Ägypten als Blitzableiter für Eroberergelüste

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Ägypten als Blitzableiter für Eroberergelüste
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aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1909, Dritter Band, Seite 226–227
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Erscheinungsdatum: 1909
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart, Berlin, Leipzig
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[226] Ägypten als Blitzableiter für Eroberergelüste. – Daß der Zug, den Napoleon Bonaparte nach dem Frieden von Campo Formio im Mai 1790 gegen Ägypten unternahm, nur deswegen die Zustimmung der französischen Regierung gefunden hat, weil man den tatendurstigen, ehrgeizigen Feldherrn, dessen Siegeslauf dem Ministerium allmählich unheimlich geworden war, aus Frankreich entfernen und seine Eroberungssucht nach einer unschädlichen Richtung überleiten wollte, hat die Geschichtsforschung längst nachgewiesen.

Weniger bekannt dürfte es sein, daß ein deutscher Gelehrter bereits im Jahre 1675 versucht hat, den kriegs- und eroberungslustigen Ehrgeiz Ludwigs XIV., des Sonnenkönigs, durch einen Hinweis auf Ägypten als eines geeigneten Kolonialreichs für Frankreich von den deutschen Landen abzulenken.

Gottfried Wilhelm Freiherr v. Leibnitz, einer der vielseitigsten Gelehrten des siebzehnten Jahrhunderts, erkannte als erster die große Gefahr, die dem in sich zerrissenen, uneinigen Deutschland von dem unter Ludwig zur höchsten Machtentfaltung gelangten westlichen Nachbarn drohte, schätzte auch die [227] maßlose Ländergier des großen Franzosenkönigs richtig ein und wollte daher durch seine Schrift „Consilium aegyptiacum“ Ludwigs Ehrgeiz zu einem Zuge nach Ägypten anstacheln. In unauffälliger Weise schildert er darin die Vorteile dieser Eroberung gerade für Frankreich, den Reichtum des Landes, von dem aus eine Herrschaft über das gesamte Mittelmeer begründet werden könnte, und das eine starke Stellung auf dem Wege nach Ostindien böte.

Doch auf Ludwig wirkten diese verlockenden Hinweisungen leider nicht. Bald darauf fiel eine französische Armee in die Pfalz ein und führte hier die schmachvollsten Verwüstungen aus, von denen die Ruinen des Heidelberger Schlosses noch heute eine deutliche Sprache reden. Erst 110 Jahre später sollte dann Napoleon die für ihn so wenig glückliche Expedition nach dem Lande der Pharaonen beginnen, von seiner Regierung mit dem heimlichen Wunsche begleitet, daß er nie wiederkehren möchte.

Das Schicksal wollte es anders. Auch Bonaparte fand noch Gelegenheit, Deutschland mit seinen Heerscharen zu überschwemmen.

W. K.