Reimchronik über die Burgunderkriege (Pfettisheim)
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
|
[12]
Czuo lob vnd er der trinitöt 5
Also der mensch vnd lobe got,Dar zuo ouch halte sin gebott, 10
Frowlichem stam ouch er bewysen.Ein yder, der deß glichen pflicht, 15
So dick es sich von sünden kort,Hat gott jr stym gar bald erhort. 20
Was yetz der welt begeren ist;Wann hochfart vnd der über muot 25
Der dörst ein zyt jn disem landNicht wonen vmb sin gorsse[1] schand. 30
Vnd meint, die wyl er wer so wyt[13]
Solt man sin dester e vergessen. 35
Wolt ein lant vogtig verpfendenIm sunckow vnd an selben enden. 40
Wan der dar zuo genöuget wer,Ich hett nicht gar verloren. 45
Wie hagenbach im suntgow wer
50
Den bösen pfennig wolt er hanVnd fing vil nüwer schaczung an, 55
Als wer es jm jm hertzen;Do er das grasß hergriffen hat, 60
Sin hochfart nam ein ende.Sie mochtent nymmen gelyden daz [14]
Sü leiten in gefangen snell 65
Man zoch in vff, er schrey so hell,Sin stymm die hort man schallen. 70
Er mocht sie nicht Erfüllen.
75
Im schach genodZuo brisach In dem felde. 80
Ouch .lxx. vier gar offembor /Vil welt kam dar / 85
An siner armen selen.Er muost on zwyfel müssig sin / 90
Ist nicht daron /Gar billich ser herfrowet / [15]
95
Ob sich die sach also begab,Die lant schaff sich beclaget, 100
Mit andern bunds genossenGon basel fuogten sie do sich, 105
Er wolt daz gelt nicht / das ist war,Sin hochmuot wolt er triben. 110
Vnd ließ glück inher traben.
115
Gesthach als in dem selben ior,Als ich hab hie vor gemeldt. 120
Villicht mynder dry wochen,Vnd die von nüsß gar offembor 125
Des frowt sich nüsß von hertzen gar,Als des gewilds der ieger. [16]
Ein legat[8] wasß ouch stets do by, 130
Den friden wolt er meren.
135
Wychen bald vß dem leger sinVnd die von nüsß nicht irret. 140
Vor nüsß, der was gar clein,Die frummen lüt all in der stat 145
Do czoch der bunt in grosser erIn ober burgundschen landen. 150
Mitt lantzen vnd mit spiessen. 155
Die büchsen ruckt man zuo dem sloßBy Ellekurt an graben, [17]
Ein büchß von basel lag do vor 160
Vnd ketterlin von Enße,Der struß von straßburg snurte zwor[13] 165
Er clopft so gröblich an die statRecht als ein grober meyer. 170
Vnd rittent durch die finde.
175
Hertzog reiharts gantz fürstentum,Dar zuo all sine slosse. 180
Das hatt er von keim narren.Burgunscher fürst meint do zuo stund 185
Etliche sluogent do den muff[16]Vnd warend gantz verdrossen. 190
Die tütschen müstenn hangenn.[18]
Dar noch zuor nehsten summer zyt 195
Gar bald gewann man etlich slosßIn einer kurtzen wyle, 200
Der hertzog von burgunde,Als seit gar mancher clappermann[19] 205
Dar zuo so bleib jr wenig vß,Ouch was ir keir gefangenn. 210
Die vnsern hatt behüte. 215
Als man gransen gewunnen hat,Man macht sich hin zuo strossen. [19]
Er zoch für granso offembor[22], 220
Man ward im wider streben,Irs lebens er sy tröstet vor[23], 225
Er sahe sy an. glich als ein strußVnd schuoff, das man sy hinge. 230
Sin vnglück ward gar dicke.
235
Er sluog vmb sich ein wagenburg,Mit mancherley geschütze; 240
Man wolts nicht mer vercziehen,Man czoch zuo im gar ritterlich. 245
Dar noch schrey man: «do hy! do hy!»Fürbasser was kein schertzenn. [20]
[21]
«In gottes namen faren wir» 250
Darin sy kecklich gingen.
255
Die wagenburg waz gantz verspielt,Dar zuo vill guoter büchssenn. 260
Sin sigel ouch do lygennVnd waz er heymlichs pflegen wolt 265
Dar noch gar in eim kurtzem zielWas er her wider kummen. 270
Das mag man nuon woll wissen.
275
Sie schribent hindersich von stund,Das man solt aber reysen. [22]
[23]
Ein grosses her hat er by jm. 280
Er sprach: «wir wend ir wartenVon Engellant, als ech[30] vernym, 285
Sin volck gar grossen schaden nam,Geschach gar nohe by murten. 290
Sich huob ein fyntlich iagen.
295
Man zalte sehß vnd sübentzig iorDar zuo ouch vierczehen hundert. 300
Vnd manche büchsß dar inne.Burgundsches her, daz flöhe dar von, 305
Man sluog gar manchen ritter fryGlich kurtz vor disen dingen[33]. 310
Bystendig ist gewesen.[24]
Dar nach gar snell begab es sich, 315
Wan nansse daz waz noch burgundsch,Ouch ettliche sloss dar vmbe; 320
Die werten sich gar sere,Vff rettung dettent sie das best 325
Sü rittent hien mit cleiner hab,Man ließ sie wol mitt leben. 330
Gar frölich inher clingen.
335
Do waß nansse gespyset vor,Besetzet mit frantzosen, 340
Vnd vmb die selb refiere,Do brucht er gar vil stoltzer wort [25]
Des grossen allexanders buoch 345
Das ließ er im für lesen –Mach dich harfürher, escher tuoch! –[39] 350
Waz fynd in ward in der geschichtDer selb muost hor do lossen. 355
Mit hend vnd füssen segen[40].
360
Ir. c. pferd uff eynen tagGewunnent sie gar swynde, 365
Es muogt den fürsten übel;Mit kolben strelt man in das hor, 370
Der leg gar nohe by pontemunß[44].Man fügt sich dar von stunde. [26]
Der hertzog von lotringen zoch 375
Do ward man im bedüten,
380
Sü koment heim gar fürderlich.Kein stryt was do hergangen, 385
Sie frowten sich von hertzen.In rechtem Ernst ich daz veriehe. 390
Ein grosse hilff man im zuo seyt,Des muost er wol belonen. 395
In ward ein guote Erne.
400
Mit grosser macht zoch man gar festAls in das lant lotringen. [27]
Den weg man in do vnder ging[48], 405
Das muostent sie doch lyden.Der swytzer Ern gar bald anfing, 410
Geschach uff einen sonentagDer heiligen dry küng obend[50]. 415
Es ward in / ingeribben.
420
Man sluog vor manchen ritter stolczAls kuortz vor disem vechten, 425
Persönlich in sym here,Der lotrigsch fürst hat nie kei tag 430
Sie rantent vnder die burgunschVnd stochent sie zuorucke. 435
Durch fluocht gar fyntlich susent.[28]
[29]
Er lag al do gar one macht 440
Sechczehen heren fing man do[53],Die muosten pfennig switzen, 445
Die doten / vil on cleyder,Der sinen keyner sich deß herfrowt, 450
Etlicher weynen do begund.Gott geb jm ewige selde! 455
Brocht man den lyb zuo grabe[54].
460
Die wyl man lag vor nüß der stat,Zuo straßburg ward geordent; 465
Solt früg vor allen dingenIn pfarren vmb den sesten slag [30]
Dar noch solt man die letany 470
Ein salue sang man ouch do by,Man fuort ein cristlich wesen. 475
Die menge macht gassen enge.
480
Diß hielt man by zwey gantze jor,Villicht .XI. wochen mynder. M .CCCC .LXX .VII .Jor.
|
- ↑ Druckfehler für: grosse.
- ↑ = rufen, sprechen.
- ↑ = schnell.
- ↑ Druckfehler für: ward.
- ↑ = geriebener Bursche.
- ↑ = Beitrag an den Sold.
- ↑ 22. Juli 1474. Schilling I, 165.
- ↑ Alexander von Forli. Schilling I, 206.
- ↑ = Vertrag.
- ↑ mirren = mit bitterer Myrrhe versehen, voll Bitterkeit.
- ↑ 13. November.
- ↑ Schilling I, 183.
- ↑ Ebd. 253, 259, 270. Dazu Basler Zeitschrift XIV (1914), 87 f.
- ↑ = Geschlepp, Gereisse. Die beiden Kopien lesen: getänze.
- ↑ November 1475. Schilling I, 336.
- ↑ = den Mund verziehen.
- ↑ Druckfehler für: ein.
- ↑ Grandson wurde am 30. April 1475 erobert (Schilling I, 219), Blamont am 9. August (Schilling I, 260), L’Isle zwischen dem 18. und 20. Juli (Schilling I, 247). Vielleicht verwechselt der Dichter Grandson mit Granges, das am 25. Juli gewonnen wurde (Schilling I, 248).
- ↑ = Schwätzer.
- ↑ = verspotten, grosstun. Schweiz. Idiotikon V, 516, 519. Die Konstruktion ist sonderbar.
- ↑ = zeigen.
- ↑ Januar und Februar 1476 (Schilling I, 353).
- ↑ Schilling I, 368, Anm. 2.
- ↑ Der Dichter verwendet den Namen «Schweizer» arglos, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie verpönt er bei den Eidgenossen dazumal war. Der «Strassburgische Meistergesang», von dem W. Oechsli im Jahrbuch für Schweiz. Geschichte 42 (1917), S. 196 spricht, ist das vorliegende Gedicht des Conradus Pfettisheim. Vergl. oben S. 6, Anmerkung 14.
- ↑ = Versprechen, Uebereinkunft.
- ↑ 2. März 1476 (Schilling II, 375 ff.).
- ↑ = Leute anwerben.
- ↑ = schnell.
- ↑ = zerzausen.
- ↑ Druckfehler für: ich.
- ↑ Schilling II, 60, Anm. 4.
- ↑ 22. Juni 1476.
- ↑ Schilling II, 47.
- ↑ = schnell.
- ↑ Für «bere» kann auch «here» gelesen werden. In beiden Fällen ist der Sinn unklar. Vielleicht: an ihnen versagte ihr Fangnetz.
- ↑ Druckfehler für: fürsten.
- ↑ = Vorteil.
- ↑ = brület als ein stiere.
- ↑ Seiler, Die Basler Mundart, S. 17: «s Aescheduech» das Aeschertuch, das grobe Tuch, worauf beim Bauchen der Wäsche sich «der Aescher», die ausgelaugte Asche befindet. Grimm DWb. I, 585: Aeschertuch, das beim Bauchen der Wäsche über sie gebreitete grosse, grobe Tuch, worauf der Aescherich sich befindet. Martin, Elsässisches Wb. gibt das gleiche an, ausserdem «grosses, grobes Leinentuch» überhaupt. Der Satz «Mache dich hervor, grobes Tuch!» muss ein parenthetischer Ausruf des Dichters sein, den man verschieden deuten kann.
- ↑ Druckfehler. Es muss heissen: Eins mocht sich diser fromden list usw. Der Sinn: Man hatte Grund, über diese seltsame List sich mit Händen und Füssen zu besegnen.
- ↑ = einer, im Sinne von «man».
- ↑ Druckfehler für: schantz.
- ↑ = schlagen, klopfen.
- ↑ Pont-à-Mousson.
- ↑ Druckfehler für: Reinhart.
- ↑ Ueber diesen plötzlichen Abzug der lothringischen Truppen von Pont-à-Mousson im Oktober 1476 vgl. E. von Rodt, Die Kriege Karls des Kühnen II, 349 ff.
- ↑ Schilling II, 110. Ueber das Fehlen des Artikels vgl. W. Oechsli im Jahrbuch für Schweiz. Geschichte 42 (1917), 208.
- ↑ = versperren.
- ↑ = Klugheit.
- ↑ 5. Januar. Schilling II, 111.
- ↑ Druckfehler für: junge.
- ↑ Schilling II, 114, Anm. 1.
- ↑ Ebd. S. 118.
- ↑ Schilling II, 116, 114.
- ↑ Druckfehler für: Etliche.
