Buch des Elias
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16. Buch des Elias
1. Kapitel: Des Elias Himmelsreise
1
Da legte er sich niederund schlief im Schatten eines Ginsterstrauches ein. 2
Ein Engel rührt ihn anund spricht zu ihm: 3
Michael, der große Engelsfürst in Israel,hat auf dem Karmelberg Elias, dem Propheten, 4
Mich hebt der Geist des Herrn emporund führt mich nach dem Südteile der Welt. 5
Dort sah ich einen hohen Ort im Feuer lodern;kein Wesen konnte daselbst eintreten. 6
Dann hob ein Geist mich wiederum emporund führt’ mich nach dem Ostteile der Welt. 7
Dort sah ich, wie die Steine stetig miteinander kämpften.8
Dann hob ein Geist mich wiederum emporund führt’ mich nach dem Westteile der Welt. 9
Dort sah ich, wie die Seelen das Gerichtmit großer Pein erlitten, 10
Und damals offenbarte Michael mir auch das Ende,das an der Tage Schluß erscheinen wird, 11
Es sagen einige, er heiße Trmila. –Es sagte Rabbi Simai, 12
Rabbi Eleazar sagte,er heiße Artaxerxes. 13
Richtig ist, was Rabbi Simon sagt,er heiße Hakesra. – [235]
2. Kapitel: Der Antichrist
1
Es zieht der letzte Perserkönig gegen das römische Reichdrei Jahre nacheinander, 2
Drei Helden ziehen ihm vom Meer entgegen;doch fallen sie in seine Hand. 3
Der niedrigste der Könige,der Sprößling einer Sklavin, Gigit, 4
Und dies sind seine Malzeichen,so, wie ihn Daniel sah: 5
Und lang sind seine Füßeund seine Unterschenkel dünn. 6
In jener Zeit reckt er die Hände gegen ein getreues Volk,erregt in jener Zeit drei Kriege. 3. Kapitel: Sammlung der Exulanten
1
Und alle die Zerstreuten sammeln sichund ziehen an einen Ort. 2
Sie nehmen Häuser, rauben Äcker,erschlagen auf der Straße Witfrauen und Waisen. 3
Doch, wenn sie Buße tun,erhalten sie Verzeihung. – 4
Es wird die Welt am 20. des Marcheswan erzittern;es bebt der Himmel und die Erde. 5
Es tritt am 20. Kislev ganz Israelmit Beten und mit Klagerufen 6
Es fährt an jenem Tag ein Schwert herabgerade auf die Heidenvölker, 4. Kapitel: Auszug aus Babel
1
Es zieht die erste Exulantenschar am 20. Nisanmit 18 000 Männern und mit Weibern fort aus Babel, 2
Am 25. des Tischri geht die zweite Exulantenschar heraus,die sich am Flusse Sabatjon befindet, [236]
3
Von ihnen finden zwanzig Mann und fünfzehn Frauen den Tod.4
Am 25. des ersten Monats zieht die dritte Exulantenschar heraus;sie weinen und beklagen ihre Brüder, die getötet wurden. 5
Sie stimmen 25 Tage in der Wüste ihre Klagen an,genießen nichts dabei. 6
Sie werden vielmehr nur durch das,was aus dem Mund des Herrn hervorgekommen, 7
Bevor die Exulantenschar aus Babel zieht,gelangt die zweite schon nach Babel; 8
Am 20. Nisan steigt aus dem Meer ein König auf,verheert die Welt, 9
Er zieht zum Berg der heiligen Zier,ihn zu verbrennen. 10
Verflucht sei bei den Weibern seine Mutter!11
Dies ist das Horn, das Daniel sah.12
An jenem Tage gibt’s für Israelbedrängnisvollen Krieg. – 5. Kapitel: Kriege
1
Demetrius, der Sohn des Poripus,und Anpholipus, der Sohn des Pampus, 2
Am 20. Elul kommt der Messias;es ist sein Name Winon. 3
An jenem Tag kommt Gabriel herabvon der dritten bis zur neunten Stunde 4
Am 20. Tebet führt den dritten KriegMks Kirtlos, 5
Und der Messias kommt am 20. Schebat;auch Würgeengel kommen 6
Es spricht in jener Zeit der Heilige zu Abraham:„Es sinken bis zur untersten der Stufen deine Nachkommen;“ [237]
7
Dann aber steigen über alle Völker sie empor;es heißt: 8
Dann kommen alle Völkerund werfen sich vor jedem Israeliten nieder 6. Kapitel: Der Messias
1
Und der Messias kommt am 20. Adar;bei ihm sind 30 000 Gerechte; 2
Wenn dies die Heiden sehen,dann schwinden sie sofort dahin samt ihren Rossen; 3
Es spricht in jener Zeit der Heilige zu den Heiden:Weh euch, ihr Gottlosen! 4
Es wird ein Malter Weizen dann neunhundert geben;desgleichen ist es bei dem Weine und dem Öl; 5
Und Israel wird essen und wird fröhlich seinan vierzig Jahre. 7. Kapitel: Der Heiden Niederlage vor Jerusalem
1
Hernach läßt Gott den Gog und Magogmit allen seinen Kriegerscharen anrücken 2
Da aber zieht der Heilige heranund streitet wider sie. 3
Auch der Messias kommt;zu seinem Beistand führt der Heilige Krieg mit ihnen; 4
An jenem Tage beben Berge, zittern Hügel;es stürzen Mauern ein und Türme. [238]
5
Und alle Himmelsvögel und der Erde Tiereversammelt dann der Heilige, 6
Und sieben Jahr heizt Israel mit ihren Waffen ein;es heißt ja in der Schrift: 7
Und ferner lautet es:„Das Haus von Israel hat dann an ihnen 8
Verwüstet werden diese Städte werden:Jericho, Beerot, Betchoron, Susin, Malka, 9
Die israelitischen Städte aber sind von Feuerund von den Feuerengeln wohl umhegt; 8. Kapitel: Der Jüngste Tag
1
Alsdann beginnt der Jüngste Tag,der an die vierzig Tage dauert. 2
Da wanken und erbeben Berge und Hügel;es klagt die Erde über Gottlose und spricht: 3
Elias sprach:Ich sehe, wie die Toten wiederum Gestalt bekommen; [239]
4
Des Dienstes Engel öffnen ihre Gräberund flößen ihre Seelen ihnen ein 5
Sie stoßen jeglichen, der durchs Gericht für schuldig ward erfunden,in einen großen Schacht, 6
Es weiden sich der Frommen Augen an dem Sturze aller derer,die niemals nach des Heiligen Gesetz begehrt; 9. Kapitel: Der Frevler Ende
1
Elias sprach:Ich sehe, wie vom Himmel auf die Gottlosen 2
Es rückt der Heilige das Heiligtumin weite Ferne von der ewigen Unterwelt, 3
Sie werden so,als wären sie nie gewesen. 10. Kapitel: Das neue Sion
1
Elias sprach:Ich sehe Abraham, Isaak, Jakob 2
Das Land vor ihnen ist mit allen Leckerbissen angebautund jener Baum, den Gott bereitet, 3
Und Schiffe fahren von Engedi bis Eglaim,beladen mit Besitz und Habe für die Frommen. 4
Elias sprach:Ich sehe, [240]
wie eine Stadt, die wohl zusammen ist gefügt“, 5
Es wohnt ihr Volk darin;sie hat 3000 Türme, 6
Elias sprach:Ich schau der Frommen Wohnungen und Tore, 7
Die Schatzkammern des Tempels stehen offen;Gesetz und Frieden herrscht bei ihnen; 8
Und ferner lautet es:„Ein großes Heil erlangen die, |
Erläuterungen
[1279]
Das Buch des Elias enthält verschiedene Stücke aus verschiedenen Zeitaltern. Den Beginn 1, 1–2 macht eine kurze Notiz aus 1 Kg 19, 5; sie bemerkt zu V 2, daß schon einmal ein Engel mit Elias gesprochen habe. Dann beginnt eine Eliasapokalypse 1, 3. Darin eingeheftet ist der kurze Bericht einer Weltreise, ähnlich der des Henochbuches (1, 4–9); ebenso eine apokalyptische Darstellung der Sassanidenkämpfe gegen Rom (1, 10–5, 5; die Verse 4, 8–12 gehören wieder zur Eliasapokalypse) und eine Abrahamsapokalypse, die Israels Erhöhung und der Heidenwelt Erniedrigung schildert (5, 6–8, 2). Dann kommt die Fortsetzung und der Schluß der Eliasapokalypse. Diese weiß von einer Rückkehr der Toten in die jetzige Welt, einer Bestrafung der Frevler und einer Belohnung der Frommen durch ein paradiesisches Leben. – Laktanz scheint das Buch Elias gekannt zu haben. (M. Buttenwieser, Die hebr. Elias-Apokalypse 1897 Internet Archive).
- 1: 1 s. 1 Kg 19, 5. 3 Nach dem vierten Reich erscheint das Gottesreich auch bei Dan 7, 7. 19. 26. 4 Eine Weltreise wie bei Henoch 17, 1; 18, 9; 24, 1. 10 Hrmlt ist Hormizd I, der als Prinz in den Römerkriegen seines Vaters Schapur I sich den Beinamen „der Kühne“ erwarb. 11 Trmila eine Variante zu Hrmelt. Die Aussagen der Rabbiner sind eine späte Interpretation, die sich auf den letzten Sassanidenkönig Chosrau Parwez 590–628 n. Chr. bezieht.
- 2: 1 Der Perserkönig Schapur I 241–272 n. Chr. heißt vom Standpunkt des damals lebenden Verfassers hier der „letzte“. Die drei Jahre beziehen sich auf die Plünderungszüge Schapurs in Syrien, Mesopotamien und Kappadozien von 256–259 n. Chr. 2 Die „drei Helden“ sind Kaiser Valerian und seine Präfekten Kallistus und Makrianus. Ihr Zug endete mit der schmachvollen Gefangennahme Valerians 259 n. Chr. Nach diesem Sieg stürmten die Perser von neuem gegen die römischen Provinzen und drangen tief in Kleinasien ein „er breitet sich zwölf Monate darin aus“ 3 Erst Odhenat von Palmyra nötigte Schapur zum Rückzug. Gigit ist Deckname für den Herrscher von Palmyra; Gigit bedeutet das gleiche, was odhenat „Weinschlauch“. Seine niedrige Herkunft ist auch durch Agathias IV 24 bezeugt. 6 Odhenat zerstörte auf seinem Kriegszug gegen Schapur den uralten Mittelpunkt der babylonischen Juden, Nehardea. Das „getreue Volk“ sind eben die Juden (Lactanz VII 17). Der erste der „drei Kriege“ ist eben der Angriff auf Israel; die zwei andern s. 5, 1. 4.
- 3: 4 Damals verheerte ein furchtbares Erdbeben besonders Asien. Marchesvan = Okt. bis Nov. 5 Kislev = Nov. bis Dez.
- 4: 1 Nisan = März bis April. 2 Tischri Sept. bis Okt. 2 Sabatjonfluß. 4 Der erste Monat ist der Marchesvan Okt. bis Nov. 7 Mich 4, 10. 8 Nisan = März bis April. 8–12 gehören zur Eliasapokalypse. Der König aus dem Westen ist Titus. Danach fällt die Abfassung in die Zeit um 70 n. Chr. 9 Der „Berg des hl. Zier“ (Dan 11, 45) ist der Tempelberg Jerusalems. 11 Dan 7, 20; 8, 9.
- 5: 1 Fortsetzung der Sassanidenkämpfe. Odhenat, Vertreter des Kaisers Gallienus, wurde von den älteren Macrian und Callistus bekämpft; dabei[1280] kamen die kaiserlichen Generäle Domitian (hier in Demetrius verderbt) und Aureolus (hier Anpholipus) dem Odhenat zu Hilfe. 2 Winon mag auf den persischen Gottesnamen Vohu Mano zurückgehen. Der zwanzigste Monatstag s. auch V. 4 als Datum der Schlachten der Endzeit ist ebenfalls persisch. Jeder zwanzigste war nämlich dem Bahram, dem „Genius des Sieges“, dem Kriegsgott der persischen Mythologie, geweiht. 4 Als die Nachricht von der Ermordung der beiden Macriane, Vater und Sohn, in den Orient kam, begann Odhenat die Offensive gegen die Generäle Quietus (hier Mks) und Callistus (Kirtlos) und schlug sie. 6 Eine Abrahamapokalypse. 8 Is 49, 23.
- 6: 1 Is 11, 5. 2 Zach 14, 12. 4 Paradiesische Fruchtbarkeit.
- 7: 1 Ez 38, 1 ff. 3 Is 9, 3. 5 Is 18, 6. 6 Ez 39, 9. 7 27, 39, 12. 8 Nach 7. 9 lauter heidnische Städte. Jericho wurde erst unter Hadrian heidnisch. Betchoron seit 536 v. Chr. ein samaritanischer Ort. Beerot, eine benjaminische Stadt (Jos 18, 25 u. a.), wurde erst nach Umwandlung Jerusalems in die römische Kolonie Aelia Capitolina ein heidnischer Ort. Susin = Susitha, Hippos in der Dekapolis. Malka vielleicht die Festung bei Bittir; unter den von Hadrian zerstörten Orten erscheint ein Tur Malka. Arad vielleicht Adora (1 Mak 13, 20; 2 Chr. 1l, 9) im judäischen Bergland, das den Juden seit Hadrian völlig verlorenging. Salam = Kafarsalama (1 Mak 7, 31) östlich von Jaffa. Samaria wurde unter Septimius Severus römische Kolonie. Bet Migdol vielleicht Magdiel nördlich von Dor, das mittelalterl. Castellum Peregrinorum. Bet Chalisut unbekannt. Lydda war noch in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts der Sitz jüdischer Schriftgelehrter; in der zweiten Hälfte wurde es heidnisch. Buz unbekannt. Bet Enam ist das heutige Beit Ainun. Chamat ist Emmaus bei Jerusalem (Luk 24, 13), von Vespasian in eine Militärkolonie verwandelt. Sephar vielleicht Kirjat Sepher (Jos. 15, 15). Adasa nordöstlich von Betchoron, ein samaritanischer Ort. Edom bezeichnet die Stadt Rom. Diese Namen verlegen die Abfassung dieser Abrahamsapokalypse in die Zeit nach 250 n. Chr.
- 8: 3 Forts. der Eliasapokalypse. Die „Toten“ s. Dan 12, 2 „viele von den im Staube Schlafenden erwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu Schmach und ewigem Abscheu“, Dt 32, 39. Ez 37, 8. 6 Is 66, 24.
- 9: 1 Ps 11, 6.
- 10: 2 Ez 47, 12. 3 Ez 47, 10. In Engedi befand sich die Hauptniederlassung der Essener (Plin. Hist. N. V 16). 4 Ps 122, 3. 5 Ris unbekanntes Längenmaß. Is 54, 12. 7 Is 54, 13. 8 Ps 119, 165. Ps 31, 20.
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch
