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zu opfern, um so dem Kaiser ihre Treue zu beweisen und dann erst gegen die rebellischen Christen verwandt zu werden. Mauritius und seine Legion aber habe sich geweigert, an den heidnischen Opfern Theil zu nehmen, und auch nicht gegen Christen ausrücken wollen, die schuldlos verfolgt waren.

Man mag über diesen Bericht denken, was man will. Die Wahrheit des in Rede stehenden Martyriums wird dadurch nicht angefochten, weil die ältesten und echten Acten von dem Aufstand der Bagauden schweigen.

Diese ältesten Acten sind vor 454 geschrieben, also nur ungefähr 160-170 Jahre nach dem Ereigniß, das sie berichten. Ihr Verfasser ist ein durchaus glaubwürdiger Mann, der hl. Eucherius, welcher 454 als Bischof von Lyon starb. Eucherius versichert zudem, er verdanke seine Nachrichten einem ältern Zeugen, dem Bischofe Isaak von Genf, der sich auf einen dritten noch älteren Gewährsmann bezogen habe, auf den Bischof Theodor, der um das Ende des vierten Jahrhunderts starb[1].

3. Haben wir so ein durchaus achtungswerthes Zeugniß für das Martyrium erwiesen, so ist dadurch dem Einwurf aus dem Stillschweigen der Schriftsteller die Spitze abgebrochen. Man kann ihn aber auch direct entwerthen und widerlegen. Du Bourdieu hat sich die Sache leicht gemacht. Er zählt die besten Schriftsteller des vierten und fünften Jahrhunderts auf, indem er in rhetorischen Phrasen und siegbewußter Emphase fragt, warum dieser und jener vom Martyrium der Thebäer nichts meldet, um sich dann am Ende zu rühmen, er habe den Katholiken mehr als 6000 Martyrer mit einem Schlage genommen. Es wäre verlorene Mühe, solchen Spiegelfechtereien Fuß für Fuß zu folgen. Für den unparteiischen Forscher kann höchstens das Stillschweigen des Eusebius und des Sulpicius Severus in Betracht kommen.

Wer aber bedenkt, daß Eusebius außer dem Buche über die Martyrer von Palästina noch ein anderes Buch über die alten Martyrer schrieb, das verloren gegangen ist, der wird sich nicht wundern, daß er


  1. Die echten Acten gab zuerst Chifflet heraus in seinem Paulinus Nolanus, Divione 1662. Sie finden sich Acta Sanctorum Septemb. VI. p. 342 sq.; Acta Martyrum ed. Ruinart ed. Galura II. p. 157; Geschichte von Wallis von Furter III, S. 7. Die interpolirten Acten bei Surius 22. Sept. und Acta Sanctorum Septemb. VI. p. 345. Der Verfasser der echten Acten ist keineswegs ein vorgeblicher jüngerer Eucherius († 529). Vgl. Ruinart l. c. p. 149; Acta Sanctorum l. c. p. 309. n. 8; p. 336. n. 174; Braun, Theb. Leg., S. 21.
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Stephan Beissel: Das Martyrthum des hl. Victor und seiner Genossen. Freiburg im Breisgau: Herder, 1889, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Beissel_Das_Martyrthum_des_hl._Victor_und_seiner_Genossen.djvu/5&oldid=1055359 (Version vom 28.03.2010)