ADB:Walther, Michael (Professor der Theologie in Helmstedt)
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Walther: Michael W. ward am 6. April 1593 zu Nürnberg geboren, studirte zu Wittenberg anfänglich Medicin, dann Theologie, welches Studium er in Gießen und Jena, wo er als Adjunct an der philosophischen Facultät angestellt wurde, fortsetzte. Danach ward er Hofprediger der Herzogin Elisabeth von Braunschweig und Professor zu Helmstedt, 1626 Generalsuperintendent in Ostfriesland, 1642 desgleichen zu Celle, wo er am 9. Februar 1662 starb. (Jöcher, Bd. 4, Sp. 1804.)
W. gehörte zu jenen älteren protestantischen Bibelforschern, die im Geiste des lutherischen Orthodoxismutz, aber mit gründlicher Gelehrsamkeit die kritischen Fragen behandelten. Seine „0kkj(zinA bjb1jes.“ 1636 ( wieder aufgelegt 1668, 3. Aufl. 1703), s. den vollst. Titel bei Meyer, Gesch. der Schrifterklätung, Bd. 3, S. 392, umfaßte die Stoffe, welche jetzt gewöhnlich in den sogen. biblischen Einleitungen behandelt werden und erstreckte sich über das A. und N. T. Im ersten Abschnitt handelt der Brf. Von den kanonischen Büchern. die er als die erweislich den Propheten und Aposteln iuspirirten definirt. Doch unterscheidet er beim N. T. kanonische Bücher erster Ordnung, an deren apostolischer Verfasserschaft niemals ein Zweifel entstanden sei, von solchen zweiter Ordnung, bei denen wie beim Hebräerbriefe, den Briefen des Jacobus und Judas, der Apokalypse derartige Zweifel ausgesprochen seien. Aber auch bei diesen habe nur über den 8u0tor 8ec:un(1arjus oder 111j11jsterjsijs eine Unsicherheit geherrscht; daß diese Bücher ebenfalls von Gott als dem au0t0r prjmstrjus herrühren, stehe absolut fest. Der 2. Abschnitt des Werks spricht von den Apoktyphen. In beiden Abschnitten wird bei jedem einzelnen Buche auf das sorgfältigste der gesammte damals erreichbare Apparat von Materialien betreffs der kritischen und exegetischen Fragen zusammengetragen. Ueber die Art wie er dabei verfuhr vgl. Meyer a. a. O., Bd. 3, S. 398–404. Ueberall wird die synagogalkirchliche Tradition über die einzelnen Bücher festgehalten (vgl. Ed. Koenig, Einl. in daß A. T. 1893, S. 5 f.). – Der 3. Abschnitt (1S 1jbrjs (1S1Jer(1jtjs von den nach Einiger Meinung verloren gegangenen heiligen Büchern und der 4. (1e 1jbrjspu1–jjs von einzelnen untergeschobenen Büchern enthalten nur einige wenige Mittheilungen zu diesen Fragen. – In demselben Geiste war seine „l–1zrm011iz bib1j(:z 7. Aufl. 1654, 9. Auf!. 1696 (s. den vollst. Titel b. Meyer a. a. O., Bd. 3, S. 426) verfaßt. Stin Ziel war A. und N. T. als in vollkommenster Harmonie befindlich erscheinen zu lassen, jeden Widerspruch zwischen denselben als einen nur scheinbaren zu erweisen und auszugleichen. Daß konnte trotz aller subjectiven Ehrlichkeit des Verfassers unmöglich ohne große Gewaltsamkeiten abgehen. So wurde z. B. die Differenz zwischen 2. Kön. 8, 26 und 2. Chr. 22, 2 (Ahasja beim Regierungsantritt 22 bzw. 42 Jahre alt) damit beseitigt, daß das eine Mal der Zahlwerth in Buchstaben, das andere Mal in Ziffern dagestanden habe. Bei Abweichungen der Septuaginta mußte stets der massoretische Text Recht behalten (vgl. Diestel, Gesch. des A. T’s. 1869,
[120] S. 478f.). Auf S. 477 führt Diestel eine posci11z mz-8ties von W. an, ob dies nicht ein Schreibfehler für pOstj1ls„ mosuioz is Denn nach Jöcher a. a. O. s hat W. auch eine p. prOpb9ti03-„ einie p. 11iero–psu1tioz und eine p. O78.11ge1istico. K geschrieben. Von Walther’s übrigen Schriften verdient noch Erwähnung sein „8pioi1egjum (:011tro7ersjs.rum j11ustrjum äS 110mit1e (1iyino“„ eine Sammlung von Ansichten über den Jahvenamen und seine tbreuo1ogia. (s. den vollst. Titel b. Meyer a. a. O-, Bd. 3, S. 125) zu Ehren des namhaften biblischen Philologen Glassiu2. – Zahlreiche Titel findet man noch bei Jöcher a. a. O.