ADB:Beausobre

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Artikel „Beausobre“ von Johann Jakob Herzog in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 194–195, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Beausobre&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 03:12 Uhr UTC)
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Beausobre. Unter den Gliedern dieser dem französischen Protestantismus angehörigen Familie kommt hier hauptsächlich in Betracht Isaak B., theils weil er der bedeutendste derjenigen ist, die diesen Namen tragen, theils weil er vom 24. Lebensjahre an in Deutschland gelebt und gewirkt hat. Geboren zu Riort in der Provence 8. März 1659, von protestantischen Eltern, studirte er gegen den Wunsch derselben, die ihn für die juristische Laufbahn bestimmt hatten, die Theologie zu Sedan und hatte kaum sein Pfarramt zu Chatillon-sur-Indre angetreten, als er wegen Religionsverfolgung sein Vaterland verlassen mußte. Von Rotterdam, wohin er sich zunächst geflüchtet, kam er 1686 nach Dessau als Prediger der dortigen französischen Gemeinde, seit 1695 sehen wir ihn als Prediger an der französischen Colonie in Berlin, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode 5. Juni 1738 verblieb. Außerdem war er Hofcaplan, Mitglied des Oberconsistoriums seit 1707, Director der sogenannten „Maison française“, eines Hospizes für seine Landsleute, Inspector des französischen Gymnasiums, und im letzten Jahre seines Lebens Inspector aller französischen Kirchen der Mark Brandenburg. Die französische Kirchen von Utrecht, Hamburg und die Savoykirche in London machten vergebliche Versuche, ihn zu gewinnen. Derselbe nahm thätigen Antheil an allen Schritten, die gethan wurden, um die Rückkehr der geflüchteten Reformirten in das Vaterland oder wenigstens eine Erleichterung ihres harten Looses zu Stande zu bringen. Als Prediger nimmt er unter seinen Landsleuten eine ausgezeichnete Stelle ein. Friedrich II., der ihn noch als Kronprinz hörte, spricht mit Bewunderung von seiner Beredtsamkeit. Aber eben so groß, ja wol noch größer ist sein Ruhm, sein Verdienst als theologischer Schriftsteller. Sein bedeutendstes theologisches Werk ist seine „Histoire critique de Manichée et du Manichéeisme“, Amsterdam 1743, 1739. 2 Bde. Ein sehr gelehrtes Werk, was noch immer seine Bedeutung behält und eine in damaliger Zeit seltene Freiheit und Unbefangenheit des theologischen und historischen Urtheils bekundet. „Ich kenne“, sagt er, „kein größeres Gut, als die Freiheit im Denken, keine angenehmere Beschäftigung als das Suchen nach Wahrheit, kein größeres Vergüngen als sie zu finden und sie auszusprechen.“ Tome II. S. 730. Weniger bedeutend sind seine übrigen historischen Arbeiten, wovon die meisten nur handschriftlich hinterlassen worden. Im Fache der Schrifterklärung ist hervorzuheben sein Antheil an dem von Lenfant und ihm herausgegebenen Neuen Testament, – seit 1718 bis 1776 in vier Ausgaben erschienen – sodann verdienen ehrenvolle Erwähnung seine „Remarques historiques, critiques et philologiques sur le N. T.“ 1742. Auch mehrere Predigtsammlungen besitzen wir von ihm. B. hatte von seiner ersten Ehe drei Söhne und zwei Töchter, und von der zweiten Ehe, die er 1730 erst einging, zwei Söhne. – Von ihnen sind als Schriftsteller zu nennen: Karl Ludwig aus der ersten [195] Ehe, aus der zweiten Ludwig. Jener, geb. 1690 in Dessau, widmete sich dem geistlichen Stande, wurde 1718 College seines Vaters im Predigtamte; der König ernannte ihn zum geheimen Rathe und die Akademie der Wissenschaften in Berlin nahm ihn als Mitglied auf im J. 1751; er starb 1753. Seine Schriften beziehen sich theils auf die kirchliche Zeitgeschichte, theils auf die biblische Geschichte; in ersterer Beziehung verdient „Der Triumph der Unschuld“, eine Apologie der französischen Protestanten, Erwähnung. Ludwig, geb. in Berlin 1730, erfreute sich der besonderen Gunst Friedrichs II., schon als dieser noch Kronprinz war. Er sorgte für dessen Bildung und verschaffte ihm den Eintritt in die Akademie der Wissenschaften, ernannte ihm zum Revisionsrath, zum Mitglied des Ober-Consistoriums und zuletzt zum geheimen Rathe. Ludwig starb 1783. Seine vielfältigen Schriften, die alle für mittelmäßig gelten, betreffen philosophische Gegenstände, sodann Politik, Finanzen, Handelsstatistik, auch die deutsche Litteratur.

S. France protestante.