Arion
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Arion.
Romanze.
Arion war der Töne Meister, 5
Er schiffte Goldbeladen Jetzt von Tarents Gestaden. 10
Eh’ in die Fremd’ er ausgegangen,Bat der ihn, brüderlich gesinnt: 15
Arion sprach: ein wandernd LebenGefällt der freyen Dichterbrust. [279]
Die Kunst, die mir ein Gott gegeben, 20
Wie werd’ ich einst mich laben,Des weiten Ruhmes froh bewußt! — 25
Vergiß sie nun in meinem Arm. Wir wollen mit Geschenken 30
Auch nicht ein fernes Wölkchen graut.Er hat nicht allzuviel den Wogen, 35
Doch bald umringen sie ihn laut. „Du darfst, Arion, nicht mehr leben 40
So wollt ihr mich verderben? Ihr mögt mein Gold erwerben, 45
Wo blieben wir vor Periandern,Verriethst du, daß wir dich beraubt? 50
Gewährt mir denn noch Eine Bitte,Gilt, mich zu retten, kein Vertrag; [281]
Wann ich mein Lied gesungen, 55
Die Saiten ausgeklungen,Dann fahre hin des Lebens Tag. — 60
Das reizet ihren wilden Sinn. „Und wollt ihr ruhig lauschen, 65
In Gold und Purpur wunderbar.Bis auf die Sohlen wallt hernieder 70
Fliegt duftend das bekränzte Haar. Die Cither ruht in seiner Linken, 75
Es staunt der Schiffer Bande, Er schreitet vorn zum Rande, 80
Ob auch der Höllenhund ergrimme,Die Macht der Töne zähmt ihn gleich. 85
Doch könnt ihr mich des Grams entbinden?Ich lasse meinen Freund zurück. [283]
Da wie ein Traum zerronnen, 90
Was dir dein Lied gewonnen,Verfluchtest du der Sonne Blick. 95
Erblasset, wenn ich untergeh’! Den Gast, zu euch gebettet, 100
Die sichern Schiffer segeln fort.Delphine waren nachgezogen, 105
Und trägt ihn sorgsam hin zum Port, „Leb’ wohl, und könnt ich dich belohnen 110
Dich wird auf feuchten Spiegeln Noch Galatea zügeln, 115
Schon glänzen ihm Korinthus Zinnen,Er wandelt singend durch die Flur. 120
Er tritt hinein: „Vom WanderlebenNun ruh, ich, Freund, an deiner Brust. [285]
Zwar falsche Räuber haben 125
Die wohlerworbnen Gaben,Doch bin ich mir des Ruhms bewußt. 130
Ich hätt’ umsonst die Macht geborgt. Die Thäter zu entdecken 135
Bescheidet er sie zu sich her.„Habt vom Arion ihr vernommen? 140
Da, siehe! tritt Arion her.
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Bis auf die Sohlen wallt hernieder 145
Die Arme zieren Spangen, Um Hals und Stirn und Wangen 150
Sie müssen ihm zu Füßen sinken,Es trifft sie wie des Blitzes Schein. 155
Er lebet noch, der Töne Meister;Der Sänger steht in heil’ger Hut. 160
Des Geizes Knechte, fahrenNie labe Schönes euern Muth! A. W. SCHLEGEL.
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