Lübecker Totentanz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
Autor: unbekannt
Titel: Lübecker Totentanz
Untertitel:
aus: Mittelniederdeutsches Lesebuch, S. 119-127
Herausgeber: Wolfgang Stammler
Auflage:
Entstehungsdatum: 1463
Erscheinungsdatum: 1921
Verlag: Paul Hartung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf commons
Kurzbeschreibung: Text des Lübecker Totentanzs von 1463
Original ursprünglich in der Lübecker Marienkirche. Erstdruck: Ludwig Suhl: Der Totentanz nach einem 320 Jahre alten Gemälde in der St. Marienkirche zu Lübeck, Lübeck 1783. Der Text wurde 1701 von den Lübecker Pastor Jakob Melle im damaligen Erhaltungszustand transkribiert.
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Bild
[[Bild:|250px]]
Bild
{{{EXTERNESBILD}}}
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Link zur Indexseite]]


[119]

Der Prediger auf der Kanzel.
Och redelike creatuer, sy arm ofte ryke,
Seet hyr dat spectel, junck unde olden,
Unde dencket hyr aen ok elkerlike,
Dat sik hyr nemant kan ontholden,

5
Wanneer de doet kumpt, als gy hyr seen.

Hebbe wi den vele gudes ghedaen,
So moghe wi wesen myt gode een,
Wy moten van allen loen untsaen.
Unde lieven kynder, ik wil ju raden,

10
Dat gi juwe scapeken verleiden nicht,

Men gude exmpel en opladen,
Eer ju de doet sus snelle bilicht!

Der Tod an alle.
To dessem dansse rope ik alghemene
Pawes, keiser unde alle creaturen,

15
Arme, ryke, grote unde klene.

Tredet vort, wente nu en helpet nen truren!
Men dencket wol in aller tyd,
Dat gy gude werke myt ju bringen
Unde juwer sunden werden quyd,

20
Wente gy moten na myner pypen springen.


Der Tod zum Papst.
Her pawes, du byst hogest nu,
Dantse wy voer, ik unde du!
Al hevestu in godes stede staen,
Een erdesch vader, ere uude werdicheit untsaen

25
Van al der werlt, du most my

Volghen unde werden, als ik sy.
Dyn losent unde bindent dat was vast,
Der hoecheit werstu nu een gast.

Der Papst.
Och here got, wat is min bate,

30
Al was ik hoch geresen in state,

Unde ik altohant moet werden
Gelik als du een slim der erden?
Mi en mach hocheit noch rickheit baten,
Wente al dink mot ik nalaten.

35
Nemet hir exempel, de na mi siet

Pawes, alse ik was mine tit!

[120]

Der Tod.
..............
..............
..............

40
.............

 .............
.............
.............
Her keiser, wi moten dansen!
Der Kaiser.

45
O dot, dyn letlike figure

Vorandert my alle myne natture.
Ik was mechtich uude rike,
Hogest van machte sunder gelike.
Koninge, vorsten unde heren

50
Mosten my nigen unde eren.

Nu kumstu, vreselike forme,
Van mi to maken spise der worme.

Der Tod.
Du werst gekoren - wil dat vroden! -
To beschermen unde to behoden

55
De hilgen kerken der kerstenheit

Myt deme swerde der rechticheit.
Men hovardie hest di vorblent,
Du hesst di sulven nicht gekent,
Mine kumste was nicht in dinem sinne! --

60
Du ker nu her, frou keiserinne!


Die Kaiserin.
Ick wet, my ment de doet!
Was ick ny vorvert so grot!
Ik mende, he si nicht al bi sinne,
Bin ik doch junck unde ok eine keiserinne.
{{Zeile|65} Ik mende, ik hedde vele macht,
Up em hebbe ik ny gedacht
Oste dat gement dede tegen mi.
Och, lat mi nach leven, des bidde ik di!

Der Tod.
Keiserinne hoch vormeten,

70
My duncket, du hest myner vorgheten.

Tred hyr an! it is nu de tyt.
Du mendest, ik svlde di schelden quit?
Nen! al werftu noch so vele,
Du most myt to dessem spele,

75
Unde gi anderen also male! - -

Halt an, volge my, her kardenale!

[121]

Der Kardinal.
Ontsarme myner, here, salt schen,
Ik kan di niegensins entflen.
Se ik vore este achter my,

80
Ik vole den dot my alle tyt by.

Wat mach de hoge staet my baten,
Den ik besat? Ik mot en laten
Unde werden unwerdiger ter stunt
Wen ein unreyne stinckende hunt.

Der Tod.

85
Du werest van state gelike

En apostel godes up ertryke,
Umme den kersten loven to sterken
Myt worden unde anderen dogentsammen werken.
Men du hest mit groter hovardichede

90
Up dinen hogen perden reden.

Des mustu sorgen nu de mere! - -
Nu tret ok vort her, konningck here!

Der König.
O dot, dyne sprake hest my vorvert,
Dussen dans en hebbik nicht gelert.

95
Hertogen, rydder unde knechte

Dagen vor my durbar gerichte,
Unde juwelik hodde sick, de worde
To sprekende, de ick node horde.
Nn komstu unvorsenlik

100
Unde berovest my al myn ryk!


Der Tod.
Al dyne danken hestu geleyt
Na werliker herlicheyt.
Wat batet? Du most in den slik,
Werden geschapen myn gelik.

105
Recht gevent unde vorkeren

Hestu under dy laten reigeren,
Den armen niegene leed want! - -
Her bischop, nu holt an de hant!
...............
...............

[Die Zeilen 109 bis 180 sind nicht erhalten]

Der Tod zum Kartäuser.
Nu tret vort, di helpet nen klagen,
Du most dyn part sulven dragen!
It sal di wesen swar,
Di mach nich volgen nar

[122]

185
Wen dine werke gut oste quat.

Din lon is na diner dat,
Nemant mach di des vorbringen. - -
Summen, kum an, ik wil di singhen!

Der Edelmann.
Dot, ik bidde di umme respyt,

190
Late mi vorhalen! Mine tyt

Ik hebbe ovel overbracht,
Sterven hadde ik klene geacht.
Mine gedanken weren, to vullenbringen
Jutto lust in idelen dingen;

105
Minen undersaten was ik swar.

Nu mot ik reisen unde wet nicht, war.

Der Tod.
Haddestu gedelt van dinem gode
Den armen, so were di wol to mode.
De klegeliken klagen er gebreken,

200
Nuwerle mochtestu se horen spreken.

Dines pachtes werstu gewert.
Na mi haddestu ninen begert,
Dat ik ens umme kame to hants. - -
Kanonik, tret her an den dans!

Der Domherr.

205
Mi dunkt, it is mi noch to vroch,

Van minen prunden hadde ik genoch
To bruken went her min leven,
Late mi des dansses noch begheven!
Nu scholde ik vullen min schrin.

210
Dine velen worde don mi grote pin.

Late mi doch gade denen bat,
Den ik in miner joget vorgat.
.................
.................

[Die Zeilen 213 bis 228 sind nicht erhalten]

Der Tod zum Bürgermeister.
Grot lon schaltu entfan.

230
Vor din arbeit, dat du hefft ghedan,

Wil di god dusentvult belonen
Unde in deme ewighen levende kronen!
Mer dine bedrechlicheit darmede
Mochte di bringen in groten unvrede.

235
Wultu umme dine sunde ruwich sin! - -

Völqhe na, meister medicin!

[123]

Der Arzt.
Ik hadde wol vordrach, mochte it wesen,
Vele minsken hebbe ik ghenesen,
De van groter suke leden not.

240
Mer jegen di klene noch grot

En helpet nine kunst noch medicin.
Nu bevole ik mi sulven de pin,
Van deme dode bin ik beseen,
Wat ordel dat mi schal bescheen.

Der Tod.

245
Recht ordel schaltu entfan

Na den werken, de du hefft ghedan.
Du hefft ghedan, dat god wol wet,
Mengen in grot eventur gheset,
Den armen swarlik beschat,

250
Des he vaken billik hadde to bat,

Al nemestu grote summen darvan. - -
Wokerer, volghe van stunden an!

Der Wucherer.
O du aller unvormodeste dot,
Up di en dacht ik klene noch grot!
Ik hebbe al min gut vorsaden,
Mine bone sint vul kornes geladen.
Mot ik nu sterven, dat is mi swar,
Unde latent hir und wet nicht, war,
Ik en wet nicht, war ik henne mot!

260
Vorbarme miner, her, dor dinen dot!


Der Tod.
Vorkerde dor, olt van jaren,
Anders hefftu nicht uterkaren
Den dat gut up desser erden!
Ik wet nicht, wat van di sal werden.

265
Up mi so haddestu klene acht,

Noch to stervende nicht gedacht.
Nu mustu int ander lant. - -
Her kappelan, lange her de hant!

Der Kaplan.
Ach leider wo quelet mi de dot!

270
Ik hebbe last van sunden grot,

Slaplik hebbe ik gequiten,
Ik vruchte, god schalt nummer witen.

[124]

De werelt, de viant unde dat vlesch
Hebbet bedraghen minen gest.
{{Zeile|275}]Wat schal mi nu dat gut,
Wente ik it hir al laten mot!

Der Tod.
Haddestu van joget up gade bet,
Recht vor dine ogen geset
Unde vlitliken gelert,

280
Dar du mennich wort hefft vorkert,

Dat volk bracht to gode,
Dat were gut! Nu schedestu unnode!
It mot sin suuder beiden! - -
Kopman, wilt di ok bereiden!

Der Kaufmann.

285
It is mi verne, bereit to sin.

Na gude hebbe ik gehat pin
To lande unde tor see,
Dor wind, regen unde snee,
Nin reise wart mi so swar.

290
Mine rekenscop is nicht klar;

Hadde ik mine rekenscop ghedan,
So mochte ik vrolik mede ghan.

Der Tod.
Hefftu anders nicht bedreven
In kopenscop, alse di was gheven,
It sal di wesen vullkomenheit,
Wen alle dink to richte steit,
Hefftu di so vorwart
Unde din dink gans wol geklart.
Westu anders, dat is nicht gut. - -

300
Koster, kum, it wesen mot!


Der Küster.
Ach, dot, mot it sin gedan,
Nu ik erst to denen began?
In miner kosterie mende ik klar,
Noch hogher to komen vorwar.

305
En grot officium was min sin,

Also mi dunkt, so krige ik nin.
Ik mach des nicht gebruken,
De dot wil mi vorsluken!

[125]

Der Tod.
Al werstu hogher geresen,

310
In groter var mustestu wesen.

It is diner sele meiste prosit,
Dat gi nicht hogher resen sit.
Volghe na in mine partie,
Wente hoch sin maket hovardie!

315
Dat is al jeghen god. - -

Amtman, tret an, it is nen spot!

Der Handwerker.
Ach leider, wat schal mi bescheen!
Ovel hebbe ik mi vorgeseen
Unde hebbe mi ser ovel bedacht,

320
Min hantwerk so truwe nicht nagetracht,

Dat gud prisede ik sere.
Nu bidde ik di, leve here,
Du mi de sunde wilt vorgheven
Unde late mi in din ewige leven!

Der Tod.

325
Si amteslude alghemeine

Achten vele dinges kleine,
Dat gi einen anderen bedreghen
Unde vaken darinne leghen.
Up sterven hebbe gi nicht gepast,

330
Juwe sele ser belast,

Dat wil juwer selc wesen swar ! - -
Klusenaer, volghe naer!

Der Klausner.
To sterven dat is mi nicht leit,
Were ik van binnen bereit,

335
Were mine conciencien wol purgert.

De viant heft mi tentert
Mit menniger temptacie swar.
Vorbarme di, her, openbar
Ik di bekenne mine sund!

340
Wes my gnedich tor lesten stund!


Der Tod.
Du machst wol danssen blidelik,
Di hort dat hemmelske rik.
Dat arbeit, dat du hesst ghedan,
Sal diner selen lustende stan.

345
Deden se alle so, it scholde en vromen,

Er scholde nicht vele ovel komen,
Men it worde mengen sur. - -
Kum to min reigen, veltgebur!

[126]

Der Bauer.
Des dansses neme ik wohl respit.

350
Noch hebbe ik mine tyt

Mit arbeide henghebracht
Unde ghedacht dach unde nacht,
Wo ik min lant mochte begaden,
Dat it mit vrucht worde gcladcn,

355
To betalen mine pacht.

Den dot hebbe ik nicht geacht.

Der Tod.'
Grot arbeit hefftu ghedan.
God wil di nicht vorsman
Mit dinem arbeide unde not.

360
It is recht, ik segge di blot,

God wilt di betalen
In sinen oversten salen.
Vruchte nicht en twink! - -
Tret her, jungclink!

Der Jüngling.

365
Der werlde lust mi nu smaket,

Du hefft de tyt ovel raket,
Du kumpst slikende her ghegan
Unde wult mi in diu nette beslan.
De werlde mi lavet heil,

370
Bedrucht se mi, so is se feil.

Wike wech, late mi ruseleren!
Int older wil ik mi bekeren.

Der Tod.
In der nacht, der deve gank,
slikende is min ummewank.

375
Ein junk man sik bi tidcn ker

To gade, sin luste dregen ser.
Hir is nene blivende stat.
Haddestu mest der werlde hat,
Were di beter unde er minne! - -

380
Junkvrou, mit di ik danssen beghinne!


Die Jungfrau.
Des reiges were ik onich gherne,
Ik junghe schone derne,
Ik hadde merket der werlde lust,
Van diner kumpst nicht gewust.

385
Nu kumpstu snel unde mi vorvest,

Ik wuste nicht, dattu hir werst.

[127]

Were ik ene klostervrowe worden,
So trede ik vro in dinen orden.
......................
......................

Das Kind.

397
O dot, wo schal ik dat vorstan?

Ik schal dansen unde kan nicht gan!
.......................
........................

Anno domini mcccclxiij in vigilia assumcionis Marie.

Persönliche Werkzeuge