Geschichte des Illuminaten-Ordens/Die Ausbreitung des Ordens

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« Die Ordenskasse. Geistliche als Illuminaten. Geschichte des Illuminaten-Ordens Illuminatismus und Freimaurerei »
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Geistlichkeit allemal unversehener Weise vorgenohmen werden, und verlangen daher nicht, das, wenn solche nur die Spiritae alio, oder disciplinaria betreffen, bey Uns, oder Unserem geist- lichen Rath eine vorläufige Anzeige, oder requisition hierin ge- schehe.

Wir werden auch Euer Liebden mit dem weltlichen Arm allenthalben wo er immer nöthig seyn mag, durch Unsere nach- geordnete Obrigkeiten hierin zu unterstützen nicht ermangeln. Es steht Euer Liebden denn hiernächst frey die Visitation auf Unsern teutschen und lateinischen Schulen quo ad Religionem et mores in dero Dioces vorzunehmen.

Wir gedenken hierzu weder einen Commissarius bey zu ordnen, noch sonst ein Hinderniss hierin zu machen, oder dem Unsrigen dergleichen zu gestatten, sondern vielmehr bey einem so löblich, als gemeinnüzigen Werk all benöthigen Vorschub zu geben und verbleiben Euer Liebden mit allem guten wohlbey- gethan.

München, Carl Theodor

d. 11. September 1787. (unterschrieben mit allen

Man sieht, wohin das Schulwesen jener Zeit, das unter Ickstatt einen so schönen Aufschwung genommen hatte, wieder geraten war, dass es gänzlich dem < »hseurantentum wieder aus- geliefert wurde und seufzend auf den Retter aus solcher Not warten musste.

Die Frage: Wie weit hat sich der Orden zur Zeit seiner höchsten Blüte, also bis kurz vor der bayrischen Verfolgungs- zeit erstreckt? ist heute nicht leicht zu beantworten. Tatsache ist, dass in ganz Deutschland Verbindungen angeknüpft worden waren, auf Grund der freimaurerischen Beziehungen, ob jedoch diese zu einer grösseren Tätigkeit sieh aufwarfen, ist sehr schwer zu bestimmen. Nur wenige Dokumente existieren als Nachweis, denn es ist natürlich, dass solche in der Verfolgungszeit in Bayern vernichtet wurden, um nicht verdächtigt zu werden und

seinen Titeln.)

Die Ausbreitung des Ordens. [337] — 350 —

äussere Verbindungen ziemlich schroff abgebrochen wurden,*) als sich die Skandalsucht erhob und dem Orden und deren Leiter alle erdenklichen Schlechtigkeiten andichtete. Im Laufe der Zeit sind dann die betreffenden Schriften von den Logen als minderwertig missachtet und beseitigt worden, so dass eine Aufklärung heute ungemein erschwert ist

Den besten Anhalt gibt immer noch die von Knigge aus- gearbeitete National-Direktions-Tabelle von Deutschland, doch ist dabei zu bedenken, dass die in dieser Tabelle angegebenen Land- striche nicht alle von Illuminaten bevölkert waren, sondern dass man hoffte, durch die schon vorhandenen Beziehungen in diesen werbend mit Erfolg vorgehen zu können. Knigge war jedoch zu praktisch, um aussichtslos Einteilungen zu schaffen, es kann daher immer angenommen werden, dass in den genannten Städten aussichtsvolle Beziehungen vorhanden waren.

Das Oberhaupt des Ordens war der Geheime Areopag mit dem Ordensgeneral Weishaupt an der Spitze. Diese ernannten den National-Oberen, zu dem in letzter Zeit Graf Stollberg zu Neuwied ausersehen war. Dieser National-Direktion unterstanden nun laut Tabelle 3 Inspektionen, die sich wieder in Provinzial- Direktionen oder Präfekturen teilten. Zur ersten Inspektion ge- hörte Bayern, Schwaben, Franken; zur zweiten: die Kurrheini- schen Kreise, die Oberrheinischen und Westfälischen; zur dritten Inspektion gehörte Ober- und Niedersachsen.

Die Provinzial-Direktionen erhielten nun wieder Schottische Direktorien, denen die Städte dieser Bezirke unterstanden. Diese Städte alle anzuführen, ist zwecklos, da sicher nicht überall Illuminaten lebten, sondern diese Städte der Zukunftsarbeit wegen genannt sind, die schottischen Direktorien dürfen jedoch wohl meistens als Bestand habend anzusehen sein. Die Tabelle gibt folgende an:

In Bayern: München, Salzburg, Regensburg, Freysingen. Schwaben: Augsburg, Stuttgart, Oettingen, Karlsruhe. Franken: Eichstädt, Würzburg, Bayreuth, Meinungen. Kurrheinischer Kreis: Mannheim oder Heidelberg, Mainz,

Coblenz oder Trier, Bonn oder Cöln. Oberrheinischer Kreis: Kassel, Wetzlar, Frankfurt, Darmstadt,

  • ) Die ersten Minerval-Grade befinden sich z. B. noch in der Freimaurer-

Loge zu Emden im Originalmanuskript.

Speyer. [338] — 351 —

Westfälischer Kreis: Neuwied, Münster, Paderborn, Olden- burg.

Obersachsen: Dresden oder Leipzig, Berlin, Weimar oder Gotha, Dessau.

Niedersachsen: Hannover, Braunschweig, Bremen, Strelitz.

Zieht man von diesen Schottischen Direktorien selbst die Städte, die miteinander durch »oderc verbunden sind, als zweifel- hafte ab, weil aus diesem »oder« hervorgeht, dass zur Ent- stehung der Tabelle noch keine Klarheit herrschte, wohin das Direktorium zu verlegen sei, so bleibt dennoch ein ganz be- deutender Wirkungskreis übrig, in dem nach dem Illluminaten- .-ystem des Schottenritus gearbeitet wurde. Da jedoch unter den Andreasrittern, dem Illuminntus major, die kleineren Illu- minaten und Minervale standen, aus denen letzteren Miner- valkirchen (so hiessen deren Versammlungen) gebildet wurden, so ergibt sich, dass die Organisation sehr weit sich ausbreiten konnte und jedenfalls auch ausgebreitet hatte.

Der Ankläger Staack, dessen Ausführungen, wie wir später sehen werden, zwar keineswegs immer zutreffende sind, gibt im Jahre 1803 über die Ausbreitung des Ordens beachtenswerte Daten an, also~ zu einer Zeit, in der die Richtigkeit derselben noch nachzuprüfen möglich war, denen jedoch meines Wissens nicht widersprochen wurde. Diese Daten mögen darum hier einen Platz finden.

Er sagt Seite 316. Der Triumph der Philosophie.

-Man kann sich von der weiten Ausbreitung einen Begriff machen, wenn man aus der Ordensgeographie nur die einzige inspection Dacien aushebt, welche in vier sogenannte Präfec- turen abgetheilet war. Von diesen enthielt die erste (Lydien), welche Hessenkassel, Hersfeld, Waldeck und einen Theil der Wetterau begriff, aussei- Kassel (Gordium) Marburg (Lucejum), Friedberg (Myracium) und Wetzlar (Sebaste), noch 16 nicht un- beträchtliche Oerter, worin Illuminaten sich befanden, die zweyte Pröfektur (Epirus), welche Frankfurt, das Fuldaische, das Hanau- ische. Solmsische und Ysenburgsche begriff, enthielt ausser Frankfurt, Fulda, Hanau und Offenbach noch 8 Oerter. Die dritte (Peloponnesus) die das Darmstädtsche, Homburgsche, Weilburgsche, l'singische und Snarbrücksche begriff, zählte

ausser Darmstadt (Lystra), Giemen (Eudoxiaa), Homburg (Antium),

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Weilburg (Bersabe) und Wiesbaden (Leucopolis) auch noch 8 Oerter. Die vierte (Apulien) begriff das Herzogthum Zwey- brücken, die Bisthümer Speier und Worms, das Salmische und Leiningische, und enthielt ausser Zweybrücken (Sodom) Speier (Issus), Worms (Elis) noch 9 Städte.

Um die Zeit, als diese geographische Eintheilung gemacht wurde, befanden sich in Wetzlar allein 26 Illuminaten, zu Gassei sieben, zu Marburg sechs zu Speier neune, zu Frankfurt 22 u. s. w. und so war es verhältnismässig an andern Orten.---

Nach dem Auslande hat sich ausser _nach Österreich der Orden kaum bedeutend ausgedehnt Alle Andeutungen hier- über, die aus den Briefen der Originalschriften, sowie des Nach- trags hierzu hervorgehen, sind nur fromme Wünsche. Weis- haupt selbst war stets der Meinung, dass der Orden erst im Inlande erstarken müsse, und stellte sich darum solchen Ab- sichten entgegen. Auch Knigge schreibt z. B. über Frankreich in einem Bericht vom Juli 1782: »Hier rathe ich noch vorerst nichts zu unternehmen. Ehe ich nicht die Geschäfte vom Halse habe, lasse ich sogar alle Vorschläge in Elsass und Lothringen liegen.« —

Wenn auch einige Ausländer dem Orden angehörten, ob nun als Maurer oder Illuminaten, so kann daraus noch lange nicht auf eine regelrechte Ordens-Organisation im Auslande ge- schlossen werden, die unter dem Szepter des Spartacus stand. Knigge wäre der Mann gewesen, solche Ausbreitung zu in- szenieren, die jedoch durch seinen Austritt und die bald daraut ausbrechende starke Ordensverfolgung völlig in die Brüche ging. —

Fragt man, wer gehörte alles dem Orden seiner Zeit anT so kann man mit Fug und Becht sagen, der grösste Teil der damals bekannt gewordenen, nach Aufklärung strebenden Geister. Viele fühlten sich zwar nicht befriedigt und verloren das Inter- esse bald, weil die Schulmanier der Ordensführung ihnen nicht behagte, andere wieder wurden durch die Angriffe abgeschreckt, ein bedeutender Teil empfing jedoch wertvolle Anregungen für die weitere Lebenslauf bahn und fand Gelegenheit, sie in den umwälzenden Ereignissen späterer Jahre zu verwerten.

Es heisst, der Orden sei von vielen Fürsten beschützt worden, die Mitglieder desselben waren. So sehr gross war die Anzahl fürstlicher Personen nicht, sie besteht aus folgenden: [340] — 353 —

Carl August v. Sachsen-Weimar. (Ordensname: Aeschylus.)

3. Karl August, damals Herzog zu Sachsen-Weimar, der Freund Goethes. Ordensname Aeschylus. Das Ordensarchiv enthält zwei Bilder von ihm, in älteren Lebensjahren als Gross- herzog. Da namentlich das eine, in Steindruck, selten und ori- ginell ist, ist es unsern Bildern beigefügt.

Engel, Geschichte des Illuminatenordens. 23

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1. Herzog Ferdinand von Braunschweig, den wir noch ge- nauer kennen lernen werden. Sein Ordensname war Aaron.

2. Herzog Ernst von Gotha (Thimeleon), der Beschützer Weishaupts. [341] — 354 —

4. Prinz August zu Sachsen-Gotha (Walter).

5. Prinz Carl v. Hessen.

6. Diesen könnte allenfalls, aber nicht als erblicher Fürst, Freiherr v. Dalberg, der letzte Kurfürst von Mainz und später zur Zeit Napoleons 1. Grossherzog von Frankfurt, hinzugefügt werden, damit ist die Reihe beendet.

Carl August v. Sachsen-Weimar.

Eine grosse Anzahl von Angehörigen des Adels zählte doch zu den Ordensmitgliedern, diese alle nach den noch vor handenen, wenn auch nicht erschöpfenden Listen aufzuzählen, würde den Umfang dieses Werkes, ohne wesentlichen Vorteil für den Leser, bedeutend vergrössern, es kann daher davon Ab- stand genommen werden.

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Die vielumstrittene Frage, ob Goethe Mitglied des Ordens gewesen ist, kann jetzt_ mit Bestimmtheit bejaht werden. Dokumentarische Nachweise darüber, dass, wie Perthes be- hauptet, Goethes und Herders Namen auf den Illuminatenlisten standen, waren nicht bekannt. Dennoch war stets der Schluss

Freiherr v. Dalberg. (Crescenz.)

gerechtfertigt, dass bei der engen Freundschaft zwischen Goethe und Karl August und bei der bekannten Tatsache, dass letzterer Illuminat und Maurer und Goethe Freimaurer war, wohl beide dem Orden angehört haben mögen. Beweise hierfür waren je- doch nicht bekannt, trotzdem dieselben im Logenarchiv zu Gotha ruhten. Genannte Loge bewahrt in ihrem Archiv den Revers des Ordens mit Goethes Unterschrift und Siegel. Das Doku-

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ment zeigt das Datum Weimar, den 11. Februar 1783 und ist dem schon mehrfach erwähnten Br. Bode ausgestellt und be- händigt worden, auf dessen Veranlassung auch der Herzog von Gotha und der Prinz August von Sachsen, Goethe, sowie Herder fast zur gleichen Zeit eintraten. Dass Goethe einen lebhaften Anteil an dem Orden genommen hätte, ist nicht erwiesen und infolge der bald eintretenden Verbote auch nicht anzunehmen. Sein Interesse dürfte bald erlahmt sein und die Illuminaten-Zu- gehörigkeit schlief dann ein, während die der Freimaurerei be- stehen blieb. Wohl aber dürfte anzunehmen sein, dass Weis- haupt, als er in Gotha lebte, zumal er mit dem Weimarer Hof Beziehungen unterhielt, Goethe persönlich nicht fremd geblieben ist. Hierfür sind Beweise jedoch nicht vorhanden.

Gehörte Goethe dem Orden unter dem Namen Abaris an, so ist die Frage naheliegend, ob Schiller nicht ebenfalls Illu- minat war. Es ist das nicht anzunehmen, obschon er mit Illu- minaten eng befreundet war, unter anderen auch mit Bode. Schiller schreibt an Körner aus Weimar am 10. Sept. 1787, im Anschluss an das Seite 227 bereits wiedergegebene Urteil über Weishaupt: »Bode hat mich sondirt, ob ich nicht Maurer werden wollte. Hier hält man ihn für einen der wichtigsten Menschen im ganzen Orden. Was weisst du von ihm?« —

In Schillers Briefen finden sich jedoch weitere Andeutungen nicht, folglich scheinen die Bemühungen Bodes vergebliche ge- blieben zu sein. Die Frage, ob Schiller Illuminat war, ist daher zu verneinen, trotz der in jener Zeit manchmal auftauchenden gegenteiligen Behauptung.

Ausserhalb des Adels gehörten dem Orden viele Gelehrte und Schriftsteller, sodann Künstler und Theologen an. Aus Handwerkerkreisen finden sich gar keine Namen verzeichnet. Dieser Umstand kann auch dadurch zu erklären sein, dass die Vertreter des Handwerks damals als mindergefährliche Menschen angesehen wurden, die in Listen anzuführen von der Regierung als unnötig erachtet wurde, wenigstens finden sich in den amt- lichen Listen deren Namen nicht. Ordenslisten aus jener Zeit, ausser den bei dem erschlagenen Lanz gefundenen, existieren nicht mehr.

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