Die Rettung
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Die Rettung.
Idylle.
Leukothoe.
Mutter, o sei mir gegrüßt, du süße Mutter! für diesmal 5
Dort erblickt ich die Kräuter, die lang gesuchten, und eilteOhne bedächtliche Furcht auf den gefährlichen Rand, [078]
Hülflos strebt’ ich empor und schrie nach Hülfe, doch hörte 10
Niemand, es trieb mich der Strom weiter und weiter hinaus.Endlich erblickt ich nahend ein Schiff, ein glänzender Jüngling 15
Himmel und Erde verging mir, doch seh ich noch deutlich die hoheGöttergestalt, denn es war sicher kein sterblicher Mann, 20
Fern mir im Nebel verschwand sah ich dem Scheidenden nach.[079]
Und dann flog ich zu dir, noch pocht mir von Schrecken der Busen! Theano.
Komm an mein Herz, du Geliebte, und laß den Göttern uns danken, 25
Wohl mir daß ich nun wieder an diesen Busen dich drücke!Daß nicht den einzigen Trost grausam der Fluß mir verschlang! Leukothoe.
Ach ich sollte der Rettung mich freun, und es stürzen mir Thränen 30
Aber welch heimlicher Schmerz wohnt mir im Herzen zugleich?Theano.
Thränen der Freude mein Kind? nein Thränen der sehnenden Liehe Leukothoe.
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Warlich du forderst zu viel! wie sollt’ ich mit Worten ihn schildernHättest du selbst ihn gesehn, wie er vom Tode mich riß, 40
Ach und ich werde ja so nimmer im Leben ihn sehn!Theano.
Welche Qualen du selber dir schaffst! so schafft sich die Liehe 45
Und warum zweifelst du denn auf Erden ihn wieder zu finden?Oft was entfernet uns schien, bringt uns ein Augenblick nah. 50
Sonderbares Geschick, Rettung und Trennung zugleich.Leukothoe.
Laß, so bitt’ ich, mich doch die wundervolle Geschichte [082]
Hören! die Rede ja fließt süß dir vom Munde hinweg, Theano.
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Höre denn an! wie sollt ich der Bitte Gewährung versagen?Gern ja ruft man das Bild schönerer Zeiten zurück. 60
Da durchbrach das Gebüsch plötzlich ein grimmiger Bär.Denke mein Grausen dir selbst! ich war verlassen im öden [083]
Und nun auf einmal die Schreckengestalt, ich wollt ihm entfliehen 65
Damals glaubt ich mein Leben dahin, als ein Jüngling vom FelsenEilt’ und dem nahenden Bär muthig entgegen sich warf. 70
Sank ich zu Boden und lag mehrere Stunden hindurch.Als ich erwachte da war der schöne Kämpfer verschwunden. [084]
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Dies nur war alles was übrig mir blieb von der holden ErscheinungAber er selbst wär’ hinab, glaubt ich, zum Orkus gesandt. 80
Nirgends ruhig, sein Bild schwebte beständig mir vor.Also vergingen drei Monde, da kam ein Fremder zum Hause 85
Drauf erzählt er, daß da, als ich ihn verwundet zu BodenSinken sah, auch das Thier tödtlich getroffen erlag; [085]
Daß ein Jäger ihn fand, zur Hütt’ ihn trug und die Wunden 90
Ehe zwei Tag uns entflohn war er mein treuer Gemahl.Also das Leben der Menschen, es zeigt sich beständig in neuen 95
Sie die in Todesgefahr dir hülfreich den muthigen RetterSandten, die führen gewiß auch den Geliebten dir zu. LOUISE.
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