Die Bestimmung des Menschen
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| Autor: |
Johann Gottfried Herder |
| Titel: |
Die Bestimmung des Menschen |
| Untertitel: |
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| aus: |
Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung) S. 65-68 |
| Herausgeber: |
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| Auflage: |
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| Entstehungsdatum: |
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| Erscheinungsdatum: |
1797 |
| Verlag: |
Carl Wilhelm Ettinger |
| Drucker: |
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| Erscheinungsort: |
Gotha |
| Übersetzer: |
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| Originaltitel: |
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| Originalsubtitel: |
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| Originalherkunft: |
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| Quelle: |
Google und Commons |
| Kurzbeschreibung: |
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Artikel in der Wikipedia
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De Zerstreute Blätter VI (Herder) 120.jpg |
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Die Bestimmung des Menschen.
Als die Königinn der Dinge,
Reich an unerschöpftem Reiz,
Wesen schuf, war nichts ihr zu geringe;
Sie begabete mit mildem Geiz:
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Denn das Füllhorn aller Trefflichkeiten
War in ihrer Mutterhand.
Und sie paarte, was an Lieblichkeiten,
Wechselnd auch, zusammen je bestand.
Einen Schmuck von tausend Farben
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Webte sie um Florens Brust;
Neuverjünget, wenn die Schwestern starben,
Treten Schwestern auf mit Siegeslust.
In ein Chor von tausend süßen Liedern
Theilte sich ihr mächtger Klang,
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Der auf bunten schwebenden Gefiedern
Disharmonisch-schön zum Himmel drang.
Stärke, Klugheit, sanfte Triebe, Schönheit in jedweder Art,
Und in tausend der Gestalten Liebe
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Ward umhergegossen ungespart.
Endlich trat sie in sich selbst und senkte
Tief sich in ihr Mutterherz:
„Meinem Liebling, wie wenn ich ihm schenkte
Aller meiner Kinder Lust und Schmerz?“
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Und sie sann. Auf Einem Wege
Ward aus Allem Sympathie.
„Ferne, sprach sie, sei von ihm die Träge!
Seine Lust sei ewigsüße Müh.
Angebohren werd’ ihm nichts; gebohren
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Werd’ in ihm ein ewger Trieb.
Und auch jedes Glück, durch Schuld verlohren,
Werd’ ihm tausendfach durch Reue lieb.
Nur in Andern sei sein Leben;
Wirksamkeit sein schönster Lohn.
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Enkel, die ihm Dank und Ehre geben,
Lohnen ihn für seiner Brüder Hohn.
So vereint durch alle Folgezeiten
Strebe seine süße Müh;
Neugestärkt durch Widerwärtigkeiten
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Steige mehr und mehr umfaßend sie.
Auch im Kleinsten werd’ ums Ganze
Ewig dies Geschlecht verdient;
Nur am Ziel im schönsten Abendglanze
Hängt der Kranz, der für den Menschen grünt.
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Für die Leidenden, die ihn umringen,
Weih’ ich ihn der Menschlichkeit,
Und sein Herz, wenn Seufzer auf ihn dringen,
Zum Altare der Barmherzigkeit.“ –
Mutterköniginn! das schwächste Wesen,
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Das man einzeln nur beweint,
Hast du dir im Ganzen auserlesen
Und gesammt durch Lieb’ und Noth vereint.
Deinen Sinn fürs Größere und Größte,
Und dein Mutterherz, Natur,
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Gabst du uns. Das Beßere und Beste
Weckt uns stets und lebt im Ganzen nur.
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