Gedichte (Schilling)

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Autor: Friedrich Gustav Schilling
Titel: Gedichte
Untertitel:
aus: Thalia - Zweiter Band,
Heft 7 (1789), S. 121–128
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1789
Verlag: Georg Joachim Göschen
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
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[121]

IV.

Gedichte.




An die Wohlthätigkeit.


1.
Götinn! Der die Wonnezähre
Von der Rosenwange träuft;
Der des Lohnes goldne Aehre
Kindlich an dem Busen reift:
Sei in deinem Heiligthume,
Das die Seligkeit umfliest,
Engelschwester! Himmelsblume!
Hoch und traulich mir gegrüst.

2.
Du entfliehst dem Fürstenthrone,
Wo dein Afterbild sich bläht:
Reicht dem Edlern nur die Krone,
Der, wie du, verborgen sät –
Blühst in unbekannten Hainen,
Kehrst in niedre Hütten ein;
Weihst den Aermern nur zu deinen
Stillen Seligkeiten ein.

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[122]

3.
Nur durch dich versöhnt, umarmen
Christ und Irokese sich;
Nur durch dich gerührt, erbarmen
Menschen ihrer Brüder sich.
Samariterarme tragen
Ihrem Feinde Linderung;
Racherfüllte Busen schlugen
Dir der Liebe Huldigung.

4.
Unter deinem Kusse schwinden
Thränen, die die Menschheit weint,
Wenn in dunkeln Labyrinthen
Ihr dein holdes Bild erscheint –
Wuchernd reicht ihr dankend Lallen
Dir den Zins der Ewigkeit,
Windet dir in goldnen Hallen
Kränze der Unsterblichkeit.

5.
Tausend Engelfreuden sendest
Du in jedes beßre Herz,
Und auf Sonnenbahnen leitest
Du die Guten himmelwärts.

[123]

Ja, im Vollgenuß der Wonne
Mitzutheilen! Wohlzuthun!
Werden jauchzend sie am Throne
Dir am Mutter Busen ruhn.

6.
Denen Arme segnend nickten:
Wer ein Herz im Busen hat –
Die ihr Thränen der Gedrückten
Nicht vergebens rinnen saht –
Wer sein Scherflein ihren Leiden,
Ihrer Nacktheit Hülle gab,
Fodre Lohn! den Ewigkeiten,
Fodr’ ihn dieser Götinn ab.

7.
Huldinn, dir! die du erbebend
Einst an Jesus Lippe hingst –
Unter Engeln ihn umschwebend
Noch den sterbenden umfingst –
In der Glorie der Demuth
Mit ihm das Gericht betratst,
Und im Ausdruck höchster Wehmuth,
Noch vor seine Mörder bathst.

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[124]

8.
Sei in deinem Heiligthume,
Wo der Liebe Knospe sprießt,
Engelsschwester! Himmelsblume!
Hoch und traulich mir gegrüßt.
Deine Sympathien hauchen
Harmonie und Götterlust,
Alle gute Menschen saugen
Seligkeit an deiner Brust.

Gustav Schilling




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[125]
Ode an Gott.


1.
Ewiger! im Wetterstrahlenkranze
Deiner Cherubim – bei’m Reihentanze
Deiner Welten sing’ ich dir!
Auf der Phantasie geweihtem Flügel
Eil’ ich zu dem Feuerwolkenhügel
Deines Gottessitzes hin.

2.
Hingesunken, an dem Flammenthrone,
Beth’ ich dich! Du Schöpfer der Aeone,
Und des Staubes Schöpfer an:
Lall’ in die Verklärung meiner Saiten
Halleluja! dir – die Ewigkeiten
Sprechen es im Echo nach.

3.
Nimm dann bei dem Klange deiner Sphären
Meines Dankes gluterfüllte Zähren,
Meines Lobsangs Thräne hin –
Schau, vom Donnerchore deiner Größe
Auf der Menschheit schleierlose Blöße,
Vater! allerbarmend hin.

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[126]

4.
Athmen nicht durch dich die Myriaden?
Klimmen [an der Allmacht Zauberfaden][1]
Ihrem Stralenlohne zu?
Lacht nicht durch des Todes Trauerflöre
In der Glorie der [Sonnenmeere]
Frühroth einer lichtern Welt?

5.
Aus des Chaos Schooße losgewunden,
Mit der Jugend Diadem umbunden,
Lächelt ihm sein Eden an:
Da entriß dem Aether er die Binde,
Wog die Mitternacht der Labyrinthe
Gegen ihre Feuer ab.

6.
Unter deinem Gottesgriffel schäumten
Elemente, gute Geister keimten
Schöpfer! jauchzend um dich her –
Und bei’m Jubeltone dieser Weihe
Wallte Sternenklangs, der Sonnenreihe
Lichtmeer, seinem Wirbel zu.

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[127]

7.
Wer befahl den Polen ihrer Tänze
Ew’gen Flügelschwung? Wer ruft dem Lenze
Flur und Blume zu bethaun?
Und wer webte meiner Mutter Erde
Durch das schöpferische Wort – Es werde!!!
Das azurnene Gewand?

8.
Wer umgürtete mit goldnen Zonen
Der gerufnen Welten Embryonen?
Und wer rufte meinen Geist?
Du! durch dessen Odem angewehet,
Und für die Unsterblichkeit gesäet,
Ich im Erdenstaube knie’.

9. Aus den Silberlocken deiner Blitze,
Die Allgegenwart zum würd’gen Sitze,
Unerreichbarkeit im Blick.
Groß im Seraph, wie im Staube merkbar,
In der Schimmelblume noch erkennbar,
Zeichnet die Natur dein Bild!

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[128]

10.
Laß dann meines Lobes Dankgeflöte
Dir gefallen, bis die Morgenröthe
Klärender Vollendung winkt –
Allah! Deinem Flammenthrone näher,
Jauchzet einst, seraphischer und höher,
Gott! Mein Alleluja dir!

G. S.


Anmerkungen (Wikisource):

  1. Ergänzt nach: Walther Killy (Hg.): Epochen der deutschen Lyrik Band 6, 1770–1800. DTV, München 1970, S. 211.
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