„Der alte Harkort spricht“

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: „Der alte Harkort spricht“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 465
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Autorenseite Friedrich Harkort
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[465] „Der alte Harkort spricht.“ Wo man diesen Ruf hört, schweigt und lauscht man. Er kann nur die Wahrheit sprechen, der alte Fritz von Westphalen. Wer ihn kennt, kann sich gar nicht denken wie er etwas Anderes aussprechen könnte, als was ihm im Herzen sitzt. Der silberhaarige Arbeiter und Kämpfer hat nach oben die Wahrheit zu Zeiten gesagt, wo das gefährlicher war, als heute. Sein „Bürger- und Bauernbrief“ brachte ihn 1851 auf die Anklagebank; trotzdem ließ er, weil es sein Gewissen ihm gebot, das Jahr darauf den „Zweiten Bürger- und Bauernbrief“ folgen und erregte gleich nachher durch seinen „Wahlkatechismus pro 1852 für das deutsche Volk“ neue „Unzufriedenheit“ in den Massen und demzufolge auch bei der hohen Polizei. Wer so, wie Harkort, seine Lebtage zum Besten des Volkes gesorgt und gekämpft hat, der ist auch der rechte Mann, dem Volke einen Spiegel vorzuhalten, wenn er es auf Irrwege gerathen sieht, und ein solcher „Arbeiter-Spiegel“ ist’s, für den wir oben den Ruf erschallen ließen: „Der alte Harkort spricht.“

Er ist nur ein Heftchen von zwölf gedruckten Seiten, dieser „Arbeiter- Spiegel“, aber es ist in diesen wenigen Blättern als reife Frucht halbhundertjähriger Erfahrung mehr Lebensweisheit enthalten, als in manchem dicken Buche. Und wie versteht Friedrich Harkort mit und zu dem Volke zu reden! Jeder angehende Volksschriftsteller kann von ihm lernen, mit Einfachheit und Klarheit in kurzen, eindringlichen Sätzen seine Gedanken und Gefühle darzustellen und so warm zu geben, daß sie gleich in’s Herz des Hörers übergehen. Harkort ist bekanntlich Katholik, jetzt Altkatholik, aber den Luther muß er doch studiert haben, denn es herrscht Uebereinstimmung im Schwerthieb des Worts und geistige Verwandtschaft zwischen beiden, weil es beide gleich gut und ehrlich mit dem Volke meinen und den gleichen Zorn hegen gegen die nichtswürdigen Verführer desselben.

Harkort sagt in der Einleitung: „Wer in den Spiegel schaut, bemerkt leicht seine Flecken. Die Wahrheit ist ein solcher Spiegel für Jedermann, vom König bis zum Bettler. – Ohne Menschenfurcht soll man sie aussprechen und ihren Lehren ein williges Ohr leihen. – – In der Mehrzahl unseres deutschen Volkes liegt ein gesunder Kern, der gewartet und gepflegt werden muß, damit die Nation wehrhaft sei und den Tugenden unserer Vorfahren nicht untreu werde und die Geschichte unserer Tage für die Nachkommen das löbliche Beispiel stelle, daß Freiheit, Pflicht und Recht ihr Wahlspruch sein muß.“

Es ist sehr erfreulich, daß dieser „Arbeiter-Spiegel“ schon in der zehnten Auflage verbreitet wird, und löblich ist es von der Verlagshandlung (Gust. Butz in Hagen), daß sie den Preis von fünfundzwanzig Pfennig für das Exemplar bei Abnahme von fünfzig Exemplaren auf zehn und von hundert Exemplaren auf neun Pfennig herabsetzt. Dem Wohlhabenden, dem das Wohl des Volkes und Vaterlandes am Herzen liegt, kann es nicht billiger und bequemer geboten werden, durch Vertheilung dieses Schriftchens eine wahrhaft gute Saat zu säen.