An die Sonne
| [16]
An die Sonne.
Preis dir, die du dorten heraufstrahlst, Tochter des Himmels! 5
Stand begraben die prächtige Schöpfung: todt war die Schönheit Lang dem lechzenden Blik: 10
Schimmert diese herfür,Ueber die Berg’ und verkündete deine süsse Hervorkunft. [17]
15
Herrliche du, und verschwunden waren die neblichte Riesen! Ach! wie Liebende nun 20
Süsser athmet die Luft;Alle Fluren baden in deines Angesichts Abglanz 25
Alle Wesen taumeln wie am Busen der Wonne: Seelig die ganze Natur! 30
Und anbete dein Werk! –[18]
Aber nun schwebet sie fort im Zug der Purpurgewölke 35
Alle Thronen, Moder die himmelaufschimmernden Städte; Ach! die Erde ist selbst 40
O besuche noch langHerrlichstes Fürbild der Edeln! mit mildem freundlichem Blicke W.
|
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Die Autorschaft des Textes ist nicht zu hundert Prozent geklärt. Eduard Bülow ordnet die Chiffre W. einem nicht genannten Freund Schillers zu, mit der Begründung, die Texte unter diesem Kürzel haben weder Uebung in der Form, noch poetische Anschauung und sie stammen wahrscheinlich insgesammt von einem jungen erregbaren Freunde Schillers her, der sich von dem Schwunge des Dichters mit in die Höhe reißen ließ und nur oben nicht auf eignen Füßen stehen konnte, sondern platt hinfiel.
Auch Eduard Boas schließt Schiller aus, da die Texte dieser Chiffre zwar wortreich[e], aber gedankenarm[e] seien. Er vermutet eher Petersen als Verfasser dieser Oden.
Allerdings befindet sich laut Aug. Henneberger eine ältere Fassung des Gedichts im Nachlass von Christophine Reinwald, der Schwester von Friedrich Schiller. (Mitgeteilt in Aug. Henneberger: Dtsch. Museum 1859, S. 778 u. 945.) Dies veranlasste Edmund Goetze das Gedicht – sowie alle weiteren Texte, die das Kürzel W. tragen – Schiller zuzuordnen.
Genaueres in:- Edmund Goetze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen von Karl Goedeke. Zweite ganz neu bearbeitete Auflage. Fünfter Band - Vom siebenjährigen bis zum Weltkriege. Zweite Abteilung. Dresden: Verlag von L. Ehlermann, 1893, Seite 166f.
- Eduard Boas; Wendelin von Maltzahn (Hrsg.): Schiller’s Jugendjahre. – Zweiter Band. Hannover: Carl Rümpler, 1856. Seite 198 f.
- Friedrich Schiller; Eduard Bülow (Hrsg.): Anthologie auf das Jahr 1782 von Friedrich Schiller — Mit einer einleitenden Abhandlung über das Dämonische und einem Anhange neu herausgegeben von Eduard Bülow. Heidelberg: Verlag von Bangel & Schmitt; Hoffmeister’sche Univ.-Buchhandlung, 1850. Seite XXXIX.
