Katz und Maus in Gesellschaft (1812)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
 
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Brüder Grimm
Titel: Katz und Maus in Gesellschaft
Untertitel:
aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe.
S. 6-8
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1812
Verlag: Realschulbuchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: grimms.de und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
seit 1812: KHM 2
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bild
{{{EXTERNESBILD}}}
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Katze und Maus in Gesellschaft.


[6]
2.

Katz und Maus in Gesellschaft.

Eine Katze und eine Maus wollten zusammen leben und Wirthschaft zusammen haben; sie sorgten auch für den Winter und kauften ein Töpfchen mit Fett, und weil sie keinen bessern und sicherern Ort wußten, stellten sie es unter den Altar in der Kirche, da sollt’ es stehen, bis sie sein bedürftig wären. Einstmals aber trug die Katze Gelüsten darnach, und ging zur Maus: „hör’ Mäuschen, ich bin von meiner Base zu Gevatter gebeten, sie hat ein Söhnchen geboren, weiß und braun gefleckt, das soll ich über die Taufe halten, laß mich ausgehen und halt heut allein Haus.“ – „Ja, ja, sagte die Maus, geh hin, und wenn du was Gutes issest, denk an mich, von dem süßen rothen Kindbetterwein tränk ich auch gern ein Tröpfchen.“ Die Katze aber ging geradeswegs in die Kirche und leckte die fette Haut ab, spatzirte darnach um die Stadt herum und kam erst am Abend nach Haus. „Du wirst dich recht erlustirt haben, sagte die Maus, wie hat denn das Kind geheißen?“ – „Hautab, antwortete die Katze.“ – „Hautab? das ist ein seltsamer Name, den hab’ ich noch nicht gehört.“

Bald darnach hatte die Katze wieder ein [7] Gelüsten, ging zur Maus und sprach: „ich bin aufs neue zu Gevatter gebeten, das Kind hat einen weißen Ring um den Leib, da kann ichs nicht abschlagen, du mußt mir den Gefallen thun und allein die Wirthschaft treiben.“ Die Maus sagte ja, die Katze aber ging hin und fraß den Fetttopf bis zur Hälfte leer. Als sie heim kam, fragte die Maus: „wie ist denn dieser Pathe getauft worden?“ – „Halbaus“ – „Halbaus? was du sagst! den Namen hab’ ich gar noch nicht gehört, der steht gewiß nicht im Calender.“


Die Katze aber konnte den Fetttopf nicht vergessen: „ich bin zum drittenmal zu Gevatter gebeten, das Kind ist schwarz und hat bloß weiße Pfoten, sonst kein weißes Haar am ganzen Leib, das trifft sich alle paar Jahr nur einmal, du läßt mich doch ausgehen?“ – „Hautab, Halbaus, sagte die Maus, es sind so kuriose Namen, die machen mich so nachdenksam, doch geh nur hin.“ Die Maus hielt alles in Ordnung und räumte auf, dieweil fraß die Katze den Fetttopf rein aus und kam satt und dick erst in der Nacht wieder. „Wie heißt denn das dritte Kind?“ – „Ganzaus“ – „Ganzaus! ei! ei! Das ist der allerbedenklichste Namen, sagte die Maus; Ganzaus? was soll der bedeuten? gedruckt ist er mir noch nicht vorgekommen!“ [8] damit schüttelte sie den Kopf und legte sich schlafen.

Zum viertenmal wollte niemand die Katze zu Gevatter bitten; der Winter aber kam bald herbei. Wie nun draußen nichts mehr zu finden war, sagte die Maus zur Katze: „komm wir wollen zum Vorrath gehen, den wir in der Kirche unter dem Altar versteckt haben.“ Wie sie aber hinkamen, war alles leer – „Ach! sagte die Maus, nun kommts an den Tag, du hast Alles gefressen, wie du zu Gevatter ausgegangen bist, erst Haut ab, dann Halb aus, dann“ – „Schweig still, sagte die Katze, oder ich freß dich, wenn du noch ein Wort sprichst“ – „Ganz aus“ hatte die arme Maus im Mund, und hatt’ es kaum gesprochen, so sprang die Katz’ auf sie zu und schluckte sie hinunter.

Anhang Band 1

[IV]
Zu Katz und Maus in Gesellschaft. No. 2.

Man erzählt es auch von Hähnchen und Hühnchen, die hatten einen Edelstein im Mist gefunden, beim Juwelirer verkauft ein Fetttöpfchen auf den Winter dafür erhandelt, und auf einen Schrank gestellt. Das Hühnchen frißt es nun nach und nach leer, wie das herauskommt, wird das Hähnchen [V] ganz wüthend und hackt das Hühnchen todt. Darnach aber empfindet es Reue und nun wird das Hühnchen begraben wie in No. 80.

Anhang Band 2

[LXI] Num. 2. (Katz und Maus.) wird auch vom Fuchs und Hahn erzählt, die einen Honigtopf finden. Die Kinder haben bedeutende Namen: Randaus, Halbaus, Ganzaus.


Download der Sprachversion dieses Artikels Dieser Quellentext existiert auch als Audiodatei: Sounddatei herunterladen (Lizenz), gesprochen von Liondancer.
Mehr Informationen zum Projekt Gesprochene Wikisource.