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Noch wichtiger für den Forscher ist der in Neapel im Jahre 1637 erschienene Pentamerone. Die 50 Märchen desselben stammen vielleicht alle aus dem Volksmunde. Allein in der Sammlung KHM der Brüder Grimm kommen von ihnen 2/3 vor. Die Märchen haben ihre Volkstümlichkeit gut erhalten, und dass dies die Absicht des Verfassers gewesen ist, lässt sich auch daraus schliessen, dass das Werk in neapolitanischem Dialekt geschrieben ist. In der Sammlung treffen wir viele sehr gewöhnliche Märchen, z. B. Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack (Mt. 563), Das Mädchen ohne Hände (Mt. 706), Sechse kommen durch die ganze Welt (Mt. 513), Die drei Spinnerinnen (Mt. 501), Der treue Johannes (Mt. 516). Der Pentamerone erschien im Italienischen in vielen Auflagen, aber er wurde nicht wie Straparolas Dreizehn ergötzliche Nächte durch Übersetzungen ausserhalb Italiens bekannt. In der Märchenliteratur hat er also denselben Einfluss nicht gehabt. Zu wissenschaftlichem Zweck veröffentlichte Felix Liebrecht um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine deutsche Übersetzung (Basile, Giambattista, Der Pentamerone oder: das Märchen aller Märchen, 1846; neu bearbeitet von H. Floerke 1909). In Frankreich erwachte das Interesse für die Märchen viel später. Der berühmteste französische Märchenschreiber |
Antti Aarne: Übersicht der Märchenliteratur. Suomalaisen Tiedeakatemian Kustantama, Hamina 1914, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FFC14.djvu/18&oldid=1709440 (Version vom 29.10.2011)