Der getreue Eckart (Tieck)
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Der getreue Eckart.
1.
Der edle Herzog groß 5
Er sprach: „mich schlägt der Feind,Mein Muth ist mir entwichen, 10
Nicht Waffen führen kann:Wo bleibt der edle Degen, 15
Doch leider blieb er heuteDaheim bei sich zu Haus. 20
Drum will ich sterben fein! –“
25
Geharnischt reit’t der DegenKeck in den Feind hinein, 30
Und ruft: „Gott sey gelobt!“Die Feinde mußten weichen, 35
Doch schwamm in rothem BluteSein zartes Söhnelein. 40
Doch so, daß es mir graut;
45
Der Eckart weinet fast,Bückt sich, der starke Held, 50
Und warst noch kaum ein Mann?Mich reut nicht meine Mühe, 55
Und drum will ich mich trösten,Ich schenke dir den Sohn.“ Da ward dem Burgund trübe 60
Sein edles Herze bricht.
65
„So treu bist du geblieben,Da Alles von mit wich, 70
So gelten wie der Herr,Wenn ich mehr lohnen kunnte, 75
Man nennt den Held seit JahrenEckart den treuen Mann. 2.
Er schwang sich auf sein Pferd, 80
Ist mir nun nichts mehr werth.
85
Da reitet er zu WaldUnd klagt aus vollem Herzen [295]
Die übergroßen Schmerzen, 90
Ich muß mir Freunde suchenIn Eichen, wilden Buchen, 95
Blieb Keiner von den Dreien,Der Liebste starb zuletzt.“ 100
Als schon der Morgen tage.
105
Er thut die Rüstung abe.Wirft sich zu Boden hin, 3.
Der Herzog sank darnieder 110
Im wilden dunklen Hain,Da nahm Held Eckart bieder 115
Der sagte: „auf der ErdenMuß man gar viel bestahn.“ „Doch sollst du,“ sprach Burgund, 120
Zu Haus und sicherm Orte.“
125
„Es mehren sich die Plagen,“Sprach der Burgund in Noth; 130
Sprach Eckart noch im Weinen,„Du stehst in Gottes Hand, 135
„Daß sündvoll meine Brust,Drum zittr’ ich, daß Er dräue. 140
In dieser finstern Nacht.
145
„Die Kindlein ließ ich tödten,Das kann er nie verzeih’n, 150
Mein Herze innerlich,[297]
Die Kind’ hab’ ich zerrissen, 155
Weil du nicht rein von SündenUnd schwer gefrevelt hast; 160
So krümmt er dir kein Haar.“4.
Da stand der Eckart von der Erden 165
Da fehlt dem Burgund Kraft und MuthDen Blick des Mannes auszuhalten, 170
Von neuem auf den Boden nieder.„Allmächt’ger Gott!“ so schreit er laut, 175
Dem ich die Kinder hab’ erschlagen,Der muß mich in den Armen tragen?“ 180
Ist sich sein selber nicht bewußt. –Der Eckart leise zu ihm spricht: [298]
„Der Schmach gedenk’ ich fürder nicht, 5.
185
Kommt es nicht wie TräumenAus den grünen Räumen 190
„Vernehmt den Zauberklang von fern.“Wie sich die Tön’ herüberschwungen, 195
„Wir wollen in die Berge, in die Felder,Uns rufen die Quellen, uns locken die Wälder, 200
Den Söhnen Burgunds in’s Gesicht,Und höher schwillt der Töne Macht, 205
Und zwischen Korn und Gräsern schweifenSanft irrend blau und goldne Streifen. 210
Die Welt zu einer Blum’ erblüht;Die Felsen schwanken lichterloh, [299]
Und will in der Freude heimisch seyn; 215
Des Menschen Seele reißen die Funken,Sie ist im holden Wahnsinn ganz versunken. 220
Und fragt sich, was es sey.
225
„Ha! bringen nicht die Töne,“So fragt er sich entzückt, 230
Den Helden plötzlich an,Er darf nur um sich schauen 235
Die sich der Hölle bietenUnd unbezwinglich sind. 240
Im wild empörten Meer.
245
Da kommt die TodesstundeVon seinem Freund zurück, [300]
Er höret den Burgunde 250
Und steht gewappnet da,Indem kommt im Gewüthe 255
Er hört die Pfeife klingen,Die Kraft ist ihm geraubt. 260
Sie nahen grauerlich.
265
Es stürmt der Zug an Vesten,An Schlössern wild vorbei, 270
Es reißt die Macht ihn hin,Er muß der Hölle dienen, 275
Und alsobald die ZwergeStillstehn und machen Halt. [301]
Man sieht Gestalten wandern 280
Im wunderlichen Schein.
285
Die Kinder sind errungen,Sie fliehen durch das Thal, 290
Sie fassen neuen Muth,Es kommen andre wieder, 295
Spricht: „nun verlier’ ich gerneMein Leben hier im Streit.“ 300
Zu Haufen dort im Thal.
305
So fand er seine StundeWild kämpfend wie der Leu, 310
Regiert der ält’ste Sohn,Dankbar hört man ihn sagen: „Erkämpft mit vielen Wunden 315
Und alle LebensstundenVerdank’ ich seinem Muth.“ 320
Den Venus-Berg zu sehn,
325
Wo er nach seinem SterbenNoch Schutz und Wache hält. Ludwig Tieck.
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Einiges über Alt-Breisach.
Zur Zeit der Römer, die hier ein Kastell oder eine Niederlassung hatten, lag Breisach (Mons Brisiacus) auf dem linken Rheinufer; im 10. Jahrhundert war es eine Insel, im 13. aber stand der Berg schon diesseits des Flusses. Von den Römern kam Breisach an das fränkische Geschlecht der Harlinger oder Harlungen. Ein Theil des Berges heißt der Eckartsberg und erinnert noch an den treuen Eckart, welcher, aus dem Geschlechte der Karolinger stammend, als Pfalzgraf hier seinen Sitz gehabt und dem Herzog von Burgund bis in den Tod die treueste Freundschaft bewahrt haben soll. (Siehe obige Romanze von Tieck, die eines eigenen Commentars bedürfte, für den hier kein Raum sich bietet.) Von Breisach, als der Hauptstadt dieses Landstriches, hat das Breisgau seinen Namen erhalten. Wenige teutsche Städte haben einen solchen Wechsel von Ereignissen erfahren, als diese. Das Schloß wurde von Berthold V. von Zähringen erbaut und von Maximilian I. erweitert. Eine Hauptmerkwürdigkeit ist die St. Stephanskirche oder das Münster, eines der schönsten altteutschen Gebäude. Den Hochaltar schmücken treffliche, aus Holz geschnitzte Bildwerke. Die Gebeine des heiligen Gervaß und Protaß, welche Kaiser Friedrich I. im Jahr 1162 von Mailand nach Breisach bringen ließ, ruhen in dieser Kirche in einem silbernen Sarge. Auch sieht man darin viele Grabsteine berühmter Feldherren und anderer hohen Personen. Für [303] den Freund römischer und teutscher Alterthümer ist hier ein reiches, noch nicht gehörig benütztes Feld. (Siehe Schreiber’s: „Führer für Reisende durch das Großherzogthum Baden.“ Carlsruhe, 1828.)
(Vergleiche Jos. Bader’s: „Freiburg und seine Umgebungen.“ Freiburg, 1838. Herder. S. 81)
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