ADB:Beuther, Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Beuther, Friedrich“ von Karl Bernhardi in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 588–589, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Beuther,_Friedrich&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 12:50 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Beuth, Peter
Nächster>>>
Beuther, Michael
Band 2 (1875), S. 588–589 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Juli 2013, suchen)
GND-Nummer 118662775
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|588|589|Beuther, Friedrich|Karl Bernhardi|ADB:Beuther, Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118662775}}    

Beuther: Friedrich B., Decorationsmaler, geb. 1776, † 1856. „Ganz zur rechten Zeit gewannen wir an dem Decorateur B. einen vortrefflichen, in der Schule von Fuentes gebildeten Künstler, der durch perspectivische Mittel unsere kleinen Räume ins Grenzenlose zu erweitern, durch charakteristische Architektur zu vermannichfaltigen und durch Geschmack und Zierlichkeit höchst angenehm zu machen wußte. Jede Art von Styl unterwarf er seiner perspectivischen Fertigkeit, studirte auf der weimarischen Bibliothek die egyptische sowie die altdeutsche Bauart, und gab den sie fordernden Stücken dadurch neues Ansehen und eigenthümlichen Glanz.“ Dieses Urteil Goethe’s (Tag- und Jahreshefte von 1815) berechtigt dazu, dem Bildungsgange dieses Künstlers einige Aufmerksamkeit zu widmen. Er war der Sohn eines Pfarrers zu Moschel in der bairischen Rheinpfalz. Sein Vater gab ihn bei einem Buchhändler in Frankfurt a. M. in die Lehre. Hier aber entwickelte sich bei ihm fast zufälligerweise eine überwiegende Hinneigung zum Theater. Er nahm nämlich Theil an einem Liebhabertheater, [589] und da er als Schauspieler sich nicht genügte, so übernahm er vorzugsweise die Sorge für die Decorationen. Damals hatte der Fürstprimas den in der Linearperspective ganz ausgezeichneten italienischen Maler Fuentes bei dem Theater in Frankfurt angestellt. Bei ihm holte sich unser B. Rath, den jener mit großer Bereitwilligkeit ertheilte, weil er wahrscheinlich die Fähigkeiten des jungen Mannes bald erkannte. B. gerieth dann auf den sinnreichen Gedanken, sich ein kleines – etwa vier Fuß großes – Theater anzufertigen, auf dem er unter ernstem Studium der Architektur und der Perspektive die ihm gewordenen Aufgaben erst im Kleinen zu lösen versuchte. Auf diese Weise fand er die Mittel, im beschränktesten Raume die größten Constructionen auszuführen, und dieses Verfahren hat er in seiner „Linearperspective“ (1833 und 1842) auf das bündigste dargelegt. Unterdessen hatte sich ein großer Theil der Mitglieder des Liebhabertheaters zu einer Wandertruppe vereinigt und B. schloß sich ihnen als Decorateur an. Wir finden ihn dann in den Jahren 1812–14 mit größeren Arbeiten für die Bühnen zu Bamberg und zu Würzburg beschäftigt, wo ihn Goethe zuerst kennen lernte und auch wahrscheinlich zu einer Reise nach Weimar veranlaßte; wenigstens wurde er dort mehrere Jahre lang beschäftigt, bis er 1818 einen vortheilhaften Ruf an das Theater zu Braunschweig annahm. Goethe hatte an dem kleinen Theater seine besondere Freude, sprach sich lobend darüber aus und hat durch seine, das weite Feld der Theatermalerei umfassende Kritik nicht wenig zu dem maßvollen künstlerischen Gleichgewicht beigetragen, durch welche sich die Beutherschen Decorationen so sehr auszeichnen. Eine von der Theaterdirection in Braunschweig zu seinem Nachtheil in Anwendung gebrachte Auslegung seines Vertrags veranlaßte ihn im J. 1822 denselben zu kündigen und sich im Frühjahr 1823 nach Kassel zu begeben. Hier malte er zwar u. a. die Decorationen zum „Freischütz“ (mit Ausnahme der Wolfsschlucht), doch kam es damals noch zu keiner festen Anstellung daselbst, sondern er folgte einer abermaligen Einladung nach Weimar und arbeitete dort mit großem Erfolge, bis er 1825 auf Lebenszeit in Kassel angestellt wurde. Bis zu seinem Tod bereicherte er, in Gemeinschaft mit dem nicht minder ausgezeichneten Maler J. G. Primavesi, das kassel’sche Theater mit den trefflichsten, zum Theil noch unübertroffenen Decorationen. Er war vorzugsweise Meister im architektonischen Fache, während sein Amtsgenosse Primavesi sich in der Landschaftsmalerei auszeichnete. Außer seinen „Decorationen für die Schaubühne“ (1825 und 1828) und den „Neuen Decorationen“ (1836) verdient die bereits erwähnte, in zwei Auflagen erschienene „Kurze Anweisung zur Linearperspective“ wegen ihrer Brauchbarkeit besondere Erwähnung. Auch schrieb er noch: „Ueber Licht und Farbe, die prismatischen Farben und die Newton’sche Farbenlehre“ (1833).