ADB:Anhalt, von

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Artikel „Anhalt“ von Cäsar Dietrich von Witzleben in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 462–463, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Anhalt,_von&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 02:05 Uhr UTC)
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Anhalt: Mit der Besprechung der Grafen und Herren von A. verbinden wir die Biographie ihres Vaters, des Erbprinzen Wilhelm Gustav von Anhalt-Dessau, geb. 20. Juni 1699, † 16. Dec. 1737. Er war der Sohn des unter dem Namen „der alte Dessauer“ bekannten Fürsten Leopold und der Anna Louise Föhes, welche im Sept. 1698 mit dem Fürsten vermählt und vom Kaiser Leopold 1701 in den Fürstenstand erhoben worden war. In frühester Jugend als Cornet in das Regiment Gens d’armes eingestellt, erhielt er 1706 das Patent als Rittmeiser und, nachdem er 1712 seinen Vater in dem Feldzuge gegen Frankreich begleitet hatte, 1713 eine Compagnie in dem genannten Regiment. Zwei Jahre darauf wohnte er der Einnahme der Insel Rügen und der Festung Stralsund bei und erhielt am 25. Nov. 1715 das zu Portail’sche Regiment zu Pferde. Im J. 1719 ging der Prinz nach Ungarn, um im Kriege gegen die Türken sich neue Erfahrungen zu sammeln und wohnte auch, inzwischen zum General-Lieutenant befördert, 1734 und 1735 dem Kriege gegen Frankreich unter Prinz Eugen als Volontair bei. Er starb am 16. Dec. 1737 an den Pocken, nachdem er sich mit Johanne Sophie Herre, einer Bauerstochter aus Dessau, heimlich vermählt und mit ihr 3 Töchter und 6 Söhne gezeugt hatte, die vom Kaiser in den Grafenstand erhoben wurden.

Die Töchter heiratheten in preußische Adelsfamilien, die Söhne traten in preußische Kriegsdienste.

Wilhelm, der Aelteste, war 1727 geboren, wurde 1759 Oberst-Lieutenant und Flügeladjutant des Königs Friedrich II., und fand in der Schlacht von Torgau 3. Nov. 1760 den Heldentod an der Spitze seines Grenadier-Bataillons, welches von 2 Compagnien Garde und 2 Compagnien „Prinz von Preußen“ [463] zusammengesetzt war. Der König, welcher ihm schon früher den Orden pour le mérite verliehen hatte, betrauerte seinen Tod aufrichtig.

Leopold Ludwig, der zweite Sohn, geb. 1729, wohnte der Schlacht von Kesselsdorf 15. Dec. 1745 bei, und wurde in der Schlacht von Prag 6. Mai 1757 durch drei Kugeln schwer verwundet, aber durch die Bäder in Aachen wiederhergestellt, nur daß er zeitlebens hinkend blieb. Im J. 1758 trat er wieder in die Armee ein, ward zum Major befördert, gerieth 1759 unter General von Diericke in österreichische Kriegsgefangenschaft, ward aber auf Ehrenwort nach Dessau entlassen. Er starb mit dem schwarzen Adlerorden decorirt, 1795 als General der Infanterie und General-Inspecteur der niederschlesischen Infanterie zu Liegnitz.

Der dritte Sohn Gustav, geb. 1730, wurde als Grenadier-Hauptmann in der Schlacht bei Breslau am 22. Nov. 1757 durch eine Geschützkugel getödtet.

Der vierte Sohn Friedrich, geb. 1732, 1752 Flügeladjutant des Königs, 1757 General-Adjutant des Prinzen von Preußen, fiel er in der[1] Schlacht von Moys schwerverwundet in österreichische Gefangenschaft. 1758 kehrte er in den Kriegsdienst zurück und erwarb sich bei Zorndorf den Orden pour le mérite. 1776 bereits 6 Jahre General-Major und ohne Aussicht auf fernere Beförderung, nahm er seinen Abschied, ging als General-Lieutenant 1777 in sächsische und von hier aus 1783 in russische Dienste, und starb 1794 zu Petersburg als General-Adjutant der Kaiserin und General-Director des adeligen Landcadettencorps.

Der fünfte Sohn Albrecht, geb. 1735, starb als preußischer General-Major a. D. 1802 zu Dessau.

Der letzte Sohn Heinrich, geb. 1736, starb 1758 als Hauptmann im Lager vor Dresden.

Außer diesen mit der Johanna Sophie Herre erzeugten Kindern, den Grafen und Gräfinnen von Anhalt, hinterließ der Erbprinz Wilhelm Gustav zwei uneheliche mit der Tochter des Superintendenten Schardius erzeugte Söhne, welche von Friedrich II. unter dem Namen „von Anhalt“ in den Adelsstand erhoben worden sind: Karl Philipp, 1756 bei der preußischen Artillerie eingetreten und 1806 als pensionirter General-Major zu Berlin gestorben, und Heinrich Wilhelm (s. d.)

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 463. Z. 16 v. o. l.: fiel in der. [Bd. 2, S. 463]