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gefärbt sind. Die Färbung gewisser Species ist im erwachsenen und jungen Zustande sehr verschieden.[1]

Während der Paarungszeit sind die analen Riechdrüsen der Schlangen in lebhafter Function;[2] dasselbe gilt für die gleichen Drüsen bei den Eidechsen, wie wir es schon für die Unterkieferdrüsen von Crocodilen gesehen haben. Da die Männchen der meisten Thiere die Weibchen aufsuchen, so dienen diese einen riechenden Stoff absondernden Drüsen wahrscheinlich dazu, das Weibchen zu reizen oder zu bezaubern, und zwar hierzu viel eher, als dasselbe nach dem Orte hin zu leiten, wo das Männchen zu finden ist. Trotzdem männliche Schlangen so träg zu sein scheinen, sind sie doch verliebt; denn man hat schon viele Männchen um ein und dasselbe Weibchen herumkriechen sehen, ja selbst um den todten Körper eines Weibchens. Es ist nicht bekannt, dass sie aus Eifersucht mit einander kämpften. Ihre intellectuellen Kräfte sind höher, als sich hätte voraussetzen lassen. In den zoologischen Gärten lernen sie bald, nicht mehr auf die eiserne Stange loszufahren, mit denen ihre Käfige gereinigt werden; Dr. Keen in Philadelphia theilt mir mit, dass einige Schlangen, die er hielt, nach vier oder fünf Malen es lernten, eine Schlinge zu vermeiden, mit der sie zuerst leicht gefangen wurden. Ein ausgezeichneter Beobachter in Ceylon, Mr. E. Layard,[3] sah eine Cobra ihren Kopf durch eine enge Oeffnung stecken und eine Kröte verschlingen. „Mit dieser Last versehen, konnte sie sich nicht wieder zurückziehen. Da sie dies einsah, brach sie mit Bedauern den kostbaren Bissen wieder aus, welcher sich davonzumachen begann. Dies war zu stark für die Philosophie einer Schlange; so wurde denn die Kröte wieder ergriffen, und von Neuem war die Schlange nach heftigen Anstrengungen, sich zurückzuziehen, dazu gezwungen, ihre Beute wieder von sich zu geben. Diesmal hatte sie aber etwas gelernt, und nun wurde die Kröte an den Beinen ergriffen, zurückgezogen und dann im Triumph verschlungen".

Der Wärter im zoologischen Garten ist der Ueberzeugung, dass gewisse Schlangen, z. B. Crotalus und Python, ihn von allen andern
  1. Dr. Stoliczka, in: Journal of Asiat. Soc. of Bengal, Vol. 39. 1870. p. 205, 211.
  2. Owen, Anatomy of Vertebrates. Vol. I. 1866, p. 615.
  3. Rambles in Ceylon, in: Ann. and Magaz. of Natur. Hist. 2. Ser. Vol. IX. 1852, p. 333.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/41&oldid=1709521 (Version vom 29.10.2011)