Seite:Friedrich List und die erste grosse Eisenbahn.djvu/23

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Umsicht wie bei seinen früheren Anregungen auch diese neue Aufgabe ausführen. In der That gelang es auch durch die Veröffentlichung von sieben gedruckten Berichten — der erste erschien Mitte Juni 1884 und war mit den Unterschriften der Männer des Comités[1] und des Ausschusses versehen, während die übrigen bis zum 10. Mai des nächsten Jahres erscheinenden nur mit „Eisenbahncomité“ unterzeichnet waren — in Sachsen und in ganz Deutschland ermunternd auf die Bildung von weiteren Eisenbahnunternehmungen einzuwirken. — Der hier gebotene enge Rahmen erlaubt nur ein skizzenhaftes Eingehen auf den vorhandenen reichen Stoff, und es muß daher genügen, zu erwähnen, daß auch diese Berichte,[2] wie das Meiste aus List’s Feder, von größtem Werthe für die Eisenbahngeschichte sind. Aeußerst interessant ist z. B. der dritte Bericht, in welchem List über die Bedeutung der Eisenbahnen für die zukünftige Landesvertheidigung und Kriegführung spricht. — Aus der mehrerwähnten Jubelschrift vom Jahre 1864 ersehen
  1. Die Namen lauteten Harkort, Dufour, Frege, Hoffmann, Lampe, List, Olearius, Preußer, Schmidt, Schönkopf, Seyfferth, Tenner, Vollfack.
  2. Verfasser verdankt den Einblick in diese Berichte der freundlichen Vermittlung des Herrn Magazinverwalter Möbius, einem früheren Leipzig-Dresdner Eisenbahnbeamten, der dieselben in seinen Privatakten aufbewahrt. — Aus dem Schluß des ersten Berichtes geht zum Theil das Programm für die nachfolgenden hervor, es heißt da: „Während nun die (von der Regierung) erbetenen Vorarbeiten gefertigt werden, gedenken wir dem geehrten Publicum eine Reihe von Mittheilungen zu machen, nämlich: Ueber die Zahl der Reisenden und die Größe der Transporte, wie sie gegenwärtig stehen, und wie sie nach der Erfahrung anderer Länder durch den Einfluß der Eisenbahn sich muthmaßlicher Weise stellen dürften. — Ueber die Kosten des Oberbaues der Eisenbahnen nach den bisherigen Erfahrungen in Oesterreich, England, Nordamerika und Frankreich und nach ihren verschiedenen Arten. — Ueber die in dem Unternehmen selbst liegenden Deckungsmittel gegen jeden möglichen Verlust bei gegründeten Aussichten auf einen zwar unbestimmten, aber jährlich steigenden Gewinn. — Ueber die Ursachen, weswegen bie Linz-Budweiler und die Prag-Pilsener Bahn bisher den Erwartungen ihrer Unternehmer nicht entsprochen haben, wobei wir nachweisen zu können glauben, daß alles, was wir von den dortigen Unternehmungen theils durch hohe Mittheilung erfahren, theils aber auch unmittelbar erkundigt haben, eher dazu dient, die Vorteilhaftigkeit unseres Unternehmens in ein günstigeres Licht zu stellen, als davon abzuschrecken. — Ueber die Dampfwagen auf gewöhnlichen Chausseen und die sogenannten Granitbahnen, sowie über die Gründe dusür, daß Vervollkommnungen dieser Transportmittel — wie anwendbar sie auch unter manchen Verhältnissen sein mögen — nie und unter keinen Umständen Anlagen wie der Leipzig-Dresdner Eisenbahn gefährden werden. — Ueber Sachsens Interesse, daß die Eisenbahnen auf den großen Routen im Lande selbst sowie in ganz Deutschland zum [23] ordinären Transportmittel werden, und über den sichersten Weg sie allgemein einzuführen. — Ueber die in den Handels- und Transport-Verhältnissen liegenden Aussichten auf die Herstellung eines Eisenbahnsystems, welches die Haupt-Handels- und Productionspunkte von Deutschland unter sich verbände“. – Schon aus dieser Aufstellung ist unschwer zu erkennen, daß List der Verfasser der oben erwähnten Berichte war, da damals nur er den Stoff so umfassend beherrscht hat.               D. Verf.
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Robert Krause: Friedrich List und die erste große Eisenbahn Deutschlands. Leipzig 1887, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedrich_List_und_die_erste_grosse_Eisenbahn.djvu/23&oldid=1268356 (Version vom 17.10.2010)