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34 noch nach der verhaßten und schrecklichen Schändung von Knaben. 35 Ihre Weise und Frömmigkeit und Sitten werden die anderen Männer 36 niemals nachahmen, nach Schamlosigkeit verlangend, 37 sondern werden sie mit Spott und Gelächter höhnen, 38 thöricht in Unverstand, und werden jenen anlügen 39 die frevelhaften[1] und bösen Werke, die sie selber thun. 40 Denn das ganze Geschlecht der redenden Menschen ist voll Mißtrauen. Aber wenn dann das Gericht 41 der Welt und der Sterblichen kommt, welches Gott selbst 42 veranstalten wird, richtend zugleich die Gottlosen und die Frommen: 43 dann wird er die Gottlosen zurück ins Dunkel schicken, 44 und dann werden sie erkennen, wie große Gottlosigleit sie gethan haben[2]. 45 Die Frommen aber werden bleiben auf der kornspendenden Erde, 46 indem ihnen Gott Geist und Leben zugleich und Gnade giebt. 47 Aber dieses wird alles im zehnten Geschlecht erfüllt; 48 jetzt aber will ich das sagen, was vom ersten Geschlecht an sein wird.

49 Zuerst werden die Assyrier über alle Sterblichen herrschen, 50 sechs Geschlechter hindurch im Anfange der Welt regierend, 51 von da ab, wo durch den Zorn des himmlischen Gottes 52 mitsamt den Städten und allen Menschen 53 die Erde vom Meere bedeckt wurde, indem die Sintflut ausbrach.

54 Sie werden von den Medern gestürzt werden, und diese werden sich der Herrschaft berühmen 55 auf nur zwei Geschlechter. Unter ihnen werden diese Dinge geschehen: 56 finstere Nacht wird sein zur mittelsten Stunde des Tages[3]. 57 Die Sterne werden vom Himmel verschwinden und die Scheibe des Mondes; 58 die Erde aber, von einer Bewegung großen Erdbebens erschüttert, 59 wird viele Städte und Werke der Menschen zu Boden werfen. 60 Aus der Tiefe werden alsdann Inseln über das Meer emportauchen.

61 Aber wenn der große Euphrat von Blut überfließt, 62 dann wird zwischen Persern und Medern schrecklicher Kampf 63 und Krieg erhoben werden; die Meder aber, fallend unter dem Speere der Perser, 64 werden fliehen jenseits des großen Wassers des Tigris. 65 Den Persern wird alsdann die große Macht über die ganze Welt gehören; 66 ihnen ist ein Geschlecht der Herrschaft in des Reichtums Fülle beschieden.

67 Es werden aber geschehen alle bösen Dinge, die die Menschen fern von sich wünschen, 68 Kämpfe und Blutvergießen und Zwiespalt und Flucht 69 und Umsturz von Türmen und Zerstörung von Städten[4], 70 wenn das stolze Hellas nach dem breiten Hellespont 71 gefahren kommt, den Phrygiern und Asien schweres Geschick bringend.

72 Aber in das ackerreiche und weizentragende[5] Ägypten 73 wird Hunger und Unfruchtbarkeit im Umschwunge von 74 zwanzig Jahren einkehren, wenn der die Ähren nährende Nil 75 anderswo unter der Erde sein dunkles Wasser verbirgt.

76 Gegen Hellas wird[6] aus Asien ein großer König, die Lanze erhebend 77 mit zahllosen Schiffen, die nassen Pfade der Tiefe 78 zu Fuß überschreiten, den hochgipfligen Berg aber durchschneidend zu Schiffe durchfahren[7]; 79 doch ihn wird als Flüchtling aus dem Kriege das schreckliche (?) Asien empfangen.

80 Das arme Sizilien wird ganz und gar verbrennen 81 eine Flut mächtigen Feuers, indem aus dem Ätna die Flamme hervorgespieen wird. 82 Kroton aber, die große Stadt, wird in die tiefe Flut[8] fallen.

83 In Hellas wird Streit sein; gegeneinander zur Wut entzündet, 84 werden sie viele
  1. Andere Lesart „tadelnswerten“.
  2. Der Vers „und dann ... gethan haben“ fehlt in einigen Hdschr. und bei Lactantius, der als Fortsetzung von 43 V. 187. 189 giebt.
  3. Gemeint muß sein die von Thales vorhergesagte Sonnenfinsternis des J. 584 (Herodot 1, 74).
  4. Erinnert stark an Äschyl. Perser 165 ff.
  5. Andere Lesart „(wird) böser (Hunger) kommen (und Unfruchtbarkeit einkehren)“.
  6. Andere Lesart „es wird kommen“.
  7. Andere Lesart „aber als Einziger zu Schiffe durchfahren, was zu Fuße betreten wird“. Natürlich ist von Xerxes’ Durchstechung der Halbinsel des Athos die Rede.
  8. Konjektur (Meineke) „in einen tiefen Schlund“.
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 202. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/26&oldid=1972415 (Version vom 16.03.2013)