Der Blumenkranz
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[36] Der Blumenkranz.
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An die Ehepaare S. B. und G.
(Als der Verfasser am 17. Juni 1834 von Marienbad abreisen wollte, fand er seinen Wagen mit einem schönen Blumenkranze geschmückt, und konnte nicht zweifeln, daß dieser Kranz von den oben bezeichneten beiden trefflichen Ehepaaren herrühre, deren freundlicher und geistreicher Umgang ihm den Aufenthalt am Brunnenorte verschönert hatte.)
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Einen Kranz hab’ ich gefunden, 5
Froher Rührung voll, das Auge,Thränenlos bei manchen Schmerzen, 10
Schöner Kranz, ich weiß es sicher:Wackre Männer, holde Frauen, 15
[37] Diese haben dich geschlungenUnd mit schönen Händen ämsig 20
Des Vertrauens und der Neigung.Wohnen die in solchen Herzen, 25
Mir, der flüchtigen Erscheinung,Das Vertrauen und die Neigung 30
Und mein geistig Ohr, es glaubteEinzeln deutlich zu vernehmen 35
Selbst die woll’ge WiesenblumeKos’te mit, doch sehr bescheiden, 40
Und dies war der Blumen Rede:Weißt du nicht, du kleiner Dichter, 45
Also sind sie dir geworden,Das Vertrauen und die Neigung 50
Was du that’st, sie zu erwerben,Wenig ist’s, du wirst’s bekennen. 55
Fühltest Neigung und Vertrauen,Zeigtest sie auch ohne Worte, 60
Mit den zarten Kindern Zwiesprach.Leiser wurden da die Stimmen, 65
Wagte selbst kaum mehr zu sprechen.Aber, mein Erbangen fühlend, 70
[39] Ja, wir sterben – alle Blumen,Die der Erd’ entkeimen, sterben. 75
In dem schönen Kranz gespendet –Leben fort in einer Blume, 80
Dieses ist der Liebe Blume,Die im warmen treuen Herzen 85
Diese Blum’ empor zum Aether,Ganz aus reinem Licht gestaltet. 90
Milchstraß’ heißt er, von der Nahrung,Die in brünst’gem Liebesdrange, 95
Sterne seyen dies, unzählbarAusgesät im Himmelsfelde. 100
Und sich wunderbar zum StreifenIn des Menschen Blick verschmelzen. 105
Hier im Herzen, dort im Lichte;Denn dort ist für Myriaden 110
Als das Kränzlein nicht mehr kos’te,Hört’ ichs doch zu meinem Troste. 115
Ich mit ihnen, klar und heiter,Wackre Männer, holde Frauen, Freiberg, den 18. Juni
1834.
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