Lutherbibel

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Martin Luther

Biblia:

das ist:

die gantze Heilige Schrifft

Deudsch. Mart. Luth. Wittemberg.

[1534/1546]

Lutherbibel
Das Newe Testament Deutzsch (1522/1546)
(Evangelien)
Matthäus 1522 1546
Markus 1522 1546
Lukas 1522 1546
Johannes 1522 1546
(Apostelgeschichte)
Apostelgeschichte 1522 1546
(Paulusbriefe)
Römer 1522 1546
1. Korinther 1522 1530 1546
2. Korinther 1522 1546
Galater 1522 1546
Epheser 1522 1546
Philipper 1522 1546
Kolosser 1522 1546
1. Thessalonicher 1522 1546
2. Thessalonicher 1522 1546
1. Timotheus 1522 1546
2. Timotheus 1522 1546
Titus 1522 1546
Philemon 1522 1546
(Petrusbriefe)
1. Petrus 1522 1546
2. Petrus 1522 1546
(Johannesbriefe)
1. Johannes 1522 1546
2. Johannes 1522 1546
3. Johannes 1522 1546
(Brief an die Hebräer)
Hebräer 1522 1546
(Jakobus und Judas)
Jakobus 1522 1546
Judas 1522 1546
(Offenbarung)
Offenbarung 1522 1530 1546


Das Newe Testament Deutzsch[Bearbeiten]

Vuittemberg. [1522 / 1546]

Martinus Luther.

Ich bitte, alle meine freunde vnd feinde, meine meister, drucker, vnd leser, wolten dis new testament lassen mein sein, Haben sie aber mangel dran, das sie selbs ein eigens fuer sich machen, Jch weis wol, was ich mache, sehe auch wol, was ander machen, Aber dis Testament sol des Luthers deudsch Testament sein, Denn meisterns vnd kluegelns ist itzt, widder masse noch ende.

Vnd sey jederman gewarnet fur andern exemplaren, Denn ich bisher wol erfaren, wie vnvleissig vnd falsch vns andere nachdrucken.


Vorrhede.[Bearbeiten]

Es were wol recht vnd billich, das dis buch on alle vorrhede vnnd frembden namen außgieng, vnnd nur seyn selbs eygen namen vnd rede furete, Aber die weyl durch manche wilde deuttung vnd vorrhede, der Christen synn da hyn vertrieben ist, das man schier nit mehr weys, was Euangeli oder gesetz, new oder alt testament, heysse, fodert die noddurfft eyn antzeygen vnd vorrhede zu stellen, da mit der eynfelltige man, aus seynem allten wahn, auff die rechte ban gefuret vnd vnterrichtet werde, wes er ynn disem buch gewartten solle, auff das er nicht gepott vnnd gesetze suche, da er Euangeli vnd verheyssung Gottis suchen sollt.

Darumb ist auffs erste zu wissen, das abtzuthun ist der wahn, das vier Euangelia vnd nur vier Euangelisten sind, vnd gantz zuverwerffen, das etlich des newen testaments bucher teyllen, ynn legales, historiales, Prophetales, vnnd sapientiales, vermeynen damit (weyß nicht wie) das newe, dem alten testament zuuergleychen, Sondern festiglich zu halten, das gleych wie das allte testament ist eyn buch, darynnen Gottis gesetz vnd gepot,da neben die geschichte beyde dere die selben gehallten vnd nicht gehallten haben, geschrieben sind, Also ist das newe testament, eyn buch, darynnen das Euangelion vnd Gottis verheyssung, danebe auch geschichte beyde, dere die dran glewben vnd nit glewben, geschrieben sind, Also das man gewisß sey, das nur eyn Euangelion sey, gleych wie nur eyn buch des newen testaments, vnd nur eyn glawb, vnd nur eyn Gott, der do verheysset.

Denn Euangelion ist eyn kriechisch wortt, vnd heyst auff deutsch, gute botschafft, gute meher, gutte newzeytung, gutt geschrey, dauon man singet, saget vnd frolich ist, gleych als do Dauid den grossen Goliath vberwand, kam eyn


gutt geschrey, vnd trostlich newtzeyttung vnter das Judisch volck, das yhrer grewlicher feynd erschlagen, vnd sie erloset, zu freud vnd frid gestellet weren, dauon sie sungen vnd sprungen vnnd frolich waren, Also ist dis Euangelion Gottis vnnd new testament, eyn gutte meher vnd geschrey ynn alle wellt erschollen durch die Apostell, von eynem rechten Dauid, der mit der sund, tod vnnd teuffel gestritten, vnd vberwunden hab, vnnd damit alle die, ßo ynn sunden gefangen, mit dem todt geplagt, vom teuffel vberweldiget gewesen, on yhr verdienst erloset, rechtfertig, lebendig vnd selig gemacht hat, vnd da mit zu frid gestellet, vnd Gott wider heym bracht, dauon sie singen, dancken Gott, loben vnd frolich sind ewiglich, ßo sie des anders fest glawben, vnd ym glawben bestendig bleyben.

Solch geschrey vnd trostliche mehre odder Euangelisch vnd Gotlich newzeyttung, heyst auch eyn new testament, darumb, das gleych wie eyn testament ist, wenn eyn sterbender man seyn gutt bescheydet nach seynem todt den benandten erben aus zu teylen, Also hatt auch Christus fur seynem sterben befolhen vnd bescheyden, solchs Euangelion nach seynem todt, aus zuruffen ynn alle wellt, vnd damit allen, die do glewben, zu eygen geben alles seyn gutt, das ist, seyn leben da mit er den todt verschlungen, seyn gerechtigkeyt da mit er die sund vertilget, vnd seyn seligkeyt damit er die ewige verdamnis vberwunden hat, Nu kan yhe der arme mensch, ynn sunden, todt vnd zur helle verstrickt, nichts trostlichers horen, denn solch thewre lieblich botschafft von Christo, vnd mus seyn hertz von grund lachen vnd frolich druber werden, wo ers glewbt das war sey.

Nu hat Gott solchen glawben zu stercken, dises seyn Euangelion vnd testament viel felltig ym allten testament durch die propheten versprochen, wie Paulus sagt Ro .1. Jch byn aussgesondert zu predigen das Euangelion Gottis, wilchs er zuuor verheyssen hat durch seyne propheten ynn der heyligen schrifft, von seynem son der yhm geporn ist von dem samen etce. Vnnd das wyr der etlich antzihen, hat ers am ersten versprochen, da er sagt zu der schlangen Gen̄. 3. Jch will feyndschafft legen zwischen dyr vnd eynem weyb, zwisschen deynem samen vnd yhrem samen, der selb soll dyr deyn hewbt zutretten, vnd du wirst yhm seyn solen zutretten, Christus ist der same dises weybs, der dem teuffel seyn heubt, das ist, sund, tod, helle vnd alle seyne krafft zurtretten hatt, Denn on disen Samen kan keyn mensch der sund, dem todt, der hellen entrynnen.


Jtem Gen̄ .22. versprach ers zu Abraham, Ynn deynem samen sollen alle geschlecht auff erden gesegnet werden, Christus ist der same Abrahe, spricht Sanct Paulus Gal .3. Der hat alle wellt gesegnet, durchs Euangelion, Denn wo Christus nit ist, da ist noch der fluch, der vber Adam vnd seyne kinder fiel, da er gesundigt hatte, das sie altzumal der sunde, des tods, vnd der hellen schuldig vnnd eygen seyn mussen, Widder den fluch, segenet nu das Euangelion alle wellt, damit, das es rufft offentlich, wer an disen samen Abrahe glewbt, sol gesegnet, das ist, von sund, tod vnd helle, los seyn, vnd rechtferttig, lebendig vnd selig bleyben ewiglich, wie Christus selb sagt Johan .11. Wer an mich glewbt, der wirt nymmer mehr sterben.

Jtem ßo versprach ers Dauid .2. Reg .17. da er sagt, Jch will erwecken deynen samen nach dyr, der soll myr eyn haus bawen, vnnd ich will seyn reich festigen ewiglich, Jch will seyn vater seyn vnnd er soll meyn son seyn, etce. Das ist das reich Christi, dauon das Euangelion lautt, eyn ewiges reich, Eyn reich des lebens, der seligkeyt vnd gerechtigkeyt, dareyn komen aus dem gefengnis der sund vnnd todt, alle die da glewben, Solcher verheyssung des Euangeli, sind viel mehr auch ynn den andern propheten, als Micheas .5. Vnd du Bethlehem du bist kleyn vnter den tausenten Juda, aus dyr soll myr ko-men, der eyn hertzog sey meyns volcks Jsrael, Jtem Osee .13. Jch will sie von der hand des todts erlosen, vom todt will ich sie erredten.

So sehen wyr nu, das nicht mehr, denn ein Euangelion ist, gleych wie nur eyn Christus, Syntemal Euangelion nichts anders ist noch seyn kan, denn eyn predigt von Christo Gottis vnd Dauids son, war Gott vnd mensch, der fur vns mit seym sterben vnd aufferstehen, aller menschen sund tod vnd helle vberwunden hat, die an yhn glewben, das also, das Euangeli eyn kurtz vnd lang rede mag seyn, vnd eyner kurtz, der ander lange, beschreyben mag. Der beschreybts lange, der viel werck vnd wort Christi beschreybt, als die vier Euangelisten thun, Der beschreybts aber kurtz, der nicht von Christus wercken,


sondern kurtzlich antzeygt, wie er durchs sterben vnd aufferstehen, sund tod vnd helle vberwunden habe, denen die an yhn glawben, wie Petrus vnd Paulus.

Darumb sihe nu drauff, das du nit aus Christo eyn Mosen machist, noch aus dem Euangelio eyn gesetz oder lere buch, wie bis her geschehen ist, vnd ettlich vorrhede auch Sanct Hieronymi sich horen lassen, Denn das Euangeli foddert eygentlich nicht vnser werck, das wyr da mit frum vnd selig werden, ia es verdampt solche werck, sondern es foddert nur glawben an Christo, das der selb fur vns, sund, tod vnd helle vberwunden hat, vnd also vns nicht durch vnsere werck, sondern durch seyne eygen werck sterben vnd leyden, frum lebendig vnd selig macht, das wyr vns seynes sterbens vnd vberwyndens mugen annehmen, als hetten wyrs selber than.

Das aber Christus ym Euangelio, datzu Petrus vnnd Paulus viel gesetz vnd lere geben, vnd das gesetze auß legen, soll man gleych rechnen allen andern wercken vnd wolthatten Christi, Vnd gleych wie seyne werck vnd geschichte wissen, ist noch nit das rechte Euangelion wissen, denn damit weystu noch nicht, das er die sund todt vnd teuffel vberwunden hat, also ist auch das noch nicht das Euangelion wissen, wenn du solche lere vnd gepott weyssist, sondern wenn die stymme kompt, die da sagt, Christus sey deyn eygen mit leben, leren, wercken, sterben, aufferstehen vnnd alles was er ist, hat, thutt vnd vermag.

Also sehen wyr auch, das er nit dringet, sondern freuntlich locket vnd spricht, Selig sind die armen etce. Vnd die Apostel brauchen des worts Jch ermane, ich flehe, ich bitte, Das man allenthalben sihet, wie das Euangelion nicht eyn gesetz buch ist, ßondern nur eyn predigt von den wollthatten Christi vns ertzeyget vnd zu eygen geben, so wyr glewben. Moses aber ynn seynen buchern, treybt, dringt, drewet, schlecht vnd strafft grewlich, denn er ist eyn gesetz schreyber vnnd treyber, Daher kompts auch, das eym glewbigen keyn gesetz geben ist, wie Sanct Paulus sagt .1. Timo .1. Darumb das er durch den glawben gerecht lebendig vnd selig ist. Vnnd ist yhm nit mehr nott, denn das er solchen glawben beweyße.

Ja wo der glawbe ist, kan er sich nit halten, er beweyßet sich, bricht eraus, vnnd bekennet vnd leret solch Euangelion fur den leutten vnd waget seyn leben dran, Vnnd alles was er lebet vnd thutt, das richtet er zu des nehisten nutz, yhm zu helffen, nicht alleyn auch zu solcher gnade zu komen, sondern auch mit leyb, gut, vnd ehre, wie er sihet, das yhm Christus than hat, vnd folget also dem exempel Christi nach,


Das meynet auch Christus, da er zur letze keyn ander gepot gab, denn die liebe, daran man erkennen solte, wer seyne iunger weren vnd rechtschaffne glewbigen, denn wo die werck vnd liebe nicht eraus bricht, da ist der glawbe nicht recht, da hafftet das Euangelion noch nit, vnnd ist Christus nicht recht erkant. Sihe, nu richte dich alßo ynn die bucher des newen testaments, das du sie auff diße weyße zu leßen wyssest.

wilchs die rechten vnd Edlisten bucher des newen testaments sind.

Avs disem allen kanstu nu recht vrteylen vnter allen buchern, vnd vnterscheyd nehmen, wilchs die besten sind, Denn nemlich ist Johannis Euangelion vnnd Sanct Paulus Epistelln, sonderlich die zu den Romern, vnd sanct Peters erste Epistel der rechte kern vnd marck vnter allen buchern, wilche auch billich die ersten seyn sollten, Vnd eym iglichen Christen zu ratten were, das er die selben am ersten vnd aller meysten lese, vnd yhm durch teglich leßen so gemeyn mechte, als das teglich brott, Denn ynn disen findistu nicht viel werck vnnd wunderthatten Christi beschrieben, Du findist aber gar meysterlich außgestrichen, wie der glawbe an Christum, sund, tod vnd helle vberwindet, vnd das leben, gerechtigkeyt vnnd seligkeyt gibt, wilchs die rechte artt ist des Euangeli, wie du gehoret hast.

Denn wo ich yhe der eyns mangelln sollt, der werck odder der predigt Christi, ßo wollt ich lieber der werck, denn seyner predigt mangelln, Denn die werck hulffen myr nichts, aber seyne wort die geben das leben, wie er selbs sagt. Weyl nu Johannes gar wenig werck von Christo, aber gar viel seyner predigt schreybt, widderumb die andern drey Euangelisten viel seyner werck, wenig seyner wort beschreyben, ist Johannis Euangelion das eynige zartte recht hewbt Euangelion vnd den andern dreyen weyt weyt fur zu zihen vnd hoher zu heben, Also auch Sanct Paulus vnd Petrus Epistelln, weyt vber die drey Euangelia Matthei, Marci vnd Luce furgehen.

Summa, Sanct Johannis Euangeli vnd seyne erste Epistel, Sanct Paulus Epistel, sonderlich die zu den Romern, Galatern, Ephesern, vnnd Sanct Peters erste Epistel, das sind die bucher, die dyr Christum zeygen, vnd alles leren, das dyr zu wissen nott vnd selig ist, ob du schon kein ander buch noch lere nummer sehest noch horist, Darumb ist sanct Jacobs Epistel eyn rechte stroern Epistel gegen sie, denn sie doch keyn Euangelisch art an yhr hat, Doch dauon weytter ynn andern vorrheden.

Die Bucher des newen testaments.[Bearbeiten]

  • 1 Euangelion Sanct Matthes.
  • 2 Euangelion Sanct Marcus.
  • 3 Euangelion Sanct Lucas.
  • 4 Euangelion Sanct Johannis.
  • 5 Der Apostel geschicht beschrieben von Sanct Lucas.
  • 6 Epistel Sanct Paulus zu den Romern.
  • 7 Die erste Epistel Sanct Paulus zu den Corinthern.
  • 8 Die ander Epistel Sanct Paulus zu den Corinthern.
  • 9 Epistel Sanct Paulus zu den Galatern.
  • 10 Epistel Sanct Paulus zu den Ephesern.
  • 11 Epistel Sanct Paulus zu den Philippern.
  • 12 Epistel Sanct Paulus zu den Colossern.
  • 13 Die erste Epistel Sanct Paulus zu den Thessalonicern.
  • 14 Die ander Epistel Sanct Paulus zu den Thessalonicern.
  • 15 Die erst Epistel Sanct Paulus an Timotheon.
  • 16 Die ander Epistel Sanct Paulus an Timotheon.
  • 17 Epistel Sanct Paulus an Titon.
  • 18 Epistel Sanct Paulus an Philemon.
  • 19 Die erst Epistel Sanct Peters.
  • 20 Die ander Epistel Sanct Peters.
  • 21 Die erste Epistel Sanct Johannis.
  • 22 Die ander Epistel Sanct Johannis.
  • 23 Die drit Epistel Sanct Johannis.
  • Die Epistel zu den Ebreern.
  • Die Epistel Jacobus.
  • Die Epistel Judas.
  • Die offinbarung Johannis.


Vorrede auff das newe Testament.[Bearbeiten]

Alt Testament. Gleich wie das alte Testament ist ein Buch, darinnen Gottes gesetz vnd Gebot, da neben die Geschichte, beide dere, die die selbigen gehalten vnd nicht gehalten haben, geschrieben sind New Testament. Also ist das newe Testament ein Buch, darinnen das Euangelium vnd Gottes verheissung, da neben auch Geschichte, beide dere, die daran gleuben vnd nicht gleuben, geschrieben sind.

Euangelium. DEnn Euangelium ist ein Griechisch wort, vnd heisset auff Deudsch, gute Botschafft, gute Mehre, gute Newezeitung, gut Geschrey, dauon man singet, saget vnd froelich ist. Als da Dauid den grossen Goliath vberwand, kam ein gut Geschrey vnd troestliche Newezeitung vnter das Juedische volck, das jr grewlicher Feind erschlagen, vnd sie erloeset, zu freude vnd friede gestellet weren, Dauon sie sungen vnd sprungen, vnd froelich waren.

ALso ist dis Euangelium Gottes vnd new Testament, ein gute mehre vnd geschrey, in alle Welt erschollen, durch die Apostel, von einem rechten Dauid, der mit der Suende, Tod vnd Teufel gestritten, vnd vberwunden habe, Vnd damit alle die, so in Suenden gefangen, mit dem Tode geplaget, vom Teufel vberweldiget gewesen, on jr verdienst, erloeset, gerecht, lebendig vnd selig gemacht hat, vnd damit zu friede gestellet, vnd Gott wider heimbracht. Dauon sie singen, dancken, Gott loben vnd froelich sind ewiglich, So sie das anders feste gleuben, vnd im glauben bestendig bleiben.

Euangelium vnd new Testament ist ein ding. Solch geschrey vnd troestliche mehre, oder Euangelische vnd goettliche newezeitung, heisst auch ein new Testament, darumb, das gleich wie ein Testament ist, wenn ein sterbender Man sein gut bischeidet, nach seinem tode den benanten Erben aus zu teilen, Also hat auch Christus vor seinem sterben befolhen vnd bescheiden, solchs Euangelium nach seinem Tode auszuruffen in alle Welt. Vnd damit allen, die da gleuben, zu eigen gegeben alles sein Gut, Das ist, sein Leben, damit er den Tod verschlungen, seine Gerechtigkeit, damit er die Suende vertilget, vnd seine Seligkeit, damit er die ewige Verdamnis vberwunden hat. Nu kan je der arme Mensch, in Suenden, Tod vnd zur Helle verstricket, nichts troestlichers hoeren, denn solche thewre, liebliche botschafft von Christo, Vnd mus sein hertz von grund lachen vnd froelich darueber werden, wo ers gleubet, das war sey.

Euangelium durch die Propheten verheissen. NV hat Gott solchen glauben zu stercken, dieses sein Euangelium vnd Testament vielfechtig im alten Testament, durch die Propheten verheyssen, Wie S. Paulus sagt Rom. j. Jch bin ausgesondert zu predigen das Euangelium Gottes, welchs er zuuor verheissen hat durch seine Propheten, in der heiligen Schrifft, von seinem Son, der jm geboren ist von dem samen Dauid etc.

Christus des Weibs same. Vnd das wir der etliche anzeigen, Hat ers am ersten verheissen, da er saget zu der Schlangen, Gen. iij. Schlangen Kopff. Jch wil Feindschafft setzen zwischen dir vnd dem Weibe, vnd zwischen deinem Samen vnd jrem Samen, Der selb sol dir den Kopff zutretten, Vnd du wirst jn in die Versen stechen. Christus ist der Same dieses Weibes, der dem Teufel sein Kopff, das ist, Suende, Tod, Helle, vnd alle seine Krafft zutretten hat, Denn on diesen Samen kan kein Mensch der Suende, dem Tod, noch der Hellen entrinnen.


Christus hat alle Welt gesegnet. JTem, Gen. xxij. verhies ers Abraham, Durch deinen Samen, sollen alle Voelcker auff Erden gesegnet werden. Christus ist der same Abrahe, spricht S. Paulus Gal. iij. Der hat alle Welt gesegnet, durchs Euangelium. Denn wo Christus nicht ist, da ist noch der Fluch, der vber Adam vnd seine Kinder fiel, da er gesuendiget hatte, das sie alle zumal der Suende, des Tods, vnd der Hellen schueldig vnd eigen sein muessen. Wider den Fluch, segnet nu das Euangelium alle Welt, da mit, das es rueffet oeffentlich, Wer an diesen Samen Abrahe gleubet, sol gesegnet sein, das ist, von Suende, Tod vnd Helle los sein, vnd gerecht, lebendig vnd selig bleiben ewiglich. Wie Christus selbs sagt, Johan. xj. Wer an mich gleubet, der wird nimer mehr sterben.

JTem, So verhies ers Dauid ij. Sam. vij da er saget, Jch wil erwecken deinen Samen nach dir, Der sol meinem Namen ein Haus bawen. Vnd ich wil den Stuel seines Koenigreichs bestetigen ewiglich. Reich Christi, ein reich des lebens &c.. Jch wil sein Vater sein, vnd er sol mein Son sein etc. Das ist das reich Christi, dauon das Euangelium lautet, ein ewiges Reich, ein Reich des Lebens, der Seligkeit vnd Gerechtigkeit, dar ein komen aus dem Gefengnis der Suende und Todes, alle die da gleuben.

SOlcher verheissung des Euangelij, sind viel mehr auch in den andern Propheten Als Michea .v. Vnd du Bethlehem Ephrata, die du klein bist, gegen den tausenten in Juda, Aus dir sol mir komen, der in Jsrael Herr sey.

JTem, Hosee am xiij. Jch wil sie erloesen aus der Hellen, vnd vom Tod erretten. Tod ich wil dir ein gifft sein, Helle ich wil dir ein Pestilentz sein.

Euangelium. So ist nu das Euangelium nichts anders, denn eine predigt von Christo, Gottes vnd Dauids Son, warem Gott vnd Mensch, der fur vns mit seinem sterben vnd aufferstehen, aller menschen Suende, Tod vnd Helle vberwunden hat, die an jn gleuben. Das also das Euangelium eine kurtze vnd lange Rede mag sein, vnd einer kurtz, der ander lang beschreiben mag. Der beschreibets lang, der viel werck vnd wort Christi beschreibet, als die vier Euangelisten thun. Der beschreibets aber kurtz, der nicht von Christus wercken, sondern kuertzlich anzeiget, wie er durch sein sterben vnd aufferstehen, Suende, Tod vnd Helle vberwunden habe, denen, die an jn gleuben, wie S. Petrus vnd Paulus.

Aus Christo sol man nicht Mosen machen etc. DArumb sihe nu drauff, Das du nicht aus Christo einen Mosen machest, noch aus dem Euangelio ein Gesetz oder Lerebuch, wie bis her geschehen ist, vnd etliche Vorrede auch S. Hieronymi sich hoeren lassen. Euange. foddert nicht vnser werck, sondern den glauben etc. Denn das Euangelium foddert eigentlich nicht vnser werck, das wir da mit from vnd selig werden, Ja es verdampt solche werck, Sondern es foddert den glauben an Christo, Das derselbige fur vns, Suende, Tod vnd Helle vberwunden hat, vnd also vns nicht durch vnser werck, sondern durch sein eigenwerck, sterben vnd leiden, from, lebendig vnd selig machet, Das wir vns seines sterbens vnd Siegs muegen annemen, als hetten wir selbs gethan.

Gesetz vnd Gebot im Euangelio. Das aber Christus im Euangelio, dazu S. Petrus vnd Paulus viel Gebot vnd Lere geben, vnd das Gesetz auslegen, Sol man gleich rechnen allen andern wercken vnd wolthaten Christi Euangelium wissen. Vnd gleich wie seine werck vnd Geschichte wissen, ist noch nicht das rechte Euangelium wissen, Denn da mit weistu noch nicht, das er die Suende, Tod vnd Teufel vberwunden hat. Also ist auch das noch nicht das Euangelium wissen, wenn du solche Lere vnd Gebot weissest, Sondern wenn die stim kompt, die da sagt, Christus sey dein eigen mit leben, leren, wercken, sterben, aufferstehen, vnd alles was er ist, hat, thut vnd vermag.

Christus locket freundlich. ALso sehen wir auch, Das er nicht dringet, sondern freundlich locket, vnd spricht, Selig sind die Armen etc. Euangelium.Moses treibet. Vnd die Apostel brauchen des worts, Jch ermane, ich flehe, ich bitte, Das man allenthalben sihet, wie das Euangelium, nicht ein Gesetz buch ist, sondern eigentlich ein predigt von den wolthaten Christi, vns erzeigt vnd zu eigen gegeben, so wir gleuben. Moses aber in seinen Buechern treibet, dringet, drewet, schlecht vnd straffet grewlich, denn er ist ein Gesetzschreiber vnd Treiber.

DAher kompts auch, das einem Gleubigen kein Gesetz gegeben, da durch er gerecht werde fur Gott, wie S. Paulus sagt, j Timoth. j Glaube ist nicht muessig. Darumb das er durch den glauben gerecht, lebendig vnd selig ist. Vnd ist jm nicht mehr not, denn das er solchen glauben mit wercken beweise Ja wo der glaube ist, kan er sich nicht halten, er beweiset sich, bricht er aus durch gute werck, bekennet vnd leret solch Euangelium fur den Leuten, vnd waget sein leben dran Vnd alles was er lebet vnd thut, das richtet er zu des Nehesten nutz, jm zu helffen. Nicht alleine auch zu solcher gnade zu komen, Sondern auch mit leib, gut vnd ehre, wie er sihet, das jm Christus gethan hat, vnd folget also dem exempel Christi nach.

DAS meinet auch Christus, da er zur letze kein ander Gebot gab, denn die Liebe, daran man erkennen solte, wer seine Juenger weren, vnd rechtschaffene gleubigen. Denn wo die werck vnd liebe nicht er aus bricht, da ist der glaube nicht recht, da hafftet das Euangelium noch nicht, vnd ist Christus nicht recht erkandt. Sihe, nu richte dich also, in die Buecher des newen Testaments, das du sie auff diese weise zu lesen wissest.

Weblinks[Bearbeiten]