ADB:Alzog, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Alzog, Johannes“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 759–761, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Alzog,_Johann&oldid=1989851 (Version vom 30. März 2015, 06:47 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Amalaberga
Band 45 (1900), S. 759–761. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Baptist Alzog in der Wikipedia
GND-Nummer 118878441
Datensatz, Rohdaten, Werke, Online-ADB/NDB, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|45|759|761|Alzog, Johannes|Friedrich Lauchert|ADB:Alzog, Johann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118878441}}    

Alzog: Johannes Baptist A., katholischer Kirchenhistoriker, geboren am 29. Juni 1808 in Ohlau in Schlesien, † am 1. März 1878 zu Freiburg. Er machte seine Gymnasialstudien zu Brieg, studirte Theologie und Philosophie zu Breslau und Bonn, war dann von 1830 bis 1833 in Aachen als Hauslehrer thätig und empfing am 4. Juli 1834 in Köln die Priesterweihe. Am 28. Februar 1835 wurde er an der Akademie Münster zum Doctor der Theologie promovirt, worauf er als Professor der Kirchengeschichte und Exegese an das Clericalseminar in Posen berufen wurde, welches Amt er bis 1844 bekleidete. Hier leistete er auch dem Erzbischof Martin v. Dunin gute Dienste in dem Streite um die gemischten Ehen. Im J. 1844 folgte er einem Rufe nach Hildesheim als Domcapitular, Professor und Regens des Priesterseminars. In dieser Stellung wurde er im J. 1848 als mitberathender Theologe zu der Versammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg zugezogen. Im J. 1853 wurde er als Professor der Kirchengeschichte an die Universität Freiburg berufen, wo er am 4. März 1854 seine Antrittsrede hielt und seitdem bis an seinen Tod in sehr erfolgreicher Weise in diesem Lehramte thätig war. 1854 erhielt er auch den Titel eines Geistlichen Raths. Im J. 1863 unterzeichnete er mit Döllinger und Haneberg die Einladung zu der Münchener Gelehrtenversammlung. Im J. 1869 wurde er als Consultor bei den Vorarbeiten für das Vaticanische Concil nach Rom berufen. Am 28. Februar 1878 wurde er von einem Schlagflusse getroffen, der am nächsten Tage seinen Tod zur Folge hatte. – Alzog’s litterarische Thätigkeit wird eröffnet durch seine Promotionsschrift über die Principien der katholischen Schriftauslegung: „Explicatio Catholicorum systematis de interpretatione literarum sacrarum. Commentatio theologico-polemica“ (Monasterii 1835). Das Hauptwerk seines Lebens, die Kirchengeschichte, erschien in Mainz zuerst 1841 unter dem Titel: „Universalgeschichte der christlichen Kirche vom katholischen Standpunkte. Lehrbuch für theologische Vorlesungen“. In rascher Folge erschienen von dem praktischen Lehrbuche, das einem wirklichen Bedürfniß entgegenkam, eine Reihe von weiteren Auflagen unter dem Titel: „Universalgeschichte der christlichen Kirche. Lehrbuch für akademische Vorlesungen“ (2. Aufl. Mainz 1843; 3. Aufl. 1844; 4. Aufl. 1846; 5. Aufl. 1850; 6. Aufl. 1854; 7. Aufl. 1859). Mit der 8. Auflage gestaltete A., der fortwährend verbessernd und erweiternd an dem zu immer größerem Umfange anwachsenden Buche gearbeitet hatte, dasselbe zu einem umfangreicheren zweibändigen Handbuche um, das seitdem noch dreimal erschien: „Handbuch der Universal-Kirchengeschichte“ (8. Aufl. 1866 und 67; 9. Aufl. 1872); endlich in 10. Auflage nach Alzog’s Tode als „Handbuch der allgemeinen Kirchengeschichte“ neubearbeitet von seinem Nachfolger auf dem Lehrstuhle, F. X. Kraus (2 Bände, Mainz 1882). Inzwischen war das Werk auch in verschiedene fremde Sprachen, in das Französische, Spanische, Italienische, Portugiesische, Böhmische, Polnische, Englische und Armenische übersetzt worden (vgl. Kraus, Gedächtnißrede S. 8). Als Auszug aus dem Handbuch ließ A. einen „Grundriß der Universal-Kirchengeschichte, zunächst für akademische Vorlesungen“ (Mainz 1868) erscheinen. Ein nicht weniger geschätztes und verdienstvolles Lehrbuch war Alzog’s zweites Hauptwerk, der „Grundriß der Patrologie [760] oder der ältern christlichen Literärgeschichte“ (Freiburg i. Br. 1866; 2. Aufl. 1869; 3. Aufl. unter dem Titel „Handbuch“ 1876; 4. Aufl. nach Alzog’s Tode 1888). Auch dieses Buch wurde ins Französische übersetzt. – In Hildesheim gab A. mit seinen Collegen am Seminar (Gams, Mattes, F. W. Koch, G. J. Müller) die „Theologische Monatschrift“ heraus (2 Jahrgänge, Mainz 1850 und 1851). Von A. sind darin die Aufsätze: „Ueber die Reformbewegungen unserer Zeit auf dem Gebiete der Kirche“ (I. Jahrg. 1850, S. 77–81; 588 bis 611; 861–881); „Der römische Katechismus und seine Beziehungen zur Pastoraltheologie“ (II. Jahrg. 1851, S. 175–187), und einige Recensionen. Der Hildesheimer Zeit gehört ferner an: „Katholisches Gebet-, Gesang- und Betrachtungsbuch“ (Mainz 1849). Der Freiburger Zeit gehören noch folgende kleinere Arbeiten an: die der Beförderung der patristischen Studien unter den Studirenden dienende Textausgabe: „Sancti Patris nostri Gregorii Theologi vulgo Nazianzeni oratio apologetica de fuga sua. Textum cum selectis annotationibus ad editionem monachorum Ord. S. Benediciti e congr. Mauri edidit Jo. Bapt. Alzog“ (Freiburg 1858; 2. Aufl. 1869); die im Freiburger Diöcesan-Archiv veröffentlichten Arbeiten: „Ueber Nicolaus Weislinger, ‚Pfarrherrn zu Capell unter Rodeck im Breyßgau‘. Zur Verständigung über seine Person und seine literarische Thätigkeit“ (Bd. I, 1865, S. 405 bis 436); „Itinerarium oder Raisbüchlin des P. Conrad Burger, Conventual des Cisterzienser-Klosters Thennenbach und Beichtiger im Frauen-Kloster Wonnenthal vom J. 1641 bis 1678“ (Bd. V, 1870, S. 247–358; Bd. VI, 1871, S. 73–157); „Die deutschen Plenarien (Handpostillen) im 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts [1470–1522]. Ein Beitrag zur Geschichte der religiösen Volksbildung in jener Zeit, besonders in Süddeutschland“ (Bd. VIII, 1874, S. 255-330; auch separat im Buchhandel erschienen, Freiburg 1874); ferner noch die akademischen Schriften: „Antrittsrede, gehalten am 4. März 1854 an der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg“ (Freiburg 1854); „Commentatio de litterarum Graecarum atque Romanarum studiis cum theologia christiana conjungendis“ (Freiburg 1857; Programm zum Jubiläum der Universität). Ferner redigirte A. die beiden ersten Jahrgänge (1857 und 1858) des von ihm begründeten, seit dem 4. Juli 1857 erscheinenden „Freiburger Katholischen Kirchenblattes“. Wesentlichen Antheil nahm A. auch an der Herausgabe der Schrift: „Des P. Ildephons v. Arx Geschichte der Herrschaft Ebringen im J. 1792 aus alten Urkunden gezogen, dem Druck übergeben von Joseph Booz“ (Freiburg 1860). Endlich schrieb A. für Aschbach’s Kirchenlexikon die Artikel: „Baronius“ (I, 470–475) und „Kirchengeschichte“ (III, 811–823); für das Kirchenlexikon von Wetzer und Welte eine Anzahl von Artikeln, darunter die umfangreicheren: „Bluthochzeit, Pariser“ (II, 48–56); „Calvin, Calvinismus“ (II, 274–282); „Willigis“ (XI, 1103–1108); „Rücktritt zur katholischen Kirche“ (XII, 1049–1062). – Als Gelehrter gehörte A. der historischen Schule an, deren Begründung sich an Möhler’s Namen knüpft. Wie in dem ebenso religiös gläubigen als wissenschaftlichen Geiste, mit welchem er den Gang der Kirchengeschichte betrachtete, folgte er dem Vorgange Möhler’s auch darin, daß er den kirchengeschichtlichen Unterricht, sehr zu dessen Vortheil, in die engste Beziehung zu den patristischen Studien setzte. Die „hervorstechenden Merkmale seines persönlichen Wesens und seiner Stellung im öffentlichen Leben“, wie in der Wissenschaft, waren, wie Kraus ihn charakterisirt, Besonnenheit und Mäßigung. Er war „ein Mann des Juste-Milieu; er hat in schwierigen Umständen der Kirche als vermittelnde Persönlichkeit gute Dienste geleistet und eine wirklich kirchliche Gesinnung an Tag gelegt“; man konnte ihn einen „liberalen Mann“ im besten Sinne nennen, „hätte das Wort seinen ehrlichen Klang bewahrt“, [761] während bei der Liebe zur Kirche und der Ehrfurcht vor ihrer Autorität, die ihn immer beseelte, Niemand weiter als er von dem falschen Liberalismus, oder was man heute so unter diesem Schlagwort versteht, entfernt sein konnte.

F. X. Kraus, Gedächtnißrede auf Johannes Alzog. Freiburg i. Br. 1879. – Simar im Jahresbericht der Görres-Gesellschaft für 1878, S. 15; dasselbe im Katholik, 1878, II, S. 318 f. – Hergenröther im Kirchen-Lexikon, 2. Aufl., I, 668.
Lauchert.