ADB:Besser, Johann Heinrich

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Artikel „Besser, Johann Heinrich“ von Otto Mühlbrecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 571–572, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Besser,_Johann_Heinrich&oldid=- (Version vom 22. April 2019, 08:43 Uhr UTC)
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Besser: Johann Heinrich B., Buchhändler, geb. zu Quedlinburg am 1. Nov. 1775, † 3. Dec. 1826 in Hamburg. Sein Vater, ein Geistlicher in Quedlinburg, hatte eine starke Familie; um den Söhnen einen guten Unterricht gewähren zu können, nahm er junge Ausländer zur Erziehung ins Haus, und so kam unser B. mit guten Schulkenntnissen, namentlich in den alten und neuen Sprachen, ausgerüstet zu dem Buchhändler C. E. Bohn in Hamburg in die Lehre. Er bildete sich rasch zum Geschäftsmanne, so daß er schon im dritten Lehrjahre die Verwaltung eines Filialgeschäftes in Kiel mit Erfolg übernehmen konnte. In Hamburg war er mit Friedrich Perthes befreundet geworden, und als letzterer 1796 in Hamburg seine eigene Buchhandlung begründete, beschlossen die Beiden sich zu associiren; B. sollte nach London gehen, um dort ein wissenschaftliches Lesecabinet zur Förderung eines regeren litterarischen Verkehrs zwischen England und Deutschland zu errichten, für welchen Zweck er nach Göttingen ging, seine Kenntnisse zu erweitern und Vorstudien auf der dortigen Bibliothek zu treiben. Der Plan scheiterte an den mißlichen Zeitverhältnissen und B. wirkte zusammen mit Perthes in Hamburg in erfolgreichster Weise, trotzdem beide ohne Vermögen waren und ihre Handlung nur auf Credit beruhte, der ihnen allerdings von allen Seiten mit vollstem Vertrauen gewährt wurde. Hamburg war damals der Mittelpunkt des Welthandels und der größten politischen Bewegungen, und so konntern Perthes und B. die weitverzweigtesten buchhändlerischen Beziehungen in allen Ländern mit großem Erfolge unterhalten. Indessen die Jahre von 1806–11 hatten die schwierigsten Kämpfe für sie im Gefolge und nur mit äußerster Anstrengung vermochten die Beiden ihren geschäftlichen Verpflichtungen nachzukommen, in welcher Zeit der höchsten Noth sich B. stets von großer Ruhe und Besonnenheit erwies. Bei Beginn der französischen Herrschaft 1811 nahm das Geschäft einen ungeahnten Aufschwung; in Hamburg allein war Gelegenheit, Bücher in das Reich zu bringen, während dies auf der ganzen Douanenlinie der neuen Departements bis Amsterdam unmöglich war, und der Bücherbedarf war ein sehr großer; in allen Justiz- und Administrationsfächern, wie in allen übrigen Zweigen des öffentlichen Lebens mußte man sich mit dem von der neuen Regierung Aufgedrängten bekannt machen, und Perthes und B. deckten von Hamburg aus einen großen Theil des Bücherbedarfs in Deutschland. Ihr Geschäft war außerdem von der Mortier’schen Besetzung Hamburgs an bis zum Davoust’schen Gouvernement ein Sammelplatz aller Militär- und Civilautoritäten, trotzdem die Besitzer keineswegs ihre echt deutsche Gesinnung verbargen und namentlich B. oft in kühnster Weise im Gespräch sich exponirte. Selbstverständlich betheiligte sich B. denn auch bei dem Hamburger Aufstande 1813, was zur Folge hatte, daß bei dem Wiedereinrücken der Franzosen das Geschäft mit Beschlag belegt wurde; die Besitzer waren geflohen, der Ruin schien unabwendbar, Perthes’ Vermögen wurde confiscirt, seine Wohnung zur Kaserne umgewandelt; in Kiel trafen sich die Freunde, um über die Zukunft einen Entschluß zu fassen. Nach der politischen Entscheidung 1814 gingen beide mit Gottvertrauen daran, aus den Trümmern des früher so blühenden Geschäftes [572] sich ein neues zu erbauen, und wurden dabei überall mit demselben Credit unterstützt, den man ihnen schon früher unbedingt gewährt hatte. B. wandte sich zunächst nach England, um nach Aufhebung der Continentalsperre das erste Begehren nach deutscher Litteratur zu benutzen, Perthes ging nach Hamburg zur Wiederherstellung der Handlung und beide operirten so geschickt und glücklich, daß innerhalb zweier Jahre sämmtliche rückständige Verpflichtungen erfüllt waren. Von der Zeit ist das Glück dem Geschäfte treu geblieben und gelangte die Firma Perthes und B. zu großem Ansehen. Vom Jahre 1822 an widmete sich B., nachdem Perthes den Geschäftszweig des Verlages übernommen, mit seinem Schwiegersohn Mauke dem alleinigen Betriebe des Sortiments, wobei er, inmitten der erfolgreichsten Thätigkeit, 1826 vom Tode überrascht wurde. B. besaß eine seltene, umfassende Kenntniß der Litteratur aller Völker, und aus seiner geschäftlichen Thätigkeit ließe sich Manches für die Geschichte seiner Zeit und jener Litteraturepoche nicht Unbedeutende hervorheben, wofür indessen hier nicht der Raum ist. Für seine Familie war er ein Muster echt deutschen Wesens und selten mag so viel Tiefe, Gründlichkeit und Eigenthümlichkeit des Geistes mit so viel Milde und Weichheit vereint gefunden werden. Er hinterließ zwei Söhne, die gleichfalls dem Buchhandel sich zuwandten: der älteste Carl Heinrich Wilhelm B., geb. 1. Dec. 1808 in Hamburg, erwarb in Berlin das Eichler’sche Antiquariat und entwickelte dann, indem er sich namentlich dem Sortimentsgeschäfte zuwandte, unter seiner Firma Besser’sche Buchhandlung eine außerordentliche Thätigkeit, seine Buchhandlung wurde ein Sammelplatz der Berliner Gelehrtenwelt, und von den damals jüngern Männern traten ihm Manche auch persönlich nahe, wie z. B. die Brüder Curtius, Wattenbach, von Schlözer u. A. Er starb im Juli 1848, nachdem sein Geschäft im J. 1847 durch Kauf an Wilhelm Hertz übergegangen war, der die Besser’sche Buchhandlung zu hervorragender Bedeutung geführt hat und noch heute besitzt. Der andere Sohn Rudolf B. war eine Reihe von Jahren Mitbesitzer des von seinem Vater in Hamburg gegründeten Geschäftes, hielt sich vorübergehend in Stuttgart auf und lebt jetzt als Besitzer der Buchhandlung Besser in Gotha.[1]

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 572. Z. 24 v. u.: Rudolf Besser leitete neben seiner eigenen Buchhandlung mehrere Decennien das bekannte „Geographische Institut von Justus Perthes“ in Gotha. Er starb am 11. August 1883 auf einer Erholungsreise in die Schweiz zu Engelberg am Schlagfluß. [Bd. 45, S. 666]