Seite:Die erzwungene Heirath-Molière-Baudissin-1866.djvu/35

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Ihr seid auch nicht reich, und Ihr wißt, daß man ohne Geld nicht weit kommt, und um jeden Preis dahin streben muß, seine Lage zu verbessern. Ich habe diese Gelegenheit ergriffen, mir eine unabhängige Stellung zu verschaffen, und zwar zunächst in der Hoffnung, recht bald von dem alten Graubart erlöst zu sein. Er wird es nicht lange mehr machen, und hat allerhöchstens noch ein halbes Jahr im Leibe: ich versichere Euch, daß er sich binnen sechs Monaten gestrichen haben wird, und daß ich nicht nöthig haben werde, den Himmel noch lange um die ersehnte Witwenschaft zu bitten. (Sie bemerkt Sganarelle.) Ah! Wir sprachen eben von Euch und sagten Euch alles mögliche Gute nach.

Lycaste. Ist das der Herr ....

Dorimene. Ja, das ist der Herr, der mich zur Frau nimmt.

Lycaste. Erlaubt mir, mein Herr, daß ich Euch zu Eurer Heirath Glück wünsche, und Euch zu gleicher Zeit meine gehorsamsten Dienste anbiete. Ich versichere Euch, daß Ihr da eine sehr vortreffliche Wahl getroffen habt: und Euch, mein Fräulein, gratulire ich gleichfalls zu dieser glücklichen Verbindung. Ihr konntet Euch nichts Besseres wünschen, und Euer Zukünftiger sieht ganz danach aus, als ob er einen sehr guten Mann abgeben werde. Ja, mein Herr, ich bitte um Eure Freundschaft; gestattet mir, Euch recht oft besuchen und die Zeit mit Euch vertreiben zu dürfen.

Dorimene. Ihr erzeigt uns Beiden zu viel Ehre, mein Herr. Aber wir müssen gehen, es ist hohe Zeit, und wir werden noch Gelegenheit genug haben, uns mit einander zu unterhalten.


Empfohlene Zitierweise:

Molière übersetzt von Wolf Graf von Baudissin: Die erzwungene Heirath. S. Hirzel, Leipzig 1866, Seite 339. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_erzwungene_Heirath-Moli%C3%A8re-Baudissin-1866.djvu/35&oldid=1852118 (Version vom 26.07.2012)