Tabulae votivae
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
| [152]
[153]
Tabulae votivae.
Was der Gott mich gelehrt, was mir durchs Leben geholfen, Die verschiedene Bestimmung.
Millionen sorgen dafür, daß die Gattung bestehe, Das Belebende.
Nur an des Lebens Gipfel, der Blume, zündet sich neues Zweyerley Wirkungsarten.
Wirke Gutes, du nährst der Menschheit göttliche Pflanze, Unterschied der Stände.
Auch in der sittlichen Welt ist ein Adel; gemeine Naturen Das Werthe und Würdige.
Hast du etwas, so gieb es her und ich zahle was recht ist,
[155]
Der moralische und der schöne Character.
Repräsentant ist jener der ganzen Geistergemeine, Die moralische Kraft.
Kannst du nicht schön empfinden, dir bleibt doch vernünftig zu wollen, Mittheilung.
Aus der schlechtesten Hand kann Wahrheit mächtig noch wirken, An *
Theile mir mit, was du weißt, ich werd es dankbar empfangen,
[156]
An **
Du willst wahres mich lehren? Bemühe dich nicht, nicht die Sache An ***
Dich erwähl ich zum Lehrer, zum Freund. Dein lebendiges Bilden Das blinde Werkzeug.
Wie beklag ich es tief, wenn eine herrliche Seele Wechselwirkung.
Kinder werfen den Ball an die Wand und fangen ihn wieder, An die Muse.
Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht; aber mir grauet Der Philister.
Nimmer belohnt ihn des Baumes Frucht, den er mühsam erziehet, Das ungleiche Schicksal.
Mit dem Philister stirbt auch sein Ruhm; du, himmlische Muse, Pflicht für jeden.
Immer strebe zum Ganzen und kannst du selber kein Ganzes Der schöne Geist und der Schöngeist.
Nur das leichtere trägt auf leichten Schultern der Schöngeist, Philister und Schöngeist.
Jener mag gelten, er dient doch als fleißiger Knecht noch der Wahrheit, Die Uebereinstimmung.
Wahrheit suchen wir beyde; du aussen im Leben, ich innen Natur und Vernunft.
Wärt ihr, Schwärmer, im Stande die Ideale zu fassen, Der Schlüssel.
Willst du dich selber erkennen, so sieh wie die andern es treiben, Das Subjekt.
Wichtig wohl ist die Kunst und schwer, sich selbst zu bewahren, Glaubwürdigkeit.
Wem zu glauben ist, redliche Freunde, das kann ich euch sagen, Was nutzt.
Schädliche Wahrheit, wie zieh ich sie vor dem nützlichen Irrthum! Was schadet.
Ist ein Irrthum wohl schädlich? Nicht immer, aber das Irren Zucht.
Wahrheit ist niemals schädlich, sie straft – und die Strafe der Mutter Das Schooßkind.
Fremde Kinder lieben wir nie so sehr als die eignen, Trost.
Nie verläßt uns der Irrthum, doch zieht ein höher Bedürfniß Die Zergliederer.
Spaltet immer das Licht! wie öfters strebt ihr zu trennen, Metaphysiker und Physiker.
Alles will jetzt den Menschen von innen, von aussen ergründen,
[162]
Die Versuche.
Dich zu greifen ziehen sie aus mit Netzen und Stangen, Die Quellen.
Trefliche Künste dankt man der Noth und dankt man dem Zufall, Empiriker.
Daß ihr den sichersten Pfad gewählt, wer möchte das läugnen? Theoretiker.
Ihr verfahrt nach Gesetzen, auch würdet ihrs sicherlich treffen, Letzte Zuflucht.
Vornehm schaut ihr im Glück auf den blinden Empiriker nieder, Die Systeme.
Prächtig habt ihr gebaut. Du lieber Himmel! Wie treibt man, Die Philosophien.
Welche wohl bleibt von allen den Philosophieen? Ich weiß nicht, Die Vielwisser.
Astronomen seyd ihr und kennet viele Gestirne, Mein Glaube.
Welche Religion ich bekenne? Keine von allen, Moralische Schwätzer.
Wie sie mit ihrer reinen Moral uns, die schmutzigen, quälen! Meine Antipathie.
Herzlich ist mir das Laster zuwider und doppelt zuwider Der Strengling und der Frömmling.
Jener fodert durchaus, daß dir das Gute misfalle, Theophagen.
Diesen ist alles Genuß. Sie essen Ideen, und bringen Fratzen.
Fromme gesunde Natur! Wie stellt die Moral dich an Pranger! Moral der Pflicht und der Liebe.
Jede, wohin sie gehört! Erhabene Seelen nur kleidet [166]
Und verächtlicher nichts, als die Moral der Dämonen Der Philosoph und der Schwärmer.
Jener steht auf der Erde, doch schauet das Auge zum Himmel, Das irdische Bündel.
Himmelan flögen sie gern, doch hat auch der Körper sein Gutes, Der wahre Grund.
Was sie im Himmel wohl suchen, das, Freunde, will ich euch sagen, Die Triebfedern.
Immer treibe die Furcht den Sclaven mit eisernem Stabe, An die Mystiker.
Das ist eben das wahre Geheimniß, das allen vor Augen Licht und Farbe.
Wohne du ewiglich Eines dort bey dem ewiglich Einen, Wahrheit.
Eine nur ist sie für alle, doch siehet sie jeder verschieden, Schönheit.
Schönheit ist ewig nur Eine, doch mannichfach wechselt das Schöne, Aufgabe.
Keiner sey gleich dem andern, doch gleich sey jeder dem höchsten, Bedingung.
Ewig strebst du umsonst, dich dem göttlichen ähnlich zu machen, Das eigne Ideal.
Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlest, Schöne Individualität.
Einig sollst du zwar seyn, doch Eines nicht mit dem Ganzen, Der Vorzug.
Ueber das Herz zu siegen ist groß, ich verehre den Tapfern, Die Erzieher.
Bürger erzieht ihr der sittlichen Welt, wir wollten euch loben, Die Mannichfaltigkeit.
Viele sind gut und verständig, doch zählen für Einen nur Alle. Das Göttliche.
Wäre sie unverwelklich die Schönheit, ihr könnte nichts gleichen, [171]
Ein unendliches ahndet, ein höchstes erschafft die Vernunft sich, Verstand.
Bilden wohl kann der Verstand, doch der todte kann nicht beseelen. Phantasie.
Schaffen wohl kann sie den Stoff, doch die wilde kann nicht gestalten. Dichtungskraft.
Daß dein Leben Gestalt, dein Gedanke Leben gewinne, Der Genius.
Wiederhohlen zwar kann der Verstand, was da schon gewesen, Der Nachahmer und der Genius.
Gutes aus Gutem das kann jedweder verständige bilden, Genialität.
Wodurch giebt sich der Genius kund? Wodurch sich der Schöpfer, Witz und Verstand.
Der ist zu furchtsam, jener zu kühn; nur dem Genius ward es Aberwitz und Wahnwitz.
Ueberspringt sich der Witz, so lachen wir über den Thoren, Der Unterschied.
Lächelnd sehn wir den Tänzer auf glatter Ebene straucheln, Die schwere Verbindung.
Warum will sich Geschmack und Genie so selten vereinen? Korrektheit.
Frey von Tadel zu seyn, ist der niedrigte Grad und der höchste, Lehre an den Kunstjünger.
Daß du der Fehler schlimmsten, die Mittelmäßigkeit, meidest, Das Mittelmäßige und das Gute.
Willst du jenem den Preiß verschaffen, zähle die Fehler, Das Privilegium.
Blößen giebt nur das Reiche dem Tadel, am Werke der Armuth Die Sicherheit.
Nur das feurige Roß, das muthige, stürzt auf der Rennbahn, Das Naturgesetz.
So wars immer mein Freund, und so wirds bleiben. Die Ohnmacht Vergebliches Geschwätz.
Fortzupflanzen die Welt sind alle vernünftgen Discurse Genialische Kraft.
Alle Schöpfung ist Werk der Natur. Von Jupiters Throne Delikatesse im Tadel.
Was heißt zärtlicher Tadel? Der deine Schwäche verschonet? Wahl.
Kannst du nicht allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk, Sprache.
Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen! An den Dichter.
Laß die Sprache dir seyn, was der Körper den Liebenden; er nur Der Meister.
Jeden anderen Meister erkennt man an dem was er ausspricht. Dilettant.
Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache, Der berufene Richter.
Wer ist zum Richter bestellt? Nur der Bessere? Nein, wem das Gute Der berufene Leser.
Welchen Leser ich wünsche? den unbefangensten, der mich, An ****
Du vereinigest jedes Talent, das den Autor vollendet, Das Mittel.
Willst du in Deutschland wirken als Autor, so triff sie nur tüchtig, Die Unberufenen.
Tadeln ist leicht, erschaffen so schwer; ihr Tadler des schwachen, Die Belohnung.
Was belohnet den Meister? der zartantwortende Nachklang, Das gewöhnliche Schicksal.
Hast du an liebender Brust das Kind der Empfindung gepfleget, Der Weg zum Ruhme.
Glücklich nenn ich den Autor, der in der Höhe den Beyfall Bedeutung.
„Was bedeutet dein Werk“? so fragt ihr den Bildner des Schönen, An die Moralisten.
Lehret! Das ziemet euch wohl, auch wir verehren die Sitte, [181]
Vielfach sind die Kräfte des Menschen, o daß sich doch jede An die Muse.
Nimm dem Prometheus die Fackel o Muse, belebe die Menschen, Die Kunstschwätzer.
Gutes in Künsten verlangt ihr? Seid ihr denn würdig des Guten, Deutsche Kunst.
Gabe von obenher ist, was wir schönes in Künsten besitzen, [182]
Muß der Künstler nicht selbst den Schößling von aussen sich hohlen? Todte Sprachen.
Todte Sprachen, nennt ihr die Sprache des Flakkus und Pindar, Deutscher Genius.
Ringe, Deutscher, nach römischer Kraft, nach griechischer Schönheit, Guter Rath.
Freunde, treibet nur alles mit Ernst und Liebe, die beyden G. und S.
|
