Seite:Friedrich List und die erste grosse Eisenbahn.djvu/30

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Hebung seines Vaterlandes begeisterten Deutschen war man geneigt, Eigennutz vorzuwerfen, als er für sein verdienstvolles Wirken eine Entschädigung verlangte. Nicht, ohne erst dazu aufgefordert zu sein, bewilligte man ihm als „Ehrengeschenk“ die Sume von 2000 Thalern und später, als List sich damit nicht begnügte, nochmals dieselbe Summe „unter ausdrücklicher


Ingenieur. Ein Wort zur Beherzigung für Deutsche". Es heißt da mit Bezug auf eine auf eine Mittheilung in der „Times" vom 21. October 1835, „daß nach langem Verzuge endlich der englische Ingenieur in Leipzig angekommen sei, welcher die Aufsicht über den Bau der Eisenbahn führen solle, und man glaube allgemein, daß er sich der Arbeit angelegentlich unterziehen werde, um den durch seine verspätete Ankunft verursachten Zeitverlust auszugleichen“ u. A. wie folgt: „Jetzt lachten die englischen Kaufherren wieder einmal, daß man in Deutschland so einfältig sei, ohne Hilfe eines englischen Ingenieurs keine Eisenbahn bauen zu können, und zweitens, daß man zur Erlangung eines solchen Helfers 6 kostbare Sommermonate verschwendet habe. Die englischen Kaufherren lachten, aber dem Deutschen (dem Berichterstatter) that das Herz weh keine Nation in der Welt vermochte sich mit den Deutschen zu messen, wenn sie wäre, was sie sein sollte, eine Nation“. „Es war ein Aufzucken des Selbstgefühls (durch List geweckt), was den Gedanken an jenes Unternehmen hervorrief, es war ein schönes Zeichen volksthümlicher Belebung, daß wenige Stunden hinreichten, den Geldbedarf überflüssig zu decken. Alle Schwierigkeiten schienen gehoben, da entstand zwischen den beiden, dem Rufe nach sehr tüchtigen, mit Ausführung des Baues beauftragten deutschen Architekten eine Verschiedenheit der Meinung, und während in solchem Falle englische oder französische Bauverständige die Entscheidung einem geschickten Landsmanne überlassen und den etwa gebotenen Rath, einen Ausländer zum Schiedsrichter zu machen, mit Hohn zurückgewiesen haben würden, erklärten die deutschen Architekten, daß sie nur dem Ausspruche eines englischen Kunstgenossen weichen und seiner Oberleitung sich unterwerfen wollten. Die Direction sah sich demgemäß nach einem britischen Vermittler um, und ihre Wahl fiel auf einen gewissen James Walker, dessen Name in England allerdings gekannt, aber keineswegs berühmt ist“. „Wäre nun Walker Deutscher gewesen und hätte nächst Ersatz mäßiger Reisekosten vielleicht ein Tageshonorar von einem Friedrichsd’or begehrt, so würde ihm die deutsche Gesellschaft einen Ducaten geboten und den Vertrag mit allen Schnurrpfeifereien der ängstlichen Klausularjurisprudenz ausgestattet haben. Weil aber James Walker ein Engländer war, dessen nur ein exemplarischer Eifer hatte habhaft werden können (er mußte erst in ganz England umher gesucht werden), so gestaltete sich das alles natürlich ganz anders „„Ich kann nur versprechen““, sagte Walker, „„im Laufe des Monats September nach Leipzig zu kommen und sollte es selbst einige Tage später sein““. — „„Wir werden Sie von Mitte September erwarten“, versetzte der Bevollmächtigte“; und in diesem Geiste kam zwischen beiden ein Vertrag zustande, laut welchem Walker die oberste Leitung des betreffenden Baues in allen seinen Theilen übernahm (thatsächlich übernahm er nur die oben erwähnte Entscheidung. D. B.) und die Leipziger Gesellschaft ihm dafür zusicherte: erstens den Ersatz aller Reisekosten, zweitens ein Tageshonorar von 7 Guennen oder 9 goldenen

Empfohlene Zitierweise:

Robert Krause: Friedrich List und die erste große Eisenbahn Deutschlands. Leipzig 1887, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedrich_List_und_die_erste_grosse_Eisenbahn.djvu/30&oldid=1268473 (Version vom 17.10.2010)