- mi bjb1ix-t 1)Sj(1ue y6rbun1„ eJctr3. quus prob (1O1o1–! 11O(1je p1erj(1us tllS01ogias (1mit opers„m„ 8tmiios.m Juysututsm re(1u(:emi„ qu:1z mme ms t.1jmzm p:-u–tsm 8tuc1i0 peryOrso„ 8.11te(1uzm 8(:is tt t11esin St bjb1is 1egsrjt- teu1tum in oot1troyersjis St 11omj1jjsb j11is b0no sine e(1itis tom 08r“. Seine, der starren Tradition abgewandte, praktische Richtung führte ihn auch zu Principien bürgerlicher Duldung; so wurde 1619 unter seinem Vorsitz in einer von ihm gebilligten theologischpolitischen Rede (des Studiosus Daniel Rhuel) Duldung vom christlichen Staate für mehrere Religionen verlangt. Von seiner praktischen Gewissenhaftigkeit legt endlich eine Nachschrift zu einem Briefe an Meisner 1616 ein schönes Zeugniß ab, indem er seine Verwunderung äußert, daß, wie er auf seinen Reisen wahrgenommen, die Theologen in Oberdeutschland mit ihrem Gewissen vereinbar finden, sich dem Besuche der Pestkranken zu entziehen (Tholuck a. a. O. S. 104). „ Schriften Tarnow’s sind: „k1Jesioitztj011es bib1jes.S- in quibus 7erus et; gemij11us 10o0rum Soriptur8.S (1ikt1Oj1jum . . . j11quiritur et0.“ (Rost. 1619, letzte und vollständigste von ihm bearbeitete Aufl. 1627); „1)Sc:1Arztj0 Oorum, (1uso z(1 (1jotj 1J8aise oz1p. Icl.7- y. 8 8ensum . . . A118.ts Sum; t-t(:.“ (Rost. 1621); „ll1 äeoem prjmos psimos 1)6määis o0mm9ntarius (Rost. 1621); „111 kl’b1´snos .1Sremiae Oommsntsrius (Rost. 1627, 1707 Cum prASt’atio11O 1seO11tij). [Dieser Editor sagt von dem Verfasser: „l’rimus ’1’m“110vjus kujt„ q11i7Stsris ’1’sts.menti 1jbros non er 7ersi011u1n 1–j7u1is ant 80mm int0rp1–OtH8.ti0nibus„ qui k011t98 jxD8i 11S(1uO Oonsu1ere 11e(1ue 7im 7erbo1–mi1 pbrA8jumque penetrsi–e potuerunt„ lingus„– rum qujppe Ac1miniOu1i-8 c1estjtutj„ Se(1 6J: ips0 intjmo 1ingus.e 8SniO er m–gumont–is [398] e: 0urs.tjsima totius oOute1ctus oo118i(1ers.tions ortjs 01p08uit“ „1u ps 1mos pos11ito11tis.1es 71lo0mi11enmrjus brs7js (Rost. 1628); „ll1 ps.1mos ps.88iousiS8 comments.rins. L(1„jsct:-t Ost o1p1j08tj0 o:-tp. I. III .Is8ujmz“ (Rost. 1628). Die einzeln erschienenen Commentare über die kleinen Propheten sind dann zusammen-s gedruckt (vgl. Rostocker Etwas von gelehrten Sachen 7, 637 f., 655 f.). Nach v. Seeleu’s Zeuguiß in -ts.-t;11en. 1.ubOO. 1l- 361 soll davon eine Ausgabe (Rost. 1682) erschienen sein. Bekannter ist .1o11. `1’s.r11oyjj . . . ju prop11ets,8 111iuo1–98 c0mmentm–ius– Sto. cum prw9k. Jo. Besi1e(1. 08rp2oyji (Leipz. 1706); vorhergegangen ist eine solche Ausgabe von –1688. Dazu kommt die unter seinem Präsidium gehaltene; oben erwähnte Rede „0rAtjO t11So1ogo–po1jtjOs (1S c1uaestjo11S non ig110bi1j er hoc: mmi(1i tompors mz1ims uoc:esm–js.: em in rspub1j08, Ollrisriznz z msgist1–atn po1jtjOo. 88.178. o01180ientjs.. p1ures qusm uu:-t to1erm–j que:-1.11t religjones g11zm :-1.kerr113.rjye„ oO118eut0 St upprobs,nts yjr0 min10(1um rOy. Job. ’1’sr11o7i0 . . . reOjtzbst 1)mi. R11ue1„ 1Wlur11bOrgs„. 1slso111urO11. S. 8. `1’11. 8tu(1i08.“ (Rostock 1619).
Zu vgl. Etwas von gelehrten Rostockschen Sachen (1737 ff.) V, 664 ff. – Zedler’s Universallexikon Bd. 41 (1744) Sp. 1852 ss., wo noch Witte, 1lle– morjs t11SOlogorum citirt ist. Bei Zedler sind auch die Titel der kleineren Arbeiten, Abhandlungen und Disputationen Tarnow’s angegeben. – Krey (Joh. Bernh.), Die Rostockschen Theologen seit 1523 (Rost. 1817), S. 25 ff. – A. Tholuck, Der Geist der luth. Theologen Wittenbergs (1852), S. 153 ff. – Derselbe, Vorgeschichte des Rationalismus. I. Theil. Das akademische Leben, 2. Abtheilung (1854), S. 102 ff. – Gust. Frank, Gesch. der protest. Theologie. I. Theil (1862), S. 332 f.