Der Junggesell und der Mühlbach (1799)
| [107]
Der Junggesell
und
der Mühlbach
Altdeutsch.
Gesell.
Wo willst du klares Bächlein hin, 5
Was suchst du eilig in dem Thal?So höre doch und sprich einmal! Bach.
Ich war ein Bächlein, Junggesell, 10
Im Graben,Zur Mühle dort hinunter soll, Gesell.
Du eilest mit gelaßnem Muth, 15
Und weißt nicht was ich junges BlutHier fühle. Bach.
Sie öffnet früh beim Morgenlicht, 20
Den Laden,Und kommt ihr liebes Angesicht Gesell.
25
Kann sie im Wasser LiebesglutEntzünden; 30
Ach immer muß man nach ihr gehn.Bach.
Dann stürz ich auf die Räder mich, 35
Seitdem das schöne Mädchen schafft,Hat auch das Wasser beßre Kraft. Gesell.
Du Armer fühlst du nicht den Schmerz 40
Nun wandre!Sie hielte dich wohl selbst zurück, Bach.
Mir wird so schwer, so schwer vom Ort 45
Ich krümme mich nur sachte fort,Durch Wiesen, Gesell.
Geselle meiner Liebesqual 50
Ich scheideDu murmelst mir vielleicht einmal GOETHE.
|
