ADB:Bahnmaier, Jonathan Friedrich

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Artikel „Bahnmaier, Jonathan Friedrich“ von Christian Palmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 766–767, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bahnmaier,_Jonathan_Friedrich&oldid=2525095 (Version vom 24. Oktober 2017, 07:47 Uhr UTC)
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Bahnmaier: Jonathan Friedrich B., Doctor der Theologie, geb. zu Obristenfeld in Würtemberg[1], † zu Owen 18. Aug. 1841. Er verdient im deutschen Volke ein bleibendes Andenken einerseits als einer der Männer, die in der Zeit des Pestalozzismus mit unermüdetem Eifer die Hebung der Volksbildung sich angelegen sein ließen, ohne darum ihrer kirchlich-frommen Gesinnung irgendwie untreu zu werden; andererseits aber war er, dessen kräftigste Mannesjahre in die Napoleonischen Zeiten fielen, ein kerndeutscher Mann, der nicht nur bis an sein Ende den deutschen Rock trug und alte deutsche Sitte festhielt, sondern der ein Martyrium dafür zu erdulden hatte. Seine Erziehung war unter den Händen der Eltern (sein Vater war Prediger) eine entschieden fromme im Sinne des älteren schwäbischen Pietismus; die dadurch genährte Richtung seines Gemüths, fand auch in den Seminarien, die er durchlief, wie später in seiner Thätigkeit als Vicar und Repetent, ferner auf gelehrten Reisen (auf welchen er Verbindungen mit Männern wie Lavater und Heß in Zürich anknüpfte) stets reichliche Nahrung. Im J. 1806 erhielt er das Diakonat in Marbach (Schiller’s Geburtsort), 1810 in Ludwigsburg und schon auf diesen Stellen entwickelte er außer den Berufspflichten eine ungeheure Thätigkeit für die Schulen, für nützliche Anstalten, für Fortbildung der Schullehrer, für Schul- und Kinderfeste, wofür er auch seine poetische Begabung verwerthete. Bei sehr conservativer Gesinnung in religiösen Dingen war er in Sachen der Schule ein Neuerer, er haßte alles, was aussah wie Schlendrian; daß etwas davon auch in sein theologisches Bewußtsein überging, das war ihm ebenso verborgen, wie den damaligen Supranaturalisten [767] überhaupt, namentlich der Tübinger Schule. Unerwartet wurde er dieser eingefügt, indem er 1815 als Professor der Theologie mit dem Lehrauftrag für Homiletik und Pädagogik nach Tübingen berufen wurde. Er las auch immer nur über diese Fächer, übernahm daneben die Inspection städtischer Schulen, führte auch dort die Maienfeste für die Schuljugend ein, erwarb sich aber ein großes Verdienst dadurch, daß er zuerst dem Bedürfniß praktischer Uebungen im Predigen, Katechisieren umd im Schuluntericht durch die Veranstaltung freiwilliger Uebungen der Theologie-Studierenden entgegen kam, und daraus ein festes Institut, ein Seminar, bildete, das sofort der Staat als Universitätsinstitut anerkannte und das heute noch als ein unentbehrliches Glied des akademischen Organismus in Tübingen besteht. Er war es auch, auf dessen Betrieb eine eigene Musikdirectorstelle an der Universität gegründet und als erster Inhaber derselben Friedrich Silcher berufen wurde. Allein es war ihm dort keine lange Wirksamkeit beschieden. Er bekleidete im J. 1819 die Rectorwürde. Nach der That Sand’s – welch’ letzerer einige Zeit in Tübingen studirt hatte – wurde der Senat aufgefordert, sich über die Stimmung der Studirenden zu äußern und B., so sehr er die That verabscheute und den Studirenden ins rechte Licht stellte, war doch nicht Diplomat genug, um nicht in dem von ihm verfaßten Antwortschreiben auch eine Mißbilligung der antideutschen Politik der Cabinette durchblicken zu lassen. Auch vorher schon hatte er der Königin Katharina gegenüber, die ihn kennen zu lernen gewünscht, einige Aeußerungen ähnlicher Art über den Minister Wangenheim gethan, die dieser, sein vorheriger Gönner, sehr übel nahm – kurz er wurde plötzlich seiner akademischen Lehrstelle enthoben und als Decan nach Kirchheim unter Teck versetzt. Dort schuf er sich einen seinem thätigen, nach seinem eignen Geständniß fast allzu unmüßigem Geist entsprechenden umfassenden Wirkungskreis; er nahm zuletzt noch sehr lebhaften Antheil an der Herstellung des neuen Gesangbuchs, wurde aber auf einer Visitationsreise in dem Amtsort Owen vom Schlage getroffen und starb dort. – Bahnmaier’s Schriften sind theils Gedichte – „Gesänge für die Jugend“ 1811, „Gesänge für christliche Feier vaterländischer Feste“ 1820 u. a. m., (vgl. Koch, Gesch. des Kirchenliedes (3. Aufl.) VII. S. 81 f.), theils Predigten – für wohlthätigen Zweck herausgegeben 1823, außerdem Gelegenheitsschriften, akademische Programme, Ansprachen, Denkschriften u. dergl.; kurze Zeit redigierte er ein Schulblatt.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. Z. 22 v. u. l.: in Würtemberg 12. Juli 1774. [Bd. 2, S. 798]