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II. Begriff und Wesen der Sage.
Das Substantiv „Sage“ ist abgeleitet vom Verbum „sagen“. Beide gemeingermanische Ausdrücke sind uralt, für das Gothische nicht bezeugt, wohl aber für andere Sprachstämme. „Sagen“ = mittelhochd. sagen, althochd. sagen, altsächs. seggjan, niederd. seggen, niederländ. zeggen, angels. oder altengl. secgan (aus sagjan), engl. to say, altnord. segja, urverwandt mit littauisch sakýti, altslav. sociti. Die substantivischen Formen sind mittelhd. sage, althochd. saga, niederl. saghe, angels. oder altengl. sagu, engl. saw, altnord. saga, sög, altfries. sage, sege. Nicht nur die Form selbst, sondern auch ihre Bedeutung hat, abgesehen von den Zusammensetzungen wie Aus-, Ab-, Zusage u. a., im Laufe der Jahrhunderte eine wesentliche Veränderung erfahren[1], die vor allem in einer Einschränkung besteht. Dem Neuhochdeutschen ist die Beweglichkeit, mit welcher die Sprache „Sage“ gebrauchte, verloren gegangen. Ursprünglich wurde „Sage“ angewandt im Sinne von Sprache, Fähigkeit zu sprechen, Tätigkeit des Sprechens, z. B. wer er siben gantze tag on sprach und on sag. (Keller, Altd. Gedichte 33, 1). Dann bedeutete es das, was gesagt wurde, zunächst in allgemeiner Anwendung: Ausspruch, Mitteilung, Behauptung, Aussage, besonders die feierliche Aussage vor Gericht, also Zeugnis; in freierem Gebrauch auch von nicht gesprochener Aussage, hinweisend auf gesprochene Worte, z. B. ja wir wölln nach deiner sag gleich gehn mit allem hofgesindt. (H. Sachs 3, 1 90 4). – Nach alter deutscher Sage sind stille Wasser tief (Bürger 22b.) – Die peinlich Frag soll… nach Ermessung eyns guten vernünfftigen Richters fürgenommen
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Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/11&oldid=1073644 (Version vom 13.04.2010)