Die Landeskrone
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II. Die Landeskrone (Tmolus Lusatiae).
Cernis geminum cornu, quorum illud ad austrum [30]
Terrebant densae hinc sylvae, lapidesque maligni, Doppelgipflich erhebt sich, ungefähr eine halbe Stunde von der Stadt Görlitz gegen Südwest in konischer Gestalt[2] die Landeskrone, von welcher in alten Ritterzeiten ein Schloß[3] mit hohen Thürmen über schlanke Fichten und Tannen stolz hinab schaute, trotzend auf seine durch Natur und Kunst ihm verliehene Vestigkeit. Drohende Felsen, undurchdringliche Wälder und beträchtliche Steinwacken gestatteten kaum einen schmalen Fußsteig und machten es für damalige Zeiten unbezwingbar. Benno von Landscron[4] soll es erbaut haben. Seine nachherigen Besitzer machten durch Räubereien und [31] Plackereien die Gegend unsicher und da nicht blos Karl IV., Wenzel und Siegismund, die auf Zerstörung aller Raubnester im Lande bedacht waren, sondern selbst der Rath zu Görlitz dieser schädlichen Nachbarschaft entledigt zu seyn wünschte, so wurde es von dem damaligen Besitzer, Vinzenz Hiller von Serchau, dessen Eidmänner Nikolaus Günzel und Wenzel Emrich, Bürgermeister und Hillers Schwiegersöhne waren, mit allem Zubehör um 600 Mark erkauft und 1422 geschleift. Hier nun ist der Sage nach eine große Braupfanne – denn drunter thut man’s nun einmal nicht – mit Gold, Silber, Edelsteinen und andern Kostbarkeiten gefüllt, vergraben, welche jene Räuber, die lange Jahre ihr Handwerk daselbst trieben, zusammengescharrt und aufgehäuft hatten. – Freilich wird der Schatz von bösen Geistern bewacht und ist nur manchmal sichtbar und zu heben. Daß dieses nun wirklich auf der Wahrheit beruhe, wird gewiß kein Leichtgläubiger bezweifeln, indem ein berühmter Schatzgräber zu Forst, Bernhard Adelmann, [32] im siebenzehnten Jahrhundert eigenhändig an den Görlitzer Magistrat schrieb und sich zur Erhebung dieses bedeutenden Schatzes erbot, nicht minder auch der Seher, Jakob Böhme, (der da, wo Andere nicht sahen, hell blickte, wo Andere sahen, blind war, auch deshalb vom Primarius Richter zu Görlitz durch lateinische Gedichte unchristlich gegeißelt wurde), dem sich der Berg öffnete, diesen Schatz mit eigenen Augen gesehen hat.[5] – Wer will also noch zweifeln? – Endlich findet man auf dem Wege zwischen der Stadt und dem großen Berge einen großen Stein, auf welchem ein mächtiger Krallengriff eingedrückt, deutlich zu sehen ist. Er rührt daher: Fiel einmal Sr. satanischen Majestät ein, die Welt zu bereisen, reinere gesündere Luft nach den lange Zeit eingeschluckten Pech- und Schwefeldünsten einzuathmen und überhaupt eine Frühjahrskur zu brauchen, für welche ihm sein Leibarzt die Berge Schlesiens und der Oberlausitz, wo so manches heilsame Kraut wächst, empfohlen hatte. Auf dieser Wanderung nun war er auch auf die Landskrone gekommen, und hier sahe er die lachenden Fluren, üppigen Thäler, grünenden Büsche, blumigen Wiesen, vermischt mit freundlichen Dörfern, der Neisse mäandrischen Lauf und das ehrwürdige Görlitz in dieser anmuthigen Umkränzung, wie auf einem künstlich gewirkten Teppich sich vor seinen Augen verbreiten. Tief grollte es ihm, daß frohe und genügsame Menschen darinnen wohnten, wilder rollten [33] seine Feuerblicke und fielen endlich ostnördlich auf die majestätische St. Petri- und Paulkirche. Da konnte er nun nicht länger seinen Zorn zügeln, sondern ergriff einen Fels, den er nach dem Tempel schleuderte, um ihn zu zertrümmern. Allein entweder hatte er in seiner Jugend die Turnstunden vernachlässiget, oder hatte die Molkenkur ihn mitgenommen, oder lähmte ihn eine höhere Macht; kurz das Felsstück erreichte sein Ziel nicht, sondern sank auf der Hälfte der Luftreise nieder, zersprang in mehrere Stücke und nur das Wenige, was seine hohe Hand am stärksten gefaßt und sich so zu sagen eingeklammert hatte, blieb bei Hennersdorf als ein Denkmal für die Afterwelt liegen.
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