An den Mond
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
[153]
An den Mond.
Füllest wieder Busch und Thal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;
5
Breitest über mein GefildLindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Ueber mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
10
Froh und trüber Zeit,Wandle zwischen Freud’ und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd’ ich froh;
15
So verrauschte Scherz und KußUnd die Treue so.
[154]
Ich besaß es doch einmal,Was so köstlich ist!
20
Daß man doch zu seiner QualNimmer es vergißt!
Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
25
Melodien zu!
Wenn du in der Winternacht
Wüthend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.
30
Selig, wer sich vor der WeltOhne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt
35
Oder nicht bedacht,Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.
