ADB:Afsprung, Michael

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Artikel „Afsprung, Michael“ von Friedrich von Pressel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 136–137, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Afsprung,_Michael&oldid=- (Version vom 9. Dezember 2019, 12:53 Uhr UTC)
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Afsprung: Johann Michael A., Pädagog und Popularschriftsteller, geb. 21. Oct. 1748 zu Ulm, † ebendaselbst 21. März 1808. Unter den Männern, welche die Ideen der Aufklärung in Deutschland ausbreiteten, nimmt A. wegen des scharfen Ausdrucks, welchen diese Zeitrichtung in seiner eigenartigen Persönlichkeit fand, keine ganz unbemerkenswerthe Stelle ein. Mit dem Selbstbewußtsein eines Autodidakten die Unterstützungen und Aussichten verschmähend, welche sich ihm in seinem Geburtsorte, wie er mit kosmopolitischer Geflissentlichkeit die Vaterstadt nannte, darboten, pilgerte er als zweiundzwanzigjähriger Jüngling beruflos in die Welt hinaus, immer mit dem Muth gestraft, sie bessern zu wollen, während er die Ebnung seiner Wege den erfinderischen Bemühungen edler Freunde – sie erwuchsen ihm aus dem Anschluß an einen bekannten Orden – überließ. 1770 Hauslehrer in Wien, 1771 Professor der deutschen Litteratur in Saros Patak. 1774 durch den Antheil an einer freimüthigen Schrift über den Zustand der Gelehrsamkeit in Wien genöthigt, Oesterreich zu verlassen, reiste er über Karlsruhe, wo er mit Klopstock bekannt wurde, nach Dessau zu Basedow, dessen geräuschvolles Betreiben einer an sich guten Sache ihm jedoch eine bleibende Verbindung zur Unmöglichkeit machte. Nach einem längeren Aufenthalte in Holland, dessen Verfassung und Geschichte ihn anzog, landete er wieder in Wien, knüpfte daselbst einflußreiche Verbindungen, welche ihm den Posten eines Registraturadjuncten der Herrschaftstube in Ulm erwarben, gab aber diese Stelle bald wieder auf und gründete eine Erziehungsanstalt in Heidelberg. 1791 von den Wogen der französischen Revolution, für deren Ideen er anfänglich glühte, nach St. Gallen und Lindau verschlagen und aus letzterem Orte von den Oesterreichern ausgewiesen, dann Secretär der helvetischen Regierung, [137] in welcher Eigenschaft er mit der Deportation Lavater’s beauftragt wurde und eine Gefangenschaft im Hauptquartiere des Generals Massena ausstand, hierauf Hauslehrer in Neuschatel und St. Gallen, endete er sein unstetes Leben als Professor der griechischen Litteratur in Ulm. – Das Beste, was er geschrieben hat, sind wol die Reise durch einige Cantone der Eidgenossenschaft und die Briefe über die vereinigten Niederlande, sowie die Bemerkungen über die Abhandlungen König Friedrichs von der deutschen Litteratur, eine Schrift, die ihn an die Seite Jerusalem’s und Möser’s stellt. Seine patriotische „Vorstellung an seine liebe Obrigkeit“, Frankf. 1776, in welcher er einen auf Rousseau gegründeten Realismus empfiehlt oder besser befiehlt, trug „dem sich publice ungebetten aufgeworfenen unverjohrnen Reformatori Gymnasii Ulmensis“ trotz der enthusiastischen Anzeige Schubart’s ein scharfes obrigkeitliches Mißfallen ein. Afsprung’s Geistesrichtung war eine durchaus nüchterne: was sich nicht der sinnlichen Wahrnehmung und dem praktischen Verstande empfahl, hatte für ihn keinen Werth, Schöpfungen der Phantasie ließen ihn kalt, über religiöse Dinge zu spotten, gewöhnte er sich erst in späteren Jahren ab. Was ihn als Erzieher auszeichnet, ist die achtunggebietende Opposition gegen die Schlaffheit des Zeitalters, wobei er sich freilich in den denkbar herbsten Formen gefiel, wie er auch von der Plattheit der Basedowschen Richtung nicht freizusprechen ist.

Nicolai, Beschreibung einer Reise durch Deutschland IX. 100; Schmid[1], Joh. Mich. Afsprung, in den Würtb. Jahrbüch. Jahrg. 1865 S. 277 ff.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 137. Z. 20 v. o. l.: Fr. Pressel st. Schmid. [Bd. 2, S. 797]