ADB:Böblinger

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Artikel „Böblinger“ von Eduard Mauch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 757–759, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:B%C3%B6blinger&oldid=- (Version vom 16. November 2019, 01:11 Uhr UTC)
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Böblinger, auch Beblinger, ist der Geschlechtsname einer schwäbischen Baumeister-Familie, welche im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts sich durch Kunst und Fleiß auszeichnete; ihre Geschichte können wir gleichwol nur lückenhaft darstellen, indem außer wenigen Urkunden und Siegeln oder Monogrammen auf Zeichnungen oder an Bauwerken sonst keine weiteren Anhaltspunkte auf uns gekommen. Mit dem Jahr 1435 tritt erstmals ein Glied dieser Familie auf. In dem „Gothischen A-B-C-Buch“ von Friedr. Hoffstadt 1840 ist nämlich S. 205 auf ein Buch mit gothischen Blätterzeichnungen Bezug genommen, in welchem eingeschrieben ist: „Ich hanns von Böblingen ain Stainmetz. 1435“ und dem Monogramm: ADB-Böblinger (Monogramm 1).jpg Aus demselben Jahr und mit demselben Monogramm besitzt das Münsterbauarchiv in Ulm auf Pergament einen geometrischen Aufriß [758] als Entwurf zu einem Sakramenthäuschen oder zu einer Pfeiler-Elevation mit der Beischrift: „das bermment han ich zu Kostenz gerissen“. Monogramm und Jahreszahl beweisen also, daß diese Zeichnung von demselben Hans B. ist und daß er sich damals in Konstanz aufgehalten. Es ist deshalb auch sehr wahrscheinlich, daß er auch am Baue des dortigen Münsters, wie etwas später an dem in Ueberlingen thätig war, wie Chroniken erzählen. Als im Jahr 1436 der Werkmann am Baue der Frauenkirche in Eßlingen, Hans Hülin, starb, wurde vom dortigen Rathe – auf Empfehlung des die Oberleitung des Frauenbaues führenden Meisters, Matthäus Ensinger, welcher sich damals auch als Werkmeister am Baue des Münsters in Bern aufhielt – Hans von Böblingen zum Balier bestellt. Er entsprach so sehr, daß er schon etliche Jahre später – im J. 1440 – zum Meister des Baues erhoben wurde und als solcher 8 Goldgulden Jahressold und im Sommer 4½ und im Winter 3½ Schilling als Tagelohn neben freier Wohnung erhielt. Gleichwol blieb Matthäus Ensinger die Oberleitung fortan übertragen. Im gleichen Jahr verheirathete sich Hans mit einer Bürgerstochter von Eßlingen mit Namen Ursula, geborene Koch. Ohne Zweifel wurde zur selben Zeit B. auch Bürger in Eßlingen; sein Geburtsort war aber sehr wahrscheinlich das Städtchen Böblingen, woher auch der Geschlechtsname entstanden. Im J. 1445 verkaufte Hans in Gemeinschaft seiner zwei Schwäger Haus und Hof seines verstorbenen Schwiegervaters. Im J. 1456 wurde Meister Hans auf Lebenszeit zum Fortbau der Frauenkirche bestellt und er wurde zu weiterer Belohnung seiner Verdienste von nun an von Steuer, Zunft- und anderer Beschwerung befreit; auch erhielt er den Titel „Kirchenmeister“, sein Balier um jene Zeit hieß Hans Gugelin. Im J. 1459 war Meister Hans von Eßlingen – wie er sich damals selbst nannte – in der großen Baumeisterversammlung in Regensburg; ebenso auch im J. 1464 in der Versammlung in Speyer. Von 1464–1466 soll Meister Hans den Kirchthurm in Möhringen erbaut haben. Im J. 1472 führte Meister Hans seine Söhne Matthäus und Marcus als Gesellen in der Versammlung in Straßburg ein, und in der zwei Jahre darauf folgenden Versammlung daselbst den Steinmetzen Matthäus Roritzer aus Regensburg. Im J. 1482 starb Hans. Sein Grabstein in der Frauenkirche in Eßlingen hat neben seinem Monogramm die Inschrift: „Anno domini 1482 an dem 4 tag des Jänner ist gestorben Hans Böblinger maister vnser lieben frowen Kirchenbuws, Stainmetz. got geb im die ewig ruw. Amen.“ Auch wurde zu seinem Gedächtniß an einem der inneren Pfeiler in der Nähe des Haupteingangs unter seinem Monogrammschild ein Schriftband angesetzt auf welchem steht: „hier lit begraben hans Böblinger, Maister dis hus, des gedenket durch Gott“. Als Hans B. den Bau der Frauenkirche in Eßlingen übernommen, war allerdings das Langhaus der Hauptsache nach schon fertig; sein Hauptwerk ist daher der Thurm mit durchbrochener Pyramide, dessen Aufbau ihm im Jahr 1440 auch ausdrücklich übertragen wurde; sein Monogramm ist daher von diesem Jahr an aufsteigend mehrmals zu finden; das jüngste mit der in der letzten Ziffer verstümmelten Jahreszahl 147? noch innerhalb der Thurmpyramide am Fuße der Wendeltreppe. Hans hatte vier Söhne mit Namen: Matthäus, Marcus, Lucas und Dionysius, welche alle Steinmetzen waren. Der unmittelbare Nachfolger Hans Böblinger’s am Fortbau scheint sein Sohn Marx gewesen zu sein, indem sein Name mit dem Prädicat „Meister“ und der Jahreszahl 1484 in die südwestliche Eckfiale der Umgangsgallerie eingehauen zu finden ist; sehr bemerkenswerth ist hiebei weiter, daß das beigesetzte Monogramm das seines Vaters ist. Marx starb im J. 1492.

Matthäus Böblinger, der berühmteste Sohn von Hans, wird uns erstmals durch seine Einführung als Gesell in die Baumeister-Versammlung in [759] Straßburg im J. 1472 bekannt. Im J. 1474 wird Matthäus von dem Rathe in Eßlingen für den Münsterbau in Ulm abgetreten; er scheint somit bis dahin als Balier am Frauenkirchenbau unter Oberleitung seines Vaters gedient zu haben, war aber ohne Zweifel schon früher am Münsterbau in Ulm beschäftigt. Vom J. 1478 ist daselbst sein Meistermonogramm ADB-Böblinger (Monogramm 2).jpg an dem südwestlichen Eckpfeiler zu finden; 1480 wird er vom Rathe als Kirchenmeister auf sein Leben lang bestellt. Im J. 1494 bekam er aber Streitigkeiten mit dem Rathe und zog wieder nach Eßlingen, allwo er den Frauenkirchenbau wie den Bau der Spitalkirche leitete. Unter Matthäus B. wurde der Hauptthurm des Münsters in Ulm um hundert Fuß erhöht, nämlich bis zum Schluß des Vierecks, an dessen Kreuzgallerie auch sein Monogramm mit der Jahreszahl 1494 zu finden. Diesen seinen Bauantheil hat er auch selbst auf dem sog. Originalaufriß des Thurmes – welche Zeichnung das Münsterbauarchiv besitzt – angegeben. Ferner baute Matthäus oder wurde er zu Rath gezogen bei den Kirchenbauten in Frankfurt a. M., Reutlingen, Memmingen, Gmünd, Urach etc. Er starb im J. 1505 in Eßlingen; auf seinem Grabstein, welcher in der Nähe des seines Vaters liegt, steht: „O here got ich bit dich um din Barmherzigkeit. Matheus Beblinger von Esslingen“, in der Mitte sein Monogramm und Jahreszahl 1505. Matthäus hatte einen Sohn Hans, welcher gleichfalls Steinmetz war und von welchem in der Bauhütte in Wien eine sehr schöne Zeichnung auf Pergament vom Jahr 1501 aufbewahrt wird: sie stellt dar die von seinem Vater im J. 1485 begonnene und auch ziemlich vollendete Spitalkirche in Eßlingen – nach Zeichnungen und Beschreibungen ein ausgezeichnet zierlicher Bau, – welche Kirche aber im J. 1815 abgetragen wurde; von seinen Bauwerken ist uns blos das schöne Sacramentshäuschen in Bopfingen vom J. 1510 bekannt; er soll auch bald darauf in Straßburg gestorben sein.